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Letzte Aktualisierung: 25.06.2024

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Suche nach neuen Therapien gegen Krebs

Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt 18 Millionen

von Robert Ermmerich

(04.06.2024) Auf die Suche nach innovativen Therapien gegen Krebs geht ein neuer Sonderforschungsbereich, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt bewilligt hat: Forschungsgruppen der Technischen Universität München (TUM), der Goethe-Universität Frankfurt und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) haben sich dafür zusammengetan. Sie wollen die Rolle klären, die das kleine Protein Ubiquitin bei der Krebsentstehung spielt.

Blick auf das Hauptgebäude der Uni Würzburg
Foto: Daniel Peter/Universität Würzburg
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Ubiquitin kommt praktisch überall im Körper vor. Es kontrolliert die Funktion und den Abbau der allermeisten Proteine und vermittelt Signale, die die Zellteilung steuern. „Fehler im Ubiquitin-System können zur Entstehung von Krebs beitragen, das ist bekannt“, sagt Professorin Caroline Kisker, Leiterin des Lehrstuhls für Strukturbiologie an der JMU. Doch welche Rolle das Protein im Detail spielt, ist weitgehend ungeklärt.

Der neue Sonderforschungsbereich „Functionalizing the Ubiquitin System against Cancer – UbiQancer“ soll das ändern: Mit einem Schwerpunkt auf Darm- und Lungenkrebs sowie auf Akuter Myeloischer Leukämie (AML) und B-Zell-Lymphomen wollen die beteiligten Forschungsgruppen klären, welche Rolle das Ubiquitinsystem bei diesen Krebsarten spielt. Sie hoffen, potenzielle neue Angriffspunkte für die Krebstherapie zu finden.

18 Millionen Euro Förderung ab Herbst

Die DFG fördert den neuen Sonderforschungsbereich ab Oktober 2024 für zunächst drei Jahre und neun Monate mit rund 18 Millionen Euro. Sprecher ist Professor Florian Bassermann von der TU München, stellvertretende Sprecherin ist JMU-Professorin Caroline Kisker. „Die Expertisen der Wissenschaftler der drei Standorte und die daraus entstehenden Synergien bilden eine exzellente Voraussetzung, um die durch Ubiquitin vermittelten Signalwege besser zu verstehen und dieses Wissen als Ausgangspunkt für neue therapeutische Ansätze zu nutzen“, so die Würzburger Forscherin. Von der JMU sind Arbeitsgruppen aus der Chemie und Pharmazie, der Medizin und vom Rudolf Virchow Zentrum am neuen Sonderforschungsbereich beteiligt.

Bestehender Sonderforschungsbereich läuft weiter

Für eine weitere Förderperiode verlängert wird der Sonderforschungsbereich „Behandlung motorischer Netzwerkstörungen mittels Neuromodulation“ (rund 15,3 Millionen Euro); Sprechereinrichtung ist die Universitätsmedizin Charité in Berlin. Beteiligt ist auch das Universitätsklinikum Würzburg; hiesiger Standortsprecher ist Professor Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik.

Dieser Sonderforschungsbereich untersucht dynamische Nerven-Netzwerke bei gesunden und neurologisch oder psychiatrisch erkrankten Menschen, um sie durch magnetische und elektrische Hirnstimulation gezielt zu beeinflussen. Ziel ist die Entwicklung innovativer Neuromodulationssysteme, die mit hoher Präzision auf einzelne Symptomkreisläufe bei neurologischen Bewegungsstörungen abzielen, wie sie etwa bei der Parkinsonerkrankung, Dystonie oder Tics auftreten.

Lob von Minister Markus Blume

Wissenschaftsminister Markus Blume: „Ritterschlag der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Spitzenforschung im Freistaat: Die DFG unterstützt herausragende Projekte an unseren Universitäten. Das erfolgreiche Abschneiden gerade im medizinischen Bereich zeigt: Wir betreiben Spitzenforschung für die Menschen in Bayern. Insgesamt gehen in dieser Runde rund 26 Millionen Euro aus der Top-Liga der DFG-Förderung an unsere exzellenten Universitäten. Unsere 5,5 Milliarden starke Hightech Agenda Bayern garantiert den erfolgreichen Sonderforschungsbereichen beste Rahmenbedingungen. Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten und viel Erfolg!“

Damit ist die Universität Würzburg nun an insgesamt 15 Sonderforschungsbereichen beteiligt; dazu kommen drei Sonderforschungsbereiche in alleiniger Trägerschaft der JMU. idw.-