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Letzte Aktualisierung: 22.11.2019

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Stadträtin Birkenfeld stellt Winteraktion für obdachlos lebende Menschen vor

von Ilse Romahn

(28.10.2019) Seit vielen Jahren lädt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld Journalisten und Interessierte zu Beginn der kalten Jahreszeit ein, um diese über die Situation obdachloser Menschen zu informieren und die Bevölkerung zu sensibilisieren.

Als Ort wählt die Dezernentin immer eine Einrichtung, die für die Versorgung der Menschen eine wichtige Rolle spielt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf den Tagestreff WESER 5. Das Diakoniezentrum des Diakonischen Werks für Frankfurt und Offenbach bietet eine Fülle an Angeboten für obdachlos lebende Menschen. Neben den Gastgebern der Pressekonferenz am Donnerstag, 24. Oktober, sind auch die anderen beiden großen Partner des Hilfesystems für Obdachlose vertreten: der Caritasverband Frankfurt und der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten.

„Auch in diesem Jahr sind alle Vorbereitungen getroffen, um die obdachlosen Menschen in der kalten Jahreszeit gezielt anzusprechen, ihnen die notwendige Unterstützung anzubieten und ihnen in ihrer schwierigen Situation zu helfen. Wir kooperieren sehr eng, damit uns niemand durchs Netz fällt“, sagte Birkenfeld.

Zusätzlich zu den regulären 270 Betten in Notübernachtungsstätten und Einrichtungen stehen während des Winters bis zu 70 Schlafplätze in den Tagestreffs zur Verfügung.

Die Notübernachtungsplätze sind unter anderem:
• im Ostpark und in zwei weiteren Einrichtungen des Frankfurter Vereins in der Rudolfstraße und dem Sozialzentrum Burghof (Männer und Frauen)
• im Tagestreff Weißfrauen, WESER 5
• im Tagestreff Bärenstraße der Caritas (Männer und Frauen in einem getrennten Bereich)
• und nur für Frauen im Haus Hannah des Diakonischen Werks

Außerdem ist ab November wieder die B-Ebene am Eschenheimer Tor geöffnet. In der vergangenen Saison haben dort in Spitzenzeiten bis zu 180 Personen pro Nacht Schutz gesucht. Der neue Standort mit dem morgendlichen Wintercafé ist also sehr gut angenommen worden. Mit der B-Ebene am Eschenheimer Tor werden vor allem zwei Gruppen angesprochen.

„Wir haben zum einen einige obdachlose Menschen in Frankfurt, die aufgrund ihrer psychischen Verfasstheit selbst bei bitterster Kälte nicht dazu bereit sind, in eine Notunterkunft zu gehen. Es gibt keine Möglichkeit, diese Menschen gegen ihren Willen unterzubringen, solange sie sich nicht selbst oder andere gefährden. Ihnen wollte und will die Stadt durch die Öffnung der B-Ebene wenigstens einen geschützten Rahmen bieten. Zum andern nutzen auch Menschen aus Ost- und Südosteuropa die B-Ebene zum Übernachten. Es sind Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben, die keine Bleibe und aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten keinen Anspruch auf Unterbringung durch die Stadt haben“, erläutert die Sozialdezernentin.

Doch wie stellt sich im Moment die Lage in der Stadt dar? Der Kältebus des Frankfurter Vereins ist bereits seit 15. Oktober wieder jede Nacht unterwegs. Der Bus fährt Nacht für Nacht rund 120 Kilometer durch Frankfurts Straßen, bietet obdachlosen Menschen den Transport in eine Unterkunft an oder auch Decken und warme Getränke. Das Team hat in den vergangenen Tagen auf den Straßen zwischen 115 und 138 Menschen angetroffen.

„Mit Blick darauf, dass wir im März tageweise mehr als 300 obdachlos lebende Menschen im Freien und der B-Ebene im Eschenheimer Tor gezählt haben, ist das ein deutlich geringerer Wert. Auch im Sommer haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Frankfurter Vereins bei ihren Sichtungsfahrten um die 100 Menschen angetroffen. Wir haben keine gesicherten Erkenntnisse, warum die Zahlen übers Jahr plötzlich so stark schwanken. Deshalb begrüße ich es, dass der Frankfurter Verein in dieser Saison in der Einrichtung am Eschenheimer Tor einen Klientenausweis einführen wird. Wir wollen darüber genauere Erkenntnisse über die Hintergründe der Menschen und ihr Nutzerverhalten gewinnen“, sagt Sozialdezernentin Birkenfeld.

Neben den obdachlos lebenden Menschen in der Stadt halten sich auch am Frankfurter Flughafen nach Einschätzung des Diakonischen Werks bis zu 200 verschiedene Personen auf. Davon sind 50 Personen in den Wintermonaten regelmäßig vor Ort. Neben der Übernachtung gewinnen im Winter auch die Tagesangebote und andere ambulante Hilfen zusätzlich an Bedeutung. Zu den Angeboten zählen:

• Beratung, Information und Vermittlung
• Essen und Getränkeausgabe
• Dusch- und Waschmöglichkeiten
• Kleiderkammern
• und die medizinische Grundversorgung

Die Stadt Frankfurt ist in der Obdachlosenhilfe breit aufgestellt. Die freien Träger und die Stadt werden die Winteraktion für obdachlos lebende Menschen mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Professionalität durchziehen wie in den Vorjahren.

„Was wir über die professionelle Hilfe hinaus brauchen, ist die Aufmerksamkeit der Bürgerinnen und Bürger. Wer einen Menschen bei Kälte im Freien übernachten sieht, sollte uns auf jeden Fall informieren. Die erste Anlaufstelle dafür ist der Kältebus des Frankfurter Vereins. Das Team des Kältebusses ist telefonisch zu erreichen unter der Nummer (069)431414. Man kann aber auch die Notrufnummer 112 wählen“, appelliert Daniela Birkenfeld an die Achtsamkeit der Frankfurter.

Viele Frankfurter haben die Nummer des Kältebusses in der Vergangenheit schon gewählt. In den meisten Fällen sind die Menschen, auf die die Anrufer aufmerksam machen, den Sozialarbeitern bereits bekannt. Sie führen gemeinsam eine Liste der Personen, die sich auch im Winter draußen aufhalten, kennen ihre typischen Schlafplätze und suchen sie dort regelmäßig auf. Aber es kann natürlich immer jemand Neues dazu kommen. Deshalb wird jedem Anruf nachgegangen. (ffm)