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Letzte Aktualisierung: 17.06.2024

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Till Lieberz-Groß mit Ehrenplakette ausgezeichnet

von Ilse Romahn

(24.05.2024) Die langjährige Lehrerin und Schulleiterin der Anne-Frank-Schule Mathilde Lieberz-Groß, genannt Till, ist mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet worden. Oberbürgermeister Mike Josef überreichte ihr die Ehrung im Kaisersaal des Römers. Lieberz-Groß setzt sich seit Jahrzehnten für die Erforschung und Würdigung der jüdischen Geschichte Frankfurts sowie für die Verständigung mit jüdischen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ein.

Till Lieberz-Groß und Oberbürgermeister Josef mit Plakette und Urkunde
Foto: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes
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In ihrer Position als Schulleiterin legte sie Wert auf eine auf der deutsch-jüdischen Geschichte basierenden Erziehung zu Toleranz und Respekt. Lieberz-Groß engagiert sich zudem in zahlreichen Initiativen, Vereinen und Stiftungen und leistet mit ihrer hauptamtlichen wie ehrenamtlichen Arbeit einen entscheidenden Beitrag zur Erinnerungskultur in Frankfurt.
 
Bei ihrer Arbeit habe der Fokus von Till Lieberz-Groß immer auf den Kindern und Jugendlichen gelegen, betonte Oberbürgermeister Josef in seiner Rede. Ihre Publikation „Rettet wenigstens die Kinder“ über die Kindertransporte, mit denen nach den Novemberpogromen 1938 etwa 20.000 Kinder aus Deutschland gerettet wurden, fand viel Beachtung und trug wie auch viele ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten dazu bei, „die Erinnerung an die Lebenswege von Kindern und Jugendlichen während und nach dem Nationalsozialismus wachzuhalten und eine aktive Erinnerungskultur sowie ein demokratisches Bewusstsein zu fördern“, sagte Josef. Ob als langjährige Leiterin deutsch-israelischer Seminare für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft oder als Regionalsprecherin des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“, Lieberz-Groß suche den Dialog und sei insbesondere als Pädagogin darauf bedacht, Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben.
 
Ihr Einsatz gegen das Vergessen der Verbrechen der Nationalsozialisten sei ein wichtiger Beitrag zur Demokratie, fuhr Josef fort. So war Lieberz-Groß unter anderem federführend bei der Schaffung des Erinnerungsortes in der Ebersheimstraße 5 im Nordend aktiv, wo eine Gedenktafel an die Kinder und Mitarbeitern des Jüdischen Kinderheims erinnert, die nicht mehr gerettet werden konnten und ermordet wurden. „Unsere Stadt braucht Erinnerungsorte wie diese und sie braucht Menschen wie Till Lieberz-Groß, die die Initiative ergreifen und die Einrichtung dieser Orte fordern“, sagte Josef.
 
Lieberz-Groß war neben ihrer Tätigkeit in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und bei deutsch-israelischen Seminaren auch in einer Vielzahl von Fördervereinen aktiv, unter anderem in dem der Anne-Frank-Schule, der Bildungsstätte Anne Frank, des Fritz Bauer Instituts, des Jüdischen Museums und des Historischen Museums. Zudem arbeitete sie mit der Initiative Stolpersteine, dem Institut für Stadtgeschichte, der Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam und vielen weiteren angesehenen Institutionen zusammen. Neben „Rettet wenigstens die Kinder“ war sie noch an fünf weiteren Publikationen beteiligt, die sich um die Themen Erinnerungskultur und Erziehung drehen.
 
Die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt wird an Menschen verliehen, die sich auf kommunalpolitischem, kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem oder städtebaulichem Gebiet verdient gemacht und durch ihr Wirken dazu beigetragen haben, das Ansehen der Stadt Frankfurt am Main zu mehren. (ffm)