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Letzte Aktualisierung: 16.04.2021

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Streifzüge zu Fuß durch die Städte Frankfurt und Offenbach

eine etwas andere Rezension

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(08.03.2021) Selbst wenn man Frankfurt und Offenbach gut kennt, so ist es doch höchst vergnüglich, in den beiden Büchern des Societäts-Verlags (Frankfurt zu Fuß von Kristiane Müller-Urban und Eberhard Urban und Offenbach zu Fuß von Ingrid Walter) zu blättern und zu schmökern.

Bildergalerie
Cover von Frankfurt
Foto: Societäts-Verlag
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Cover von Offenbach
Foto: Societäts-Verlag
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Die Autoren erkundeten jeweils die beiden Städte, und es verblüfft, wie viel Hintergrundwissen, Details und Lokalkolorit vermittelt wird. Es ist offensichtlich, dass besonders Ingrid Walter wohl mit vielen Menschen vor Ort  gesprochen haben muss, weil sie oft Wissen wiedergibt, das nirgendwo nachzulesen ist. Hilfreich sind bestimmt auch die abgebildeten Stadtkarten für die Streifzüge zu Fuß.

Doch was verbindet die beiden Städte, die sich eigentlich doch gar nicht grün sind und mögen? Die Offenbacher müssen hämische Witze ertragen, und den Frankfurtern wird Arroganz und Überheblichkeit vorgeworfen. Ich habe mich auf die Suche gemacht, geblättert, gelesen und mit ein wenig Augenzwinkern  Erstaunliches gefunden.

Es ist ersichtlich, beide liegen am Main! Die eine Stadt ist stolz und reich, die andere trotzig und arm. Doch ich habe manches entdeckt, z. B. die Carl-Ulrich-Brücke in Offenbach trifft auf den  Frankfurter Stadtteil Fechenheim. Wer nur ein Stückchen weiter geht, findet die Gaststätte „Bier-Hannes“. Hier sitzen Frankfurter und Offenbacher friedlich beim Bier! Wirklich!

Die stolze Alte Oper hat ein kleines Pendant in Offenbach, nämlich das Capitol. Früher hieß es Goethetheater und davor war es eine ehrwürdige jüdische  Synagoge.

Das Museumsufer mit dem Städel, dem Architekturmuseum, dem Museum Angewandte Kunst – um nur einige zu nennen -  ist einzigartig. Auch das
Senckenberg-Museum muss man anführen. Die Nachbarstadt kann nur mit 2 Museen aufwarten, mit dem Deutschen Ledermuseum und dem Klingspor-Museum (Buch- und Schriftkunst). Aber Immerhin…

Ach ja, und der Frankfurter Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe ist am Hirschgraben geboren. Das Goethehaus kennt jeder. Aber er hat sich in „e Offebacher Mädche“, nämlich die Lili Schönemann verliebt und verbrachte mit seiner Liebsten viele Stunden dort, wo man heute den Lilipark und den  Lilitempel findet. Unweit davon ist das Isenburger Renaissance-Schloss. Neben dem Schlosshof ist der Campus der Hochschule für Gestaltung angesiedelt. Klein aber fein! Frankfurt hat natürlich seine berühmte Goethe-Universität. Beides sind unbestreitbar Hochschulen.

Der Römer, beeindruckendes Rathaus am Römerberg, umgeben von einer  neu erstandenen Altstadt sucht seinesgleichen. Da kann das Offenbacher Rathaus - auch wenn es 32 Stockwerke hat – nicht mithalten.

Die Skyline der Bänker-Stadt ist hierzulande einmalig! Der Dom, der einst auf die freie Deutsche Reichstadt herunterblicken konnte, auf ihn kann man heutzutage vom Main-Tower aus auf die Domspitze  spucken.

Und wenn man von Freiheit spricht, denkt man an die Paulskirche (erbaut 1789). Hier versammelten sich die Mitglieder des ersten gesamtdeutschen Parlaments, um über eine freiheitliche Verfassung zu beratschlagen. In Offenbach steht eine kleine Französisch reformierte Kirche, die 1717 von den Hugenotten erbaut wurde, die hier ihre Religion frei ausüben durften und willkommen waren.

Das Bahnhofsviertel rund um den pulsierenden Hauptbahnhof, als Rotlichtviertel bekannt, beherbergt eine bunte Gastronomie und mehr, und es zieht viele Touristen an. Am immer noch „Hauptbahnhof“ genannten Gebäude in Offenbach gehen zwar Bahngleise vorbei, aber kaum ein Zug hält noch dort. Ein Bahnhofsviertel gibt es da wahrlich nicht!

Jedoch dem Erzeugermarkt an der Konstabler Wache setzen die Offenbacher ihren Wochenmarkt am Wilhelmsplatz entgegen, nachgewiesen einer der schönsten Wochenmärkte in unserer Region.

Ja und dribbdebach von Frankfurt, da liegt Sachsenhausen mit seinen Äppelwein-Kneipen und dem Standbild von der „Fraa Rauscher“, die bekanntlich „aus de Klappergass“ ist. Am Wilhelmsplatz in Offenbach steht das Standbild vom Streichholz-Karlchen, das sein Geld mit dem Verkauf von Zündhölzern – und das vorzugsweise in den Lokalen von  Sachsenhausen – verdiente.

Es ist noch Vieles zu finden beim Blättern: Wasserhäus´chen, Zoo, Palmengarten, alte Villen und dazu sicher Passendes flussaufwärts.  

Den Goetheturm habe ich in „Frankfurt zu Fuß“ vermisst. Dabei ist es doch so erfreulich, dass er fast original nach dem Brandanschlag wieder aufgebaut wurde. Pendant: der Aussichtsturm in OF-Bieber, der allerdings angegeben ist.

Ja, und kein Wort habe ich über die Adlerträger vom Riederwald gefunden. Die Offenbacher Kickers allerdings hat Karin Walter gewürdigt.

Es lohnt sich, die beiden Bücher zu erwerben. Mit den Infos, Bildern, Stadtkarten und Geschichten sind sie sehr empfehlenswert. Sie kosten jeweils 14 €

Frankfurt       ISBN      978-3-95542-267-7
Offenbach     ISBN      978-3-95542-334-6