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Letzte Aktualisierung: 04.08.2020

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Stadt erwirbt Grundstück für Schulcampus in Griesheim

Wichtiges Entwicklungsareal im Frankfurter Westen gesichert

von Ilse Romahn

(29.06.2020) Aus dem ehemaligen Fiat-Gelände in Griesheim wird ein Bildungs- und Betreuungsstandort: Die Stadt Frankfurt am Main erwirbt das rund 28.000 Quadratmeter große Grundstück an der Mainzer Landstraße von einem internationalen Investor.

Massenmodell mit einer möglichen Anordnung von Schulen, Kita und Grünfläche
Foto: Stadt Frankfurt
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Dieser hatte Aengevelt Immobilien exklusiv mit dem Verkauf beauftragt und wurde rechtlich von der Sozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek beraten. „Es handelt sich um einen der größten Flächenankäufe in der jüngeren Geschichte der Stadt“, sagt Jan Schneider, Dezernent für Bau und Immobilien, anlässlich der notariellen Beurkundung des Kaufvertrags. „Wir haben die Chance genutzt, ein für den Frankfurter Westen wichtiges Entwicklungsareal zu sichern. Das Grundstück ist günstig gelegen und bestens geeignet, den Bedarf an zusätzlichen Bildungseinrichtungen zu decken.“ Die Stadtverordnetenversammlung hat dem Ankauf bereits in nichtöffentlicher Sitzung zugestimmt.

Das Gelände wurde bisher überwiegend für Autohandel und Werkstätten genutzt. Geplant ist, dort eine Grundschule sowie eine weiterführende Schule zu errichten. Diese sind nötig, da das Quartier im Zuge des Stadterneuerungsprojekts „Stadtumbau Griesheim-Mitte“ als Wohnstandort weiter gestärkt werden soll. „Griesheim ist ein vielfältiger Stadtteil mit einer langen Geschichte und hoher Identifikation seiner Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Planungsdezernent Mike Josef. „Nun können wir die Zukunftsfähigkeit des Stadtteils mit der Ansiedlung eines Schulstandorts für den Frankfurter Westen deutlich verbessern. Mit dem Erwerb des Areals und dem damit verbundenen Schulbau entsprechen wir den ausdrücklichen Wünschen im Stadtteil. Wir haben mit dem Aufstellungsbeschluss eines Bebauungsplans diese Entwicklung in die Wege geleitet. Für den Kauf haben wir kurzfristig Gelder aus dem Etat des Planungsdezernats in Höhe von 10 Millionen Euro bereitgestellt. Und mich freut besonderes, dass ich für die Baureifmachung des Geländes bereits Fördermittel aus der EU-Regionalförderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro beantragen konnte.“

Durch zusätzliche Wohnungen entsteht Bedarf an sozialer Infrastruktur wie Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Die im Stadtteil gelegenen Schulen besitzen jedoch keine Flächenreserven mehr. Darüber hinaus sieht die Schulentwicklungsplanung wegen der weiter steigenden Zahl von Schülerinnen und Schülern neue weiterführende Schulen vor, für die Grundstücke benötigt werden. Deshalb ist das zwischen Mainzer Landstraße, Elektronstraße und Akazienstraße gelegene Grundstück im Bebauungsplan B 931, der sich derzeit im Aufstellungsverfahren befindet, für eine Gemeinbedarfsnutzung vorgesehen. Zu Sicherung der städtebaulichen Entwicklung hat die Stadtverordnetenversammlung außerdem eine Vorkaufssatzung für das Areal beschlossen (M 187 aus 2019).

„Die steigenden Einwohnerzahlen stellen uns vor große Herausforderungen: Allein der aktuelle Schulentwicklungsplan, der derzeit zur Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung ansteht, sieht elf neue Schulen vor. Ich bin erleichtert, dass wir im Frankfurter Westen als Stadt Frankfurt jetzt großflächig in gute Bildung und Betreuung investieren“, sagt Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber zufrieden. „Mit einer neuen Kita, einer neuen Grundschule und einer zusätzlichen weiterführenden Schule, wie es im Aufstellungsbeschluss festgelegt ist, schaffen wir die Infrastruktur in Griesheim, die dort dringend benötigt wird und auf die die Menschen im Frankfurter Westen schon lange warten“, fügt sie hinzu. Der neue Planungsrahmen für Grundschulen und für weiterführende Schulen, der bald in den Geschäftsgang gehe, werde dafür sorgen, dass nach modernsten pädagogischen Anforderungen gearbeitet werden könne.

Für den Grundschul- und ESB-Bereich ist zur Deckung des neuen Bedarfs an Schul- und Betreuungsplätzen eine mindestens dreizügige Grundschule erforderlich. Aufgrund der steigenden Schülerzahlen besteht zusätzlich der Bedarf für eine weiterführende Schule. Über die schulische Nutzung hinaus sind multifunktional und nachbarschaftlich nutzbare Räume, eine Kindertageseinrichtung sowie eine öffentliche Grünfläche vorgesehen. Der Zeitplan für die Realisierung hängt davon ab, wie lange die Bodensanierung wegen vermuteter Altlasten dauern wird. Zunächst müssen die vorhandenen Gebäude abgebrochen werden.

„Ich bin froh, dass die Stadt Frankfurt trotz der angespannten Lage auf dem Immobilienmarkt beim Erwerb des Grundstücks in Griesheim zum Zug gekommen ist und dort einen Schulcampus errichten kann“, betont Stadtrat Schneider. „Die Stadt Frankfurt muss jedes Jahr zusätzliche Kapazitäten für rund 2000 Schülerinnen und Schüler schaffen. Da dafür aber keine städtischen Grundstücke zur Verfügung stehen, nutzt das Amt für Bau und Immobilien jede Gelegenheit, private Flächen zu erwerben. Dies ist im konkreten Fall in Griesheim vor allem deshalb gelungen, weil es einen Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans gibt, in dem die Fläche für den Gemeinbedarf ausgewiesen wird. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, dass die aktuelle Fortschreibung des Schulentwicklungsplans den Auftrag an den Magistrat enthält, nicht nur Grundstücke für neue Schulen zu suchen, sondern auch die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.“

Griesheim-Mitte ist im November 2016 in das Bund-Länder-Programm Stadtumbau in Hessen aufgenommen worden und knüpft unmittelbar an die Umsetzung des im Jahr 2014 beschlossenen Städtebaulichen Entwicklungskonzepts Griesheim – nördlich der Bahn an. Dadurch stehen Fördergelder für die Umsetzung von bereits identifizierten und auch neuen Projekten zur Verfügung. Grundlage für den Einsatz der Fördermittel ist das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das konkrete Projekte für Griesheim-Mitte definiert.

Weitere Informationen finden sich unter http://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/stadtumbau_griesheim_mitte_17000.html im Internet. (ffm)