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Letzte Aktualisierung: 20.05.2022

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Täglich nicht mehr als fünf Gramm Salz

Studie zeigt: Herzkranke profitieren bei geringem Salz-Konsum wenig von weiterer Reduktion

von Dr. Andreas Mehdorn

(06.05.2022) Sprichwörtlich ist Salz in der Suppe zwar ein unverzichtbarer Bestandteil, doch ein zu hoher Salz-Konsum erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt Erwachsenen, täglich nicht mehr als fünf Gramm Salz – etwa einen Teelöffel – zu sich zu nehmen. Menschen mit bereits bestehenden Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie etwa einer Herz-Insuffizienz sollten noch weniger Salz zu sich nehmen – so die Empfehlung. Doch welchen positiven Effekt hat Salz-Reduktion tatsächlich auf das Herz-Kreislauf-Risiko?

Der Prof. Helmut Schatz (Bochum) von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) weiß dazu Folgendes zu berichten: Auf dem Kongress des American College of Cardiology (ACC) im April 2022, zugleich publiziert im Lancet wurde die SODIUM HF-Studie vorgestellt, die keinen kardialen Nutzen einer Natriumreduktion ergab. Über den Einfluss der tägliche Kochsalzmenge auf die Funktion des Herzkreislaufsystems wurde bereits im DGE-Blog am 3. August 2016 berichtet, und bei Durchsicht auch der neueren Literatur ergibt sich kein eindeutiges Bild für einen generell schädlichen kardiovaskulären (CV) Effekt von Kochsalz.Daher wurde das SODIUM HF Trial als internationale, open-label, randomisierte kontrollierte Studie in sechs Ländern initiiert.

Es wurden 806 Patienten ab dem 18. Lebensjahr, im Durchschnitt 66 Jahre, mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium II-III, mittlere Ejektionsfraktion 36 Prozent) unter guter medikamentöser Therapie in zwei Gruppen eingeteilt: Bei Patienten unter „usual care“ betrug die Natriumaufnahme etwa 2000 mg/Tag, bei der Gruppe mit weniger Natrium lag sie bei 1600 mg/Tag (1 g Natrium entspricht 2.5 g Kochsalz). Das primäre Outcome setzte sich zusammen aus CV-bedingter Krankenhausaufnahme, CV-bedingtem Aufsuchen einer Notfallstation und Gesamttodesfälle.

Innerhalb von zwölf Monaten ergaben sich folgende Zahlen für die niedriges Natrium- vs. usual care-Gruppe: Primäres Outcome 15% vs. 17% (p=0.53), Gesamttodesfälle 6% vs. 4% (p=0.32), CV bedingte Krankenhausaufnahme 10% vs. 12% (p=0.36), und CV bedingtes Aufsuchen einer Notfallabteilung 4% vs. 4% (p=0.60).

Die lapidare Schlussfolgerung der Autoren lautete: „In ambulatory patients with heart failure, a dietary intervention to reduce sodium intake did not reduce clinical events“.

Kommentierend dazu schreibt Prof. Schatz: „In der Diskussion wurde auf die Limitationen hingewiesen, so darauf, dass der Durchschnittsamerikaner täglich drei Gramm Natrium zu sich nehme, also 7.5 Gramm Salz. Hätte man diese Natriumaufnahme in der „usual care- Gruppe“ eingesetzt, hätten sich aber möglicherweise andere Resultate gezeigt. Ein Diskutant sagte: “My takeaway is that we don´t have to spend time and energy getting patients to adhere to a super-low-sodium diet. Yes, of course, a patient with heart failure should´t consume 3 g of sodium daily; no one should.

Kritisch wurde auch darauf hingewiesen, dass die Patienten möglicherweise nicht krank genug waren, um von der niedrigen Natrium-Diät zu profitieren. Dennoch liegt wiederum eine Arbeit mehr vor, die dafür spricht, dass Salz, wenn man es nicht in größeren Mengen zu sich nimmt, für Herz und Kreislauf nicht schädlich sei.“