Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 15.10.2021

Werbung
Werbung

Stadt Frankfurt zeichnet Stolperstein-Vorsitzenden Hartmut Schmidt mit Ehrenplakette aus

von Ilse Romahn

(30.09.2021) In Frankfurt gibt es etwa 1400 „Stolpersteine“, die auf den Gehwegen an die Opfer der faschistischen Diktatur erinnern. Am Mittwoch, 29. September, hat Oberbürgermeister Peter Feldmann Hartmut Schmidt für dessen Verdienste in diesem Zusammenhang die Ehrenplakette der Stadt überreicht. Er zeichnete damit den Vorsitzenden der Initiative Stolpersteine aus.

Oberbürgermeister Peter Feldmann ehrt Hartmut Schmidt für dessen Verdienste mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main (1),
Foto: Copyright: Stadt Frankfurt am Main / Foto: Holger Menzel
***

Schmidt arbeitet dort seit 2004 mit und führt den Verein seit 2008. Die Ehrenplakette wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich auf kommunalpolitischem, kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem oder städtebaulichem Gebiet um die Stadt verdient gemacht und durch ihr Wirken dazu beigetragen haben, das Ansehen Frankfurts zu mehren.
 
„Sie kämpfen gegen das Vergessen“, würdigte das Stadtoberhaupt den Geehrten. Die Arbeit der Initiative zeige, dass „der Rassenwahn der Nazis nichts Abstraktes war“, sagte Feldmann. „Sie macht deutlich: Diese brutale Ideologie kostete die Menschen in der eigenen Straße das Leben – den Menschen im Geschäft gegenüber, den Menschen vom Spielplatz ums Eck.“
 
Feldmann wies in seiner Rede auf den mit dem Engagement verbundenen Aufwand hin. „Viel Recherche ist für jeden Stein nötig“, sagte das Stadtoberhaupt. Das bedeute, sich durch die Archive zu wühlen und auf Spurensuche zu gehen. Nur so ließen sich die Fragen beantworten, wer die Person gewesen ist, deren Name auf dem Stein steht. Was taten die Nazis ihr oder ihm an? Was wissen die Angehörigen über diesen Menschen?

„Hartmut Schmidt ist einer der herausragenden erinnerungskulturellen Akteure unserer Stadt und das Gesicht der Frankfurter Initiative Stolpersteine. Seit vielen Jahren engagiert er sich ehrenamtlich dafür, dass die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen in Frankfurt bekannt werden. Jeder Stolpersteinverlegung geht eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Schicksal voraus, wie beispielsweise die Suche nach Angehörigen, Rekonstruktion der Umstände der Verfolgung und des Todes der einzelnen Personen. Dies erfordert nicht nur Empathie, sondern eine große Portion an Mut. Ich gratuliere Herrn Schmidt zu dieser mehr als verdienten Würdigung“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig.
 
Schmidt selbst lernte die Initiative 2003 bei der ersten Verlegung von Stolpersteinen im Oberweg in seiner Funktion als Redakteur des Evangelischen Pressedienstes kennen. Aus der Arbeit sind zwei Bücher entstanden, die zu Erinnerungsrundgängen durch die Stadt einladen.

Feldmann würdigte in seiner Rede weitere Teile des Engagements des Geehrten. So initiierte Schmidt ein Forschungsprojekt zum Umgang der Evangelischen Kirche mit Christen jüdischer Herkunft während des Nationalsozialismus. In den 80er Jahren war der Geehrte bereits bei der Frankfurter Initiative „Solidarität mit Solidarność“ und als Vorsitzender des Frankfurter Flüchtlingsrats tätig. „Sie haben in Ihrem Leben Haltung bewiesen“, sagte der Oberbürgermeister.
 
Mehr über die Arbeit der Initiative Stolpersteine gibt es unter stolpersteine-frankfurt.de. (ffm)