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Letzte Aktualisierung: 27.11.2020

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Teil 7: Der Bad Sodener Bahnhof

Eine Reihe Bad Sodener Frühlingsspaziergänge

von Adolf Albus

(25.05.2020) Vor dem Schneckenbrunnen (Neuer Kurpark) überqueren wir die Salinenstraße und betreten den Bahnhofsplatz. Zwischen den modernen Townhouses, dem Firmengelände der Messer Group, der abstrakten Skulptur „Drei Grazien“ von Ewerdt Hilgemann und dem restaurierten Bahnhofsgebäude stehend kann man sich heute kaum mehr vorstellen, dass Soden bereits ab 1847 über eine Bahnverbindung nach Höchst verfügte – die zweite Nebenstrecke Deutschlands!

Damals entstand auch ein erstes Bahnhofsgebäude mit einer offenen Halle in der Mitte und zwei ebenerdigen Anbauten rechts und links. Um 1910 wurde das veraltete Bahnhofsgebäude modernisiert: Die offene Halle machte einem geschlossenen Empfangsgebäude Platz. Der Uhrturm (Treppenturm) und die klassizistischen Gestaltungselemente verleihen dem Gebäude bis heute einen einheitlichen Gesamteindruck. 2011 erwarb die Firma Messer das Gelände und sanierte 2014 das alte Bahnhofsgebäude aufwändig.
                                                               
Heute befinden sich dort Veranstaltungsräume, die für Feierlichkeiten der Firma Messer dienen oder angemietet werden können. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, da äußerlich im Wesentlichen der Bauzustand von 1910 erhalten ist. Als am 22. Mai 1847 die Bahnstrecke Höchst-Soden, betrieben von der Sodener Actiengesellschaft (Bankhaus Bethmann) eröffnet wurde, war diese in erster Linie für die Kurgäste gedacht. Die Billets - vor allem in der 1. Klasse - waren sehr teuer. Die Züge verkehrten nur in der Sommersaison. Die Lokomotiven der Bahnstrecke Soden-Höchst kamen nicht mehr aus England, wie das bei den frühen Bahnen auf deutschem Gebiet noch meist der Fall war, sondern wurden vom Eisenbahnpionier Emil Kessler in seiner Maschinenfabrik in Karlsruhe gebaut. Sie hießen bezeichnenderweise „Soden“ und „Nassau“. Die Eisenbahn erreichte eine Geschwindigkeit von durchschnittlich 30 Kilometer pro Stunde.  
Bereits 1839/40 wurde die Bahnlinie der Taunusbahn von Frankfurt über Mainz-Kastel nach Wiesbaden mit Halt in Höchst eröffnet, so dass Soden für Kurgäste schnell erreichbar war. Ab 1872 gehörte die Sodener Bahn zur Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung und war mittlerweile ganzjährig in Betrieb. 100 Jahre später erreichte die Strecke der Limesbahn von Schwalbach kommend Bad Soden, das somit direkt an Frankfurt angeschlossen war. Die Strecke war elektrifiziert und ein zweites Bahnsteiggleis erbaut worden. Im Mai 1978 konnte die S 3 zwischen Bad Soden und Frankfurt ihren Betrieb aufnehmen. Seit 1. Juni 1997 wird die Strecke bis Darmstadt weitergeführt und endet nicht mehr – wie zuvor – an der Frankfurter Stresemannallee. 

Heute ist der Sodener Bahnhof mit dem davor liegenden Busbahnhof ein Pendler-Knotenpunkt, der mittels der
S-Bahn-Linie 3, der Regionalbahn nach Höchst sowie zahlreichen lokalen Buslinien die Vortaunusstadt mit der Umgebung und den Gemeinden im Hochtaunuskreis verbindet. Neuerungen sind zu erwarten, wenn die geplante Regionaltangente West fertiggestellt ist. Einen Wetter- und Windschutz will die Deutsche Bahn jedoch möglichst bald installieren. Das frisch renovierte Parkhaus neben dem Busbahnhof ermöglicht auch ein Park + Ride in die Frankfurter Innenstadt.


Die Reihe Bad Sodener Frühlingsspaziergänge

  1. Der Alte Kurpark
  2. Das Badehaus im Alten Kurpark
  3. Das Paulinenschlößchen
  4. Der Burgberg mit dem Burgbergturm
  5. Das Medico-Palais
  6. Der Neue Kurpark
  7. Der Bad Sodener Bahnhof
  8. Die Königsteiner Straße
  9. Die Fußgängerzone: Adlerstraße und Platz Rueil-Malmaison
  10. Durch die Claussstraße in den alten Ortskern