St. Nikolaus am Main
Auch in Frankfurt gibt es einige Orte und Stätten, die an den Heiligen Nikolaus erinnern – nicht nur am Nikolaustag
Er gehört zu den bekanntesten Heiligen und zu den beliebtesten Menschen aller Zeiten, der Heilige Nikolaus, Bischof von Myra († 6. Dezember um 350). Zahlreiche Geschichten und Legenden werden von ihm erzählt. Hinter der kitschigen Kostümierung des roten Mantels und des falschen Bartes verschwindet zunehmend eine bemerkenswerte historische Persönlichkeit. Der wahre Nikolaus engagierte sich für die Armen, kämpfte gegen Todesurteile und Justizirrtümer, verhinderte Plünderungen und eine Hungersnot. Nicht alles ist Legende.
Auch wenn Nikolaus eher im Norden vermutet wird, hat er doch einige Spuren auch in Frankfurt am Main hinterlassen; eine kleine Auswahl („Top 10“):
- Alte Nikolaikirche. Am 30. Oktober 1290 wurde der Hochaltar dem Heiligen Nikolaus geweiht. Zwei Tympana an der Außenfassade der Kirche stellen Nikolaus, der als Schutzpatron der Armen gilt, mit zwei Bettlern dar.
Ab dem Mittelalter beschenkte man in Erinnerung an den Heiligen Nikolaus am 6. Dezember Kinder – und Arme.
In Anlehnung an die Tradition der ehemaligen Ratskirche am Römerberg als Stätte der Almosenpflege im Mittelalter werden in der Pilgerecke der Kirche handgestrickte Schals zur Verfügung gestellt, und zwar für Durchreisende und obdachlose Menschen, die der Winterkälte ausgesetzt sind. Weitere Spenden von Schals / Handschuhen willkommen!
- Römer (Standesamt). Nikolaus gilt nicht nur als Schutzpatron der Schiffer und Kinder, sondern auch der Liebenden und Heiratswilligen!
- Gemeinde des Hlg. Nikolaus von Myra. Die dem Heiligen Nikolaus geweihte Russisch-orthodoxe Kirche befindet sich in Ffm-Hausen. In Offenbach gibt es die Rumänisch-Orthodoxe St. Nikolaus-Kirche.
- Struwwelpeter-Museum. Der Arzt und Schriftsteller Heinrich Hoffmann, der den „Struwwelpeter" verfasste, griff auf den Nikolaus zurück, um Kinder zu verwarnen, die Schwarze verspotteten. Anti-Diskriminierungs-richtlinien gab es noch nicht, doch hielt der Fremdenhass auch damals schon Einzug. Und so war es denn Nikolaus, der Kinder zur Strafe in ein Tintenfass tauchte, weil sie einen Jungen wegen seiner Hautfarbe ausgelacht hatten. Solche Texte bedienten das Image des Mannes aus Myra als Helfer der Bedrängten und Kämpfer für Gerechtigkeit.
- Neue Nicolai Kirche. Die ev. Kirche im Ostend, eine „Tochtergemeinde" der Alten Nikolaikirche, wurde erstmals 1909 (und dann wieder 1959) eröffnet.
- Bahnhofsviertel. Nikolaus ist der Schutzpatron von Notleidenden und Kranken – und auch von Prostituierten. Man geht davon aus, dass das nächtliche Befüllen der Stiefel heute auf die Legende zurückgeht, in der Nikolaus drei Mädchen vor der Prostitution bewahrt, indem er ihnen nachts Goldklumpen durchs Fenster wirft.
- Städel Museum. Nikolaus ist auf mehreren Bildern zu sehen, u. a. als Teil eines Kreuzigungstriptychons (Hl. Nikolaus mit den Stiftern (1500 - 1504), Meister von Frankfurt).
- Nikolauskapelle. Das kulturelle Kleinod in Bergen-Enkheim ist ein ehemaliges Gotteshaus (1524 erbaut; heute Kulturdenkmal).
- Liebfrauenkirche. In der kath. Kirche am Liebfrauenberg befindet sich ein Tafelbild, auf dem der Heilige Nikolaus zusammen mit dem Heiligen Martin dargestellt wird (ca. 1510). Nikolaus hält in seiner rechten Hand die drei Goldklumpen, mit denen er drei mittellose Mädchen gerettet haben soll.
- Börse. Last but not least: Nikolaus gilt als Schutzpatron der Händler und Kaufleute – vielleicht auch deshalb, weil er sein Geld gut anzulegen wusste, nämlich für die Armen.
St. Nikolaus ist vor allem dort zu finden, wo geteilt wird und Menschen in Not Hilfe bekommen, wo das Wohl der Menschen gesucht, Nächstenliebe praktiziert und Bedürftigen unterwegs Gastfreundschaft gewährt wird, wo die Auseinandersetzung mit den Reichen und Mächtigen nicht gescheut wird, und wo nach Gottes Gerechtigkeit gehandelt und seine Liebe sichtbar gemacht wird.
In diesem Sinne lässt sich Nikolaus überall in Frankfurt finden und der Nikolaustag am 6. Dezember gut und sinnvoll begehen.
Pfarrer Dr. Jeffrey Myers, Frankfurt am Main
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