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Letzte Aktualisierung: 01.07.2022

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Staraufgebot zur Eröffnung der 71. Bad Hersfelder Festspiele

Richy Müller, Walter Plathe, Anouschka Renzi, Jürgen Hartmann, Mathias Schlung und viele andere in „Notre Dame“

von Adolf Albus

(18.05.2022) Mit Spannung wurden sie erwartet: die Namen der Schauspieler, die in diesem Sommer zur Eröffnung der 71. Bad Hersfelder Festspiele am 1. Juli in „Notre Dame“ auftreten werden.

Und Intendant Joern Hinkel enttäuscht die Besucher auch in dieser Festspiel-Saison nicht! In der Uraufführung von „Notre Dame“ nach dem weltberühmten Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ von Victor Hugo werden bekannte und beliebte Schauspieler auftreten.

Joern Hinkel hatte bereits bekannt gegeben, dass Richy Müller, einer der gefragtesten deutschen Theater- und Filmschauspieler, eine Hauptrolle in „Notre Dame“ übernimmt und Claude Frollo spielen wird. Nun freut er sich, das gesamte Ensemble vorstellen zu können: „Victor Hugo hat in seinem Roman `Notre Dame de Paris´ Charaktere geschaffen, die manchmal wie überlebensgroße Archetypen scheinen, alles an ihnen ist absolut, die Schönheit, die Leidenschaft, die Verlassenheit, der Wille zur Zerstörung, die Lust am Untergang. Es gibt viel Licht und viel Schatten in diesem Text. Und da gibt es noch eine Vielzahl von beinahe karikaturhaften Nebenfiguren, grotesk überzeichnet, wie sie gelegentlich auch bei Charles Dickens auftreten, komische Alte, taube Richter, gemeine Waschweiber … So habe ich bei der Besetzung des Stückes darauf geachtet, möglichst starke, gegensätzliche Persönlichkeiten zu finden.“

Eine dieser starken Persönlichkeiten ist Walter Plathe. Er wird zum ersten Mal in Bad Hersfeld auftreten. Der renommierte und bekannte Schauspieler wird König Ludwig XI spielen. Einem breiten Publikum wurde er durch seine Hauptrolle in der ZDF-Fernsehserie „Der Landarzt“ bekannt, in der er von 1992 bis 2008 den Arzt Dr. Ulrich Teschner verkörperte. Aber schon seit 1972 wirkte er in sehr vielen Spielfilmen und TV-Produktionen mit. Von “Polizeiruf 110“ über „Tatort“ bis hin zu „Das Traumschiff“ oder den „Usedom-Krimis“.

Neben seinen vielen Fernsehproduktionen ist er immer dem Theater treu geblieben. Er spielte u.a. in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln die Hauptrollen in „Zille“, „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“, „Der blaue Engel“, „Der eiserne Gustav“ und während der Nibelungen-Festspiele in Worms u.a. die Hauptrolle in Dieter Wedels „Das Vermögen des Herrn Süss“.

Für Richy Müller wird es in Bad Hersfeld ein Wiedersehen mit Jürgen Hartmann geben, der die Rolle des Mathias Spicali und andere übernehmen wird. Richy Müller und Jürgen Hartmann spielen seit 2007 Hauptrollen im Stuttgarter „Tatort“: Richy Müller ist Kommissar Thorsten Lannert, Jürgen Hartmann der Gerichtsmediziners Dr. Vogt. In Bad Hersfeld war Jürgen Hartmann 2019 in „Der Prozess“ zu sehen. Gleich am Anfang seiner Karriere wurde er für seine Rolle des „Liliom“ am Staatstheater Darmstadt in der Regie von Michael Gruner 1996 zum Schauspieler des Jahres nominiert. Es folgten mehrjährige Engagements am Nationaltheater Weimar, am Theater Dortmund und viele Gastspiele in ganz Deutschland und der Schweiz. Unter der Intendanz von Anselm Weber war er dann 2009/2010 festes Ensemblemitglied am Schauspiel Essen und von 2010-2017 am Schauspielhaus Bochum. Zudem war er Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum unter der Intendanz von Olaf Kröck 2017-2018 und als Gast beim Pina Bausch Ensemble in Wuppertal zu sehen. Im letzten Jahr spielte er am Schauspiel Essen in „Die Marquise von O...“.

Außerdem wirkte er in zahlreichen Film- und Fernseh-Produktionen mit, u.a. in Filmen von Tom Tykwer, Dominik Graf, Matti Geschonnek, Friedemann Fromm, Uli Edel und Nikki Stein.

Anouschka Renzi übernimmt in „Notre Dame“ unter anderem die Rolle der Aloise de Gondelaurier, die Adelige, die ihre Tochter Fleur-de-Lys unbedingt unter die Haube bringen will und weitere Rollen.

2018 trat sie schon einmal in Bad Hersfeld auf und überzeugte als Anitra in „Peer Gynt“ in der Stiftsruine.

Anouschka Renzi wurde am renommierten Lee Strasberg Institute in New York ausgebildet. Seitdem wird sie für viele Fernsehproduktionen, Kinofilmen und Theaterinszenierungen engagiert.

Am Theater arbeitete die Schauspielerin mit Ikonen wie Peter Zadek, Rudolf Noelte, Hans Hollmann und Harry Buckwitz zusammen. Am Schauspielhaus Hamburg spielte sie von 1987 bis 1990 unter der Regie von Peter Zadek! 1991 trat sie neben Isabelle Huppert in Paris am Theatre de l.Odeon in „Maas für Maas“ auf und von 2005-2007 war sie am Berliner Ensemble unter Vertrag. Sie übernahm während der Nibelungen-Festspiele mehrfach Rollen. 2013 spielte sie „Anna Karenina“ am Theater im Park in Bonn-Bad Godesberg und in der Spielzeit 2014/15 das Erfolgsstück „Mondscheintarif“ in Köln, Düsseldorf und Bonn sowie deutschlandweit auf Tournee. Danach wurde sie in der Inszenierung der „Kameliendame“ in Bonn und am Schlossparktheater Berlin gefeiert.

Wer an „Der Glöckner von Notre Dame“ denkt, erinnert sich meist besonders an die schöne Tänzerin Esmeralda und den körperlich eingeschränkten Quasimodo, die in den Verfilmungen im Mittelpunkt stehen. In der Fassung von „Notre Dame“ von Joern Hinkel und dem Dramaturgen Tilman Raabke rücken auch andere Figuren in den Vordergrund, die Geschichte von Quasimodo und Esmeralda ist aber natürlich auch ein wichtiger Teil der Inszenierung.

Joern Hinkel: „Nach der Besetzung von Quasimodo und Esmeralda haben wir erstaunlicherweise am längsten gesucht. Man sollte meinen, jeder möchte diese Rollen spielen. Das war auch so: Wir hatten eine ganze Menge Bewerber. Man kann es mit Logik und nachvollziehbaren Maßstäben kaum beschreiben. Meistens weiß man nach Sekunden des ersten Kennenlernens: Der ist es! oder genau sie und keine andere! So ging es mir mit Cathrine Sophie Dumont, die ich - Corona geschuldet - zunächst nur über ein Casting im Internet kennengelernt habe, dann in München getroffen habe und mir sofort sicher war: Sie versprüht so viel Charme und Energie, hat etwas Mädchenhaftes und gleichzeitig glaubt man ihr, dass sie schon viel von der Welt gesehen hat. Sie ist verletzlich und raumgreifend zugleich, und genau so muss Esmeralda sein, in die sich vier Männer gleichzeitig verlieben.“

Cathrine Sophie Dumont sammelte nach ihrem Theater-Studium in Zürich und Wien Theatererfahrung am Saarländisches Staatstheater, Theater in der Josephsstadt Wien, Theater Chemnitz, Landestheater Niederösterreich Graz, Staatstheater Braunschweig, Theater der Jugend Wien, und im letzten Herbst war sie in der NDR/Arte-Produktion „Johannes Brahms - Die Pranke des Löwen“ zu sehen.  Für Sky trat sie in der TV-Serie „Ich und die anderen“ auf.

Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame, wird von Robert Nickisch dargestellt. Joern Hinkel zu seiner Wahl für diese Rolle: „Robert Nickisch habe ich zunächst nur auf einem Foto gesehen. Sein Blick in die Kamera, das Zusammenspiel von Zärtlichkeit und Kraft in seinem Gesicht, haben es mir gleich angetan. Er selbst hatte einen Unfall, der ihn an einer Sportkarriere hinderte. Er musste erst wieder laufen lernen. Er bringt also eine ganz persönliche Erfahrung im Umgang mit körperlicher Versehrtheit mit. Sein unglaublich direkter, ungekünstelter Ton und seine Demut und Bescheidenheit gegenüber unserem Beruf haben mich dann nur noch mehr von ihm überzeugt.“

Robert Nickisch kennen die Fernsehzuschauer aus zahlreichen Formaten wie „Tatort“, „Spreewaldkrimi“, „Letzte Spur Berlin“ oder „Notruf Hafenkante“, aus Kinofilmen wie „Krass Klassenfahrt“ oder „Dawn Breaks Behind the Eyes“. Zudem bringt er auch sehr viel Theater-Erfahrung mit, seit 2003 spielt er fast durchgehend vor allem an Berliner Bühnen wie Volksbühne, Schaubühne oder Kunstpalast.

Mathias Schlung überzeugte das Publikum der Bad Hersfelder Festspiele bereits in Musicals wie „Titanic“ und Schauspiel wie „Der Prozess“ oder „Emil und die Detektive“ sowie als Moderator der Abschlussgala. Er wird Pierre Gringoire spielen, einen eher erfolglosen Dichter und Philosophen.

Vielen ist der gebürtige Göttinger auch aus dem Fernsehen bekannt, u.a. aus „Die Dreisten Drei“, „Happy Friday„(SAT1) oder „Polizeiruf 110“ (ARD).

Seine große Liebe aber gehört dem Theater. So war er unter anderem am Deutschen Theater in Göttingen engagiert, wirkt immer wieder bei den Salzburger Festspielen mit („Jedermann“, „Ein Sommernachtstraum“) und spielte am GRIPS Theater in Berlin oder bei den Nibelungen-Festspielen in Worms.

Aber auch im Musiktheaterbereich war er schon oft zu sehen. Unter anderen in Roman Polanskis „Der Tanz der Vampire“ und der Welturaufführung des Musicals „Der Schuh des Manitu“ in Berlin, in „Der Kleine Horrorladen“ an der Oper Bonn oder an der Semperoper Dresden in der Uraufführung von „The killer in you is the killer in me, my love...“ 

Oliver Urbansky spielt den Leutnant Phoebus. Seine Karriere begann am Berliner Ensemble, er arbeitete mit Regisseuren wie Luc Bondy, Robert Wilson, Claus Peymann und Peter Zadek. Peter Zadek schreibt in seiner Biografie: „Der Narr ... war ein junger genialer Schauspieler, Oliver Urbansky, der einfach alles konnte. Er spielt fünf Instrumente perfekt, er hat eine eigene Jazzgruppe, inszeniert selbst ...“. Oliver Urbansky trat seitdem während der Wiener Festwochen, dem Edinbourgh Festival, den Ruhrfestspielen, der Ruhrtriennale und an vielen Theatern, aber auch in Spielfilmen auf. Als Theatermusiker komponiert und spielt er für Produktionen in ganz Deutschland.

Karla Sengteller spielt Djali - eine Ziege! Esmeralda sagt über sie: „Sie ist meine Schwester.“ Pierre Gringoire notiert in Victor Hugos Werk: „Er bewunderte die kleinen Füße und die schönen Gestalten dieser beiden Kreaturen, die er fast miteinander verwechselte: wegen ihrer Intelligenz und ihrer Freundschaft füreinander hielt er sie für junge Mädchen, wegen ihrer Leichtigkeit, Wendigkeit und Geschicktheit hielt er beide für Ziegen.“

Karla Sengteller hat bereits eine großartige Theater-Karriere hingelegt und stand schon früh in ihrer Heimatstadt auf der Bühne am Theater Bremen. Von 2010 bis 2014 studierte sie Schauspiel an der Universität der Künste Berlin. Bereits während ihres Studiums spielte sie am Maxim-Gorki-Theater Berlin, am Hans Otto Theater Potsdam und am Deutschen Theater Berlin. Nach Abschluss ihres Schauspielstudiums engagierte Claus Peymann sie 2014 als festes Mitglied des Berliner Ensembles. Nach mehreren Jahren am Berliner Ensemble arbeitet Karla Sengteller seit Sommer 2017 als freie Schauspielerin.

Bettina Hauenschild tritt in „Notre Dame“ als Paquette-la-Chantefleurie auf. Sie kennt das Publikum der Bad Hersfelder Festspiele zum Beispiel aus „Martin Luther – Der Anschlag“, aus „Hexenjagd“ und „Shakespeare in Love“.

In der Theaterwelt wurde sie 1989 bekannt, als sie an den Münchner Kammerspielen in der Thomas-Langhoff-Inszenierung „Frau vom Meer“ neben Cornelia Froboess und Manfred Zapatka debütierte.

Ihre Mitwirkung an Filmprojekten begann zunächst in den Filmen von Herbert Achternbusch. Danach spielte sie u.a. in „Weißblaue Geschichten“, „Tatort“, „Rosenheim Cops“, „Um Himmels Willen“, „Alles Klara“ und „In aller Freundschaft“. Einige Jahre sah man sie als Kommissarin an der Seite von Hannelore Hoger in der ZDF-Reihe „Bella Block“ sowie als Ärztin in der RTL-Comedy-Serie „Nikola“ neben Mariele Millowitsch und Walter Sittler. In Fernsehfilmen für ARD, ZDF und Sat1 spielte sie mit Stars wie Senta Berger, Christiane Hörbiger und Manfred Krug.

Lieblinge des Publikums der Bad Hersfelder Festspiele sind neben Mathias Schlung oder Bettina Hauenschild auch Günter Alt und Peter Englert. Beide traten in den letzten Jahren in fast allen großen Produktionen auf und werden auch in „Notre Dame“ dabei sein. Peter Englert spielt Johan, den Bruder von Claude Frollo, Günter Alt wird als Richter Florian Bardedienne und in anderen Rollen zu sehen sein. Günter Alt spielte an vielen Theatern, zum Beispiel am Landestheater Saarbrücken, Kreuzgangspiele Feuchtwangen, Staatstheater Darmstadt, Theater Oberhausen, Theater Bonn und am Schauspielhaus Bochum.

Außerdem ist er in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, wie z.B. „Tatort Köln“ und „Tatort Dortmund“, „Die Angst des Killers vor dem Schuss“, „Alarm für Cobra 11“.

Zweimal erhielt er den Publikumspreis am Theater Oberhausen. 2018 wurde er mit dem Bochumer Theaterpreis in der Kategorie „Arrivierter Künstler“ ausgezeichnet. 2019 erhielt er für seine Rollen in „Der Prozess“ den Hersfeldpreis der Kritiker-Jury in der Stiftsruine.

Peter Englert begann seine Karriere im jungen Ensemble der Nibelungen-Festspiele Worms, der Nibelungenhorde, wo er bereits mit Joern Hinkel zusammenarbeitete. 2013 und 2014 stand er als Gerenot während der Nibelungen-Festspielen in Worms auf der Bühne. Im Fernsehen war er z.B. im ZDF Film „Dora Heldt – Unzertrennlich“ zu sehen. In Bad Hersfeld spielte er unter anderem in der „Komödie der Irrungen“ , „Krabat“, „Martin Luther – Der Anschlag“, „ Shakespeare in Love“, „Emil und die Detektive“ und „Der Club der toten Dichter“.

Lara Aylin Winkler ist Fleur-de-Lys, die Verlobte von Phoebus, der sich allerdings zu Esmeralda hingezogen fühlt. Die junge Schauspielerin hat zunächst als Model gearbeitet und ist erst später zum Schauspiel gekommen. Sie hat bereits in zahlreichen Fernsehproduktionen mitgewirkt, zu Beispiel in „Letzte Spur Berlin“, „Deutscher“, im Kinofilm „Nur eine Frau“, „In aller Freundschaft“, „Soko Stuttgart“, „Der Lack ist ab“, oder „Die 3 von der Müllabfuhr“.

Diane de Christeuil, u.a.  spielt die Würzburgerin Kristina Kufner. Sie schloss 2018 ihr Schauspielstudium und ihre Gesangsausbildung in Berlin ab und tritt seitdem an Theatern in Dresden, Köln und Berlin auf. Von 2019 - 2021 war sie u.a. als Barbara in „Wir sind die Neuen“ am Wolfgang Borchert Theater in Münster zu erleben.

Luca Lehnert übernimmt den Part der Amelotte de Montmichel und andere Rollen. Sie studierte von 2013 bis 2017 Schauspiel an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Nach dem Studium war sie zwei Jahre lang festes Ensemblemitglied an den Landesbühnen Sachsen. Seit 2019 arbeitet sie als freie Schauspielerin und Sprecherin für u.a. das Hans Otto Theater in Potsdam und die Hörbuchmanufaktur Berlin.

Die Proben für die Uraufführung von „Notre Dame“ zur Eröffnung der 71. Bad Hersfelder Festspiele beginnen am 17. Mai 2022. Joern Hinkel ist gespannt auf die Arbeit mit all diesen wunderbaren Darstellern an der Inszenierung ,,Notre Dame“ und auch der Fassung für Besucher ab 10 Jahre, „Der kleine Glöckner“: „Wie immer hat jede Schauspielerin und jeder Schauspieler eine ganz eigene Herangehensweise an die Rolle. Die Mischung dieser Menschen, die die nächsten Monate miteinander arbeiten und auf der Bühne stehen, diese berufliche Wahlverwandtschaft, die Chemie zwischen ihnen ist ganz entscheidend, ob das, was wir erzählen wollen, sich in den Zuschauerraum vermittelt. Man kann ja die ausgefeiltesten Regiekonzepte haben - wenn das Ensemble nicht zusammenpasst, springt der Funke nicht über.“