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Letzte Aktualisierung: 30.09.2022

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Statt Kochsalz ein natriumarmes Ersatzprodukt?

Studien zeigen große gesundheitliche Auswirkungen

von Prof. Dr. Helmut Schatz

(16.09.2022) Maximal sechs Gramm Kochsalz sollte man am Tag zu sich nehmen, lautet die aktuelle Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ein Zuviel an Salz erhöht das Risiko für Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt. Doch wie sieht es aus, wenn man Kochsalz gegen Ersatzprodukte mit weniger Natrium und mehr Kalium als Kochsalz austauscht? Dieser Frage ist eine kürzlich publizierte Meta-Analyse nachgegangen.

In der prospektiven „Salt Substitute and Stroke Study“ (SSASS), vorgetragen auf dem Kongress 2021 der European Society of Cardiology und publiziert im NEJM 2021, wurden bei 21.000 Menschen in ländlichen Regionen Chinas mit einer Schlaganfall- und Hochdruckanamnese signifikante Reduktionen des Blutdrucks, der kardiovaskulären (CV) Ereignisse (MACE) und der Gesamttodesfälle durch natriumreduzierte, kaliumreiche Salzprodukte im Vergleich zu Kochsalz erzielt.

Um zu überprüfen, ob dies auch in anderen Ethnien, Populationen und Regionen der Welt der Fall ist, so berichten die Medizinischen Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, wurde in PubMed, Embase und der Cochrane Library gesucht und die bis 31. August 2021 gefundenen 21 Studien mit 31.949 Teilnehmern (darunter auch die 20.995 von SSaSS) in einer Metaanalyse und Metaregression ausgewertet. Über Blutdruckeffekte berichteten 19, über das klinische Outcome fünf Studien.

Durch modifizierte, natriumreduzierte, kaliumreichere Salzprodukte wurde im Vergleich zu üblichem Kochsalz der systolische Blutdruck signifikant um -4.61 mm Hg gesenkt, der diastolische signifikant um -1.61 mm Hg. Es bestand kein Unterschied zwischen geographischen Regionen, Body Mass Index, Ausgangsblutdruck und Ausgangs-24h- Kaliumausscheidung im Urin.

In einem Comment zur Studie betont Nancy Cook Boyle vom Women’s Hospital Boston, dass schon bekannt war, dass Kaliumerhöhung und Natriumreduktion den Blutdruck senke, dass aber hier gezeigt wurde, dass dies weltweit gelte. Alle ausgewerteten Studien, auch die kleinen mit nur etwa 20 Teilnehmern, wiesen in diese Richtung.

Man müsse aber beachten, dass manche Menschen mit hohen Kaliumwerten wie etwa bei chronischen Nierenerkrankungen derartige Salzersatzprodukte nicht vertragen und man diese somit nicht generell in Nahrungsprodukten oder Fertiggerichten verwenden könne: Dann müssten auf den Produkten Warnungen abgebracht werden. Die Kommentatorin wies des Weiteren darauf hin, dass die CV Wirkungen nicht allein durch die Blutdrucksenkung bewirkt sein könnten, sondern durch andere, noch zu erforschende Auswirkungen auf die Gefäße.

Wie groß der Effekt ist, hängt von der Zusalzmenge ab. Es gibt Menschen, die wenig oder kaum zusalzen und viele (Halb-) Fertigprodukte (Convenience Food) verzehren. Andere können, wenn sie nicht Risikogruppen angehören, natürlich natriumreduzierte und kaliumreiche Salzprodukte verwenden. Diese sind zwar etwas umständlicher als das übliche Kochsalz zu erstehen, sind aber nicht so teuer: im Internet findet man sie unter der Bezeichnung „Blutdrucksalz: Natriumreduzierter und kaliumreicher Kochsalzersatz“ zum Preis von zirka sieben Euro für ein halbe Kilogramm (inklusive Zusendung).