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Letzte Aktualisierung: 07.05.2021

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Staatliche Schlösser und Gärten Hessen feiern 75jähriges Bestehen

Attraktives Jubiläumsprogramm

von Staatliche Schlösser und Gärten Hessen (SG)

(15.04.2021) Mit digitalen Glückwünschen des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und der Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, begehen die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG) ihren Geburtstag vor 75 Jahren. Beide wären zu einer zentralen Feierstunde am 1. April 2021 gekommen, die wegen der Corona-Pandemie auf den 1. September 2021 verschoben ist.

Schloss in Bad Homburg mit weißem Turm
Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Hessen (SG)
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Zum Jubiläum schaltet die SG eine neue, serviceorientierte Homepage frei, auf der die Grußbotschaften und wesentliche Teile des Sonderprogramms zu sehen sind. Expertenführungen, Vorträge, Ausstellungen, Tagungen und eine Aktionswoche stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Wir geben Geschichte Zukunft“.

„Zukunft braucht Herkunft“
Bouffier dankte der Schlösserverwaltung für die geleistete Arbeit und erklärte das Jubiläum zu einem „für das ganze Land“. Es sei wichtig und richtig, die Vergangenheit nicht nur aus verfassungsrechtlicher Perspektive, sondern für die Identität der Menschen lebendig zu halten. „Der Gießener Philosoph Odo
Marquard hat einmal den schönen Satz geprägt, »Zukunft braucht Herkunft«. Und damit war gemeint, dass wir unser heutiges Sein, aber auch vor allen Dingen die Orientierung, wo wollen wir hin, nicht erfolgreich bewältigen können, wenn man nicht weiß, wo man herkommt“, sagte der Ministerpräsident.

Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn würdigte die Vermittlungsarbeit der SG: „Bei der Arbeit der Schlösser- und Gärtenverwaltung geht es nicht nur darum, die historische Bausubstanz zu bewahren. Schlösser und Gärten sind auch wichtige Lernorte für Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ihnen Wissen auf vielen unterschiedlichen Wegen zu vermitteln – durch Führungen, Veranstaltungen, Mitmachaktionen und vor allem auch digital – ist eine Aufgabe, die immer größeren Platz einnimmt. Die Schlösserverwaltung hat hier schon viel geleistet, zum Beispiel mit Apps zu den Klöstern Lorsch und Seligenstadt, zum Schloss Bad Homburg oder zu Niederwalddenkmal und Osteinschem Park bei Rüdesheim. Das sind tolle Belege dafür, dass man bei uns in
Hessen »alte Gemäuer« in zeitgemäßer Form erleben kann. Ich gratuliere den Staatlichen Schlössern und Gärten zum Jubiläum und danke ihren Beschäftigten für die engagierte Arbeit, die uns allen zugutekommt – so hat Vergangenheit in Hessen Zukunft.“

Sonderprogramm auf neuer Homepage
Zu den Highlights des Jubiläumsprogramms, das generell einem Corona-Vorbehalt unterliegt, zählt eine internationale wissenschaftliche Tagung am 21./22. Juni 2021, bei der sich Historiker im Schloss Bad Homburg über Deutung und Vermittlung des deutschen Kaiserreiches austauschen. Ministerpräsident Bouffier übernahm die Schirmherrschaft der aus Geldern von Stiftungen finanzierten Veranstaltung unter dem Titel „Das Kaiserreich vermitteln: Brüche und Kontinuitäten seit 1918“. Die Tagung liefert Beiträge zur aktuellen Debatte über Rückschritte und Fortschritte des Deutschen Kaiserreiches, das 1871 vor 150 Jahren gegründet wurde. Die Teilnehmer wollen erörtern, in welcher Weise dieses Erbe bis in die Gegenwart reicht. Das von Prof. Dr. Torsten Riotte organisierte anderthalbtägige Treffen wird live gestreamt und Interessierten nach Anmeldung verfügbar gemacht. Abhängig vom Infektionsgeschehen könnte der Festvortrag von Prof. Dr. Christian Jansen, „Warum und zu welchem Zweck streiten wir über das Kaiserreich“, in der Bad Homburger Schlosskirche vor Gästen stattfinden.

Auch eine separate Vortragsreihe nimmt Themen des Kaiserreiches und die Umstände der Bildung einer Nation auf. Sie startet am 4. Mai 2021 mit der Buchvorstellung von Tillmann Bendikowski. Weitere Referenten sind Christoph Nonn, Ulrike Hörold, Frank Althoff und Eckart Conze. Mit der Epoche ist auch die lange erwartete Wiedereröffnung des Königsflügels im Bad Homburger Schloss, am 1. September 2021, verknüpft: Nach zehn Jahren der baulichen Instandsetzung und Sanierung sind Deutschlands einzige noch eingerichtete Residenzappartements der Hohenzollern-Kaiser wieder für das Publikum zugänglich.

Aktionswoche für das Publikum in den Sommerferien
Bei einer Aktionswoche in den Sommerferien sollen Besucher und Besucherinnen nah an die landesweit verteilten Kulturorte und ihre Schätze geführt werden. Dabei berichten die beteiligten Mitarbeiter auch von ihrem täglichen Geschäft. So erläutert Gartenmeisterin Katharina Brunsing am 18. August 2021 im Schlosspark Weilburg das Arbeiten mit einem historischen Garten. Der Restaurator Gerd Hermann präsentiert am selben Tag
besondere herrschaftliche Möbel im Bad Homburger Schloss. Silke Strohmenger bietet das Thema „Frauen im Umfeld des Klosters Lorsch: Kaiserin, Nonne, Magd“ an.

Für den 19. August bereitet Ulrich Haroska eine Führung zur Restaurierung des Elisabethbrunnens in Marburg-Schröck vor. Am 20. August stehen im Schloss Erbach Elfenbeinschnitzkunst, die Werke des Malers Karl Schmidt-Rottluff und die Sammlungen des Grafen Franz I. zu Erbach-Erbach im Mittelpunkt. Die Landschaftsarchitektinnen Inken Formann und Bianca Limburg laden am 20. August in das Kloster Seligenstadt zu einem Workshop „Gartenkunst für Kinder“ ein. In der ehemaligen Benediktiner-Abtei wird vorher, am 9. Juni 2021, schon ein neues kleines Ananas-Gewächshaus mit einer zusätzlichen Ausstellung über Zitrusfrüchte eröffnet worden sein.

Lorsch hält seit 30 Jahren den Titel „Erbe der Menschheit“
Ein eigenes Jubiläum feiert die der SG zugehörige UNESCOWelterbestätte Kloster Lorsch. Vor 30 Jahren erkannten die Vereinten Nationen dem Ort des ehemaligen Reichsklosters Karls des Großen (747/8-814) den Status eines Kulturerbes der Menschheit als erstem hessischen Denkmalkomplex zu. Zum
Feierprogramm in Lorsch gehören eine archäologische Ausstellung mit noch nie gezeigten Fundstücken, die auf dem Gelände in den Gewänden eines Brunnens eingemauert waren. Sie öffnet am 5. Oktober 2021 im Schaudepot Zehntscheune ihre Pforten. Es gibt darüber hinaus besondere  museumspädagogische Angebote, Spezialführungen sowie eine Feierstunde zum Jahrestag.

Worms: Für Zeugnisse der Vergangenheit begeistern!
„Wir haben viel vor in diesem Jahr. Darum war uns eine komfortable, anschauliche und informative Internetpräsenz zu unseren 48 historischen Schauplätzen im Land so wichtig“, sagte die Direktorin der Schlösserverwaltung, Kirsten Worms. Die neue Homepage stelle zugleich die Arbeit der SG transparenter vor. „Der staatliche Auftrag, den Liegenschaften die Zukunft zu sichern, geht mit den Bedürfnissen des Publikums nach Erleben, Inspiration und Erholung einher.“ Wer sich für Zeugnisse der Vergangenheit begeistere, könne den Einsatz zum Schutz und zur Pflege historischer Anlagen nachvollziehen und mittragen.

EXTRA: Gründungsgeschichte einer Behörde in der Nachkriegszeit
Die „Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten“ wurde mit Erlass des damaligen Ministers für Kultus und Unterricht in Großhessen, Franz Schramm, zum 1. April 1946 errichtet. Im Lauf von zwei Jahrzehnten wuchs die bei der Landesdenkmalpflege geführte Abteilung zu einer Behörde mit eigener
Organisationsstruktur und Fachpersonal heran. Seit 1951 ist der Sitz ihrer Zentrale im Schloss Bad Homburg. Die Anzahl der Liegenschaften in ihrer Obhut wuchs bei Abgängen und Zugängen beständig an.

Auf den ersten Leiter, Friedrich Bleibaum (1885-1974), der schon von den US-amerikanischen Militärbehörden beauftragt worden war, folgte Karl Nothnagel (1898-1958). Er übte als Direktor der Schlösser und Gärten zudem in Personalunion die Aufgaben eines Kunstreferenten im Ministerium als auch des Landeskonservators aus. Die Geschäfte wurden vor dem Umzug nach Bad Homburg zunächst in Marburg geführt, wo es auch Restaurierungswerkstätten gab, und Ende der 1940er Jahre von denen der Landesdenkmalpflege abgekoppelt.

Die Tätigkeit bestand in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem darin, einen Ausgleich zwischen dem Raumbedürfnis öffentlicher Stellen sowie des Flüchtlingskommissars und der notwendigen sorgsamen Erhaltung von Kulturdenkmälern zu finden. Über mehrere Jahre wurde eine Neuordnung der Denkmalpflege debattiert und welches Ministerium für die Schlösserverwaltung zuständig sein sollte. Sie blieb in der Verantwortung des mit
wechselnden Namen versehenen Kultusministeriums. Heute ist sie eine dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst nachgeordnete Institution.

Staatliche Schlösser und Gärten Hessen (SG)