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Letzte Aktualisierung: 26.10.2020

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Tanz auf dem Vulkan: zu Besuch bei Zentralamerikas Feuerbergen

von Ilse Romahn

(16.10.2020) Die Landschaften Zentralamerikas sind geprägt durch dichte Regenwälder und malerische Karibikküsten, aber auch durch imposante Gebirgsketten, in denen mehr als 100 Vulkane zu finden sind – darunter auch viele aktive Feuerberge.

Vulkan Santa Ana, El Salvador
Foto: visitcentroamerica.com
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Durch sechs Länder und entlang des pazifischen Feuerrings führt die Vulkanroute Zentralamerikas, die spektakuläre Naturbegegnungen für Abenteurer, Entdecker und (Hobby-) Geologen bereithält.

El Salvador: Im Schatten der Vulkane
Seit vielen Jahrhunderten wird das Leben in El Salvador durch Vulkane bestimmt. Insgesamt gibt es mehr als 20 Vulkane im kleinsten Land Zentralamerikas. Höchst aktiv ist vor allem der Vulkan Santa Ana, dessen letzter Ausbruch auf das Jahr 2005 zurückgeht. Eine Wanderung auf den Gipfel des knapp 2.400 Meter hohen Vulkans – dem höchsten Punkt des Landes – führt durch Nebelwälder, vorbei an Fumarolen und alten Lavafeldern. Für den anspruchsvollen Aufstieg werden Wanderer mit einer spektakulären Aussicht auf den grün-blauen Vulkankrater belohnt. Südlich des Santa Ana liegt der Vulkan Cerro Verde im gleichnamigen Nationalpark, einem grünen Paradies für Naturliebhaber. Ein Besuch lohnt auch aufgrund des Coatepeque Sees, dem Vulkankratersee des Cerro Verde. Dieser zählt zu den schönsten Naturseen Zentralamerikas und lädt zum Schwimmen, Tauchen oder Wasserskifahen ein. Zu den „Großen Dreien“ El Salvadors gehört auch der Vulkan Izalco, der durch seinen regelmäßigen Eruptionen als natürliches Leuchtfeuer für Seefahrer und Händler fungierte und als „Leuchtturm des Pazifiks“ einen besonderen Platz in der Geschichte El Salvadors einnimmt. 

Vulkan-Surfen in Nicaragua
Nicaragua ist Heimat von mehr als 50 Vulkanen, von denen der 1850 entstandene Cerro Negro – der „schwarze Hügel“ – der jüngste Vertreter Nicaraguas ist. Mit einer Höhe von 728 Metern, zählt der Vulkan zwar nicht zu den höchsten Feuerbergen des Landes, dafür aber zu den aktivsten, dessen ständige vulkanische Aktivität gut durch den regelmäßigen Ausstoß von Schwefeldämpfen erkennbar ist. Der knapp drei Kilometer lange Cerro Negro Volcano Trail nahe der Stadt Rota, Léon, führt vorbei an ein paar schönen Aussichtspunkten und durch die Wildblumenvegetation des Berges. Abenteuerlustige können den Abstieg zum Vulkan-Surfen nutzen, einer rasanten Schlittenfahrt über die schwarzen Vulkansandpisten des Cerro Negro. Weiter im Süden Nicaraguas finden Besucher im Parque Nacional Volcán Masaya zwei weitere Vulkane mit insgesamt fünf Kratern: den namensgebenden Vulkan Masaya und den Vulkan Nindirí. Die vulkanische Aktivität des Parks lässt sich am besten am Cráter Santiago beobachten, in dem glühende Lava fast schon dauersprudelt, aber auch am El Comalito, dem rauchenden Vulkankegel. Der Vulkanpark besitzt ein gut ausgebautes Netz an Wanderwegen, in dem Besucher auf Leguane, Affen und Waschbären treffen können – bemerkenswert ist auch eine Kolonie von wilden Papageien, die in den Schwefelkraterwänden des Parks lebt.

Das ist ja wohl die Höhe: Gipfelstürmen in Guatemala
Mit einer Höhe von 4.220 Metern ist der Vulkan Tajumulco nicht nur der größte Vulkan Guatemalas, sondern auch der höchste geografische Punkt Zentralamerikas, den Reisende am besten aktiv beim Trekking erleben. Start der Tour ist am Basislager auf 2.500 Metern Höhe. Der Aufstieg zum Gipfel dauert rund fünf Stunden, für den Abstieg sollte man rund zwei Stunden einplanen. Vom Gipfel aus lassen sich bei klarer Sicht Mexiko, der Pazifik, der Lago Atitlán sowie die Zwillingsvulkane Acatenango und Fuego nahe der Stadt Antigua erblicken. 

Die anspruchsvolle Tour eignet sich für geübte Wanderer und ist auch ohne Guide möglich. Wer mag, kombiniert die Wanderung mit einer Übernachtung oder nutzt einen der lokalen Veranstalter wie Quetzaltrekkers, der neben Verpflegung und Guides, auch die Ausrüstung zum Gipfelstürmen stellt. Ein weiterer Vorteil der Mehrtagestour: so lässt sich sowohl der Sonnenaufgang als auch -untergang in Guatemalas eindrucksvollsten Höhenmetern erleben.

Vulkan-Safari zu den Big Five Costa Ricas
Costa Rica besitzt mehr als 190 vulkanische Enklaven, darunter fünf aktive Vulkane. Die stärkste Vulkankonzentration finden Besucher nördlich von Guanacaste sowie in der Region Valle Central. Der Irazú nahe San José ist mit seinen 3.432 Metern der höchste aktive Vulkan Costa Ricas, zu dem auch ein türkis-grüner Schwefelsee gehört. Bei gutem Wetter hat man vom Berggipfel eine Sicht sowohl auf den Pazifik, als auch auf das Karibische Meer. Mit bis zu 40 (Mini-)Ausbrüchen pro Tag ist der Vulkan Poás der meistbesuchte Feuerberg des Landes, der zwei Kraterseen besitzt. Beste Aussichten auf den Vulkan erhascht man von der Aussichtsplattform auf 2.574 Metern, von der man in den 300 Meter tiefen Kraterschlund blickt. Mit dem Arenal finden Reisende einen kegelförmigen inaktiven Bilderbuchvulkan im Nordteil des Landes. Rund um den Berg lassen sich auf Wanderungen erkaltete Lavaströme entdecken sowie den Wasserfall La Fortuna, der 70 Meter in die Tiefe stürzt. Der Vulkan Tenorio Nationalpark gilt seit 1976 als Naturschutzgebiet und beheimatet viele Vogelarten, darunter Tukane und Kolibris. Neben einer Tour zum Vulkangipfel, lohnt auch ein Zwischenstopp am türkisfarbenen und sehr fotogenen Río Celeste. Den perfekten Abschluss der Vulkantour durch Costa Rica lässt sich am Vulkan Rincón de la Vieja bei einem entspannenden heißen Bad in 40 Grad warmen Thermalwasser genießen. 

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Mit 57 Millionen Einwohnern auf einer Gesamtfläche von 570.948 Quadratkilometern nehmen die Länder Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama ergänzt durch die Dominikanische Republik gerade einmal zwei Prozent der Erdoberfläche ein. Zugleich gilt Zentralamerika als eine der Regionen mit der höchsten Biodiversität weltweit. Über 550 Naturschutzschutzgebiete erstrecken sich über 25 Prozent der Landesfläche der gesamten Region. Nicht zuletzt die einmalige Lage zwischen Nord- und Südamerika trägt dazu bei, dass die acht Staaten zusammen 12 Prozent der biologischen Vielfalt der Welt beheimaten und das zweitgrößte Riffsystem der Erde direkt vor den Toren Zentralamerikas zu finden ist. Doch nicht nur Flora und Fauna, sondern auch der kulturelle Reichtum trägt zur Anziehungskraft der acht Länder entscheidend bei. Mehr als 25 indigene Völker, imposante Kolonialbauten, geheimnisvolle Maya-Stätten sowie 19 UNESCO Welterbestätten sind Teil der Magie einer ganzen Region.

Weitere Informationen unter www.catatourismagency.org; www.visitcentroamerica.com