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Letzte Aktualisierung: 17.05.2021

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Teilchenbeschleuniger versus Corona

Mit Röntgenstrukturanalysen Medikamente gegen SARS-CoV-2 finden

von Dr. Gerhard Samulat

(27.04.2021) Lange galt die sogenannte Synchrotronstrahlung, die Teilchenbeschleuniger beim Betrieb abstrahlen, als lästiges Abfallprodukt, das verhindert, dass man den Teilchen noch mehr Energie zuführen kann. Schon seit geraumer Zeit haben die Physiker aus der Not eine Tugend gemacht: Mit dem starken Röntgenanteil dieses Lichtes lassen sich auf einzigartige Weise Materialien untersuchen. Das hilft auch der medizinischen Forschung.

Schematische Darstellung der Coronavirus-Protease, eines wichtigen Schlüsselproteins, das an der Vermehrung der Viren beteiligt ist. Das kleine Molekül in Gelb könnte als Ansatzpunkt für einen Wirkstoff dienen.
Foto: H. Tabermann/HZB
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Mit dem brillanten Synchrotronlicht der Teilchenbeschleuniger lassen sich die Strukturen von Biomolekülen ermitteln. Das gilt auch für Krankheitserreger wie das SARS-CoV-2-Virus. Ein neues Physikkonkret der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) zeigt genau das: Wie Molekularbiologen zusammen mit Physikern unter Einsatz modernster Experimentier- und Rechenverfahren mit Röntgenstrukturanalysen an großen Teilchenbeschleunigern der Struktur des SARS-CoV-2-Erregers auf die Spur kommen und beobachten können, welche Substanzen als Medikamente infrage kommen.

Im Gegensatz zu den bestehenden und noch hinzukommenden Impfstoffen, die heute bereits gesunden Menschen helfen, sich gegen das Virus zu wehren, sollen die an den Beschleunigeranlagen entwickelten Medikamente bei bereits erkrankten Menschen die Vermehrung des Virus im Körper bremsen oder stoppen, was ein zusätzlicher, überaus wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wäre.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V. (DPG), deren Tradition bis in das Jahr 1845 zurückreicht, ist die älteste nationale und mit rund 55.000 Mitgliedern auch mitgliederstärkste physikalische Fachgesellschaft der Welt. Als gemeinnütziger Verein verfolgt sie keine wirtschaftlichen Interessen. Die DPG fördert mit Tagungen, Veranstaltungen und Publikationen den Wissenstransfer innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und möchte allen Neugierigen ein Fenster zur Physik öffnen. Besondere Schwerpunkte sind die Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses und der Chancengleichheit. Sitz der DPG ist Bad Honnef am Rhein. Hauptstadtrepräsentanz ist das Magnus-Haus Berlin. Website: https://www.dpg-physik.de