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Letzte Aktualisierung: 01.07.2022

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Tagebuch einer Pandemie: COVID-19 in Bildern

Wer sind die Menschen hinter den Kliniktüren?

von Matthias Dettenhofer

(16.05.2022)  Seit knapp 30 Monaten hält das Coronavirus SARS-CoV-2 die Welt in Atem. Krankenhäuser stehen seit Pandemie-Beginn unter Dauerbelastung, und die Leistungen des medizinischen Personals in besonderem Fokus der Öffentlichkeit. Doch wer sind die Menschen hinter den Kliniktüren? Wie erleben sie die Pandemie? Die Ausstellung „Tagebuch einer Pandemie: COVID-19 in Bildern“ zeigt eindrucksvoll die Gesichter der Pandemie am Beispiel einer Intensivstation des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) aus der Perspektive einer Mitarbeiterin.

Von links: Franz Eder (Pflegerischer Leiter Station 90), Juliane Ehrenberg (Pflegefachkraft und Fotografin), PD Dr. Dirk Lunz (Oberarzt Klinik für Anästhesiologie) und Thomas Bonkowski (1. Vorsitzender VFFP) eröffneten die Ausstellung am UKR.
Foto: Domenica Golka, UKR
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Müde, erschöpft und besorgt, aber doch voll Zuversicht und Herzenswärme. Ein Blick in die Gesichter der Ärzte und Pflegekräfte und man weiß, welcher Belastung sie während der Pandemie täglich ausgesetzt sind. Am 12. Mai 2022 wurde im Rahmen des Internationalen Tages der Pflege am UKR die Ausstellung „Tagebuch einer Pandemie: COVID-19 in Bildern“ eröffnet. Die dort gezeigten Eindrücke aus dem Stationsalltag der Operativen Intensivstation 90 des UKR wurden von Juliane Ehrenberg, Krankenschwester auf der Intensivstation, dokumentarisch in Fotografien und Worten festgehalten.

Das Ergebnis: ein über Monate hinweg zusammengestelltes Tagebuch, das sinnbildlich steht für das herausragende Engagement aller Berufsgruppen auf COVID-Intensivstationen in der Pandemie. Die Bilder und Worte spiegeln deutlich den emotionalen Ausnahmezustand der Mitarbeiter, aber auch der Patienten und ihrer Angehörigen wieder.

„Das Team einer Intensivstation ist es gewohnt, täglich schwerstkranke Patienten zu versorgen. Aber das Coronavirus war auch für uns eine ganz neue Herausforderung und Belastung“, erklärt Franz Eder, Pflegerischer Leiter der Operativen Intensivstation 90 des UKR. „Niemand wusste, was auf uns zukommen wird. Nur, dass das Virus hochansteckend und sehr gefährlich ist und dass die Patienten eines enormen pflegerischen Aufwandes über längere Zeit bedürfen.“ Und das bei plötzlicher, weltweiter Knappheit an Schutzausrüstung.

Schwerste Fälle, ungewisser Ausgang und voller Einsatz für die Patienten

Eine Herausforderung, der sich die Teams der Intensivstationen mit all ihrem Know-how stellen und um jeden einzelnen Patienten kämpfen. Zu Hochzeiten der Pandemie wurden auf den Intensivstationen des UKR mehr als 40 schwerstkranke COVID-19-Patienten gleichzeitig versorgt. Bei vielen hing das Leben nur noch an der künstlichen Lunge, der ECMO. „Als ich den Ausspruch ‚Yes we can do it!‘ gemacht habe, war ich mir sicher, dass wir es im Team tatsächlich schaffen werden, auch wenn wir alle an unsere Grenzen, oft auch darüber hinaus gehen müssen, da der Teamgeist und die Motivation , sich dagegenzustemmen, bei allen zu spüren waren, sozusagen in der Luft lagen. Dass uns die Pandemie aber nach so langer Zeit immer noch beschäftigt und unsere Intensiv- und Allgemeinstationen immer noch mit etwa 20 Corona-Patienten belegt sein würden, hätte ich vor zweieinhalb Jahren nicht erwartet“, lässt Professor Dr. Bernhard Graf, Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter des UKR, die vergangenen Monate Revue passieren.

„Die Bilder der Ausstellung zeigen eindrucksvoll das Innenleben einer unserer COVID-Intensivstationen – berührend, ungeschönt und direkt, aber doch respektvoll, professionell und ruhig. Das tägliche Ringen um das Leben der uns anvertrauten Patienten, aber eben auch die kleinen fröhlichen Momente und Lichtblicke. So, und nur so, konnten wir die Pandemie bislang mit Erfahrung, Routine und gegenseitiger Unterstützung meistern und überstehen“, würdigt Professor Graf die Leistung der Teams auf den Intensivstationen, aber auch aller anderen Mitarbeiter des UKR.

Auch für die Fotografin und Autorin des Tagebuches war zu Beginn der Pandemie nicht absehbar, was sich hier entwickeln würde. „Ich spürte einfach, dass eine besondere Zeit auf uns zukam, und wollte diese festhalten“, beschreibt Juliane Ehrenberg ihre Motivation, das Pandemiegeschehen zu dokumentieren. „Dass wir daraus eine Ausstellung machen und damit der Öffentlichkeit einen Einblick in unsere Arbeit der letzten zwei Jahre geben können, freut mich sehr.“

Ausstellung bis 17. Juni 2022 im Foyer des UKR zu sehen

Die Ausstellung wurde im Rahmen des Internationalen Pflegetages die Ausstellung „Tagebuch COVID-19 Station 90“ im Universitätsklinikum Regensburg eröffnet – organisiert von Anjalie Chaubal und finanziell unterstützt vom UKR, vom Donau-Einkaufszentrum Regensburg, vom Kulturamt der Stadt Regensburg, von der REWAG-Kulturstiftung und vom Landkreis Regensburg. Zu sehen sind Fotografien vom Alltag einer COVID-19-Intensivstation. Zum 21. Juni 2022 wechselt die Ausstellung dann ins Donau-Einkaufszentrum und wird dort bis 9. Juli 2022 einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Das Coronavirus war bis vor kurzem das dominierende Thema im UKR, aber auch in allen anderen Gesundheitseinrichtungen. Daher wollen wir den Internationalen Tag der Pflege zum Anlass nehmen, um die Leistung der Pflegekräfte auf den Intensiv-, aber auch auf den Allgemeinstationen zu honorieren. Am besten geht das natürlich, indem wir zeigen, was Pflege, Ärzteschaft und alle anderen Berufsgruppen in dieser Zeit geleistet haben“, freut sich Thomas Bonkowski, 1. Vorsitzender des VFFP.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung gaben PD Dr. Dirk Lunz, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie des UKR, und Franz Eder, Pflegerischer Leiter der Operativen Intensivstation 90 des UKR, Einblicke, vor welche Herausforderungen und Probleme das Coronavirus die medizinische und pflegerische Versorgung der schwerstkranken Patienten gestellt hat. Trotz der immer noch anhaltenden Coronavirus-Pandemie, dominieren der Krieg und das Leid der Menschen in der Ukraine derzeit das Nachrichtengeschehen. Umso erfreulicher ist es, dass im Rahmen der Vernissage durch den VFFP eine Spende über 1.000 Euro an die Ukrainehilfe St. Wolfgang „Verein für Straßenkinder in Not e.V.“ übergeben werden konnte. (idw)