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Letzte Aktualisierung: 27.11.2020

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Städtebauliches Leitbild für den Neuen Stadtteil der Quartiere

Jury entscheidet sich für Konzept ‚Quartiere im Kreislauf‘ des Planungsteams Cityförster und Urbane Gestalt

von Ilse Romahn

(13.11.2020) Seit März haben sieben Teams aus Stadt- und Landschaftsplanern begleitet durch einen breit angelegten Bürgerdialog für den Neuen Stadtteil der Quartiere Studien zu Stadt und Landschaft erarbeitet.

Am Mittwoch, 11. November, hat eine hochkarätig besetzte Jury diese Studien zu Stadt- und Landschaft bewertet – und als überzeugendsten Beitrag einstimmig das Konzept „Quartiere im Kreislauf“ des Teams Cityförster und Urbane Gestalt ausgewählt. Mitglieder der Jury waren Vertreter der Frankfurter Regierungskoalition, Vertreter des Planungsdezernats und des Umweltdezernats sowie nationale und internationale Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Landschaftsplanung, Verkehrsplanung, Ökologie, Wirtschaft und Gesellschaft.

Planungsdezernent Mike Josef stellte die Ergebnisse gemeinsam mit der Jury-Vorsitzenden Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, dem Mitglied des Beratergremiums Consilium Hilmar von Lojewski, Beigeordneter des Deutschen Städtetages für Stadtentwicklung, Wohnen, Bauen und Verkehr, und Martin Hunscher, Leiter des Frankfurter Stadtplanungsamtes, vor.

„Mit dem Konzept ‚Quartiere im Kreislauf‘ von Cityförster und Urbane Gestalt haben wir eine sehr gute Grundlage für die weiteren Untersuchungen und einen guten ersten Eindruck davon, wie das Gebiet künftig aussehen könnte. Geplant sind rund 8600 Wohnungen, die sich auf vier Quartiere mit vielfältigen Wohnformen verteilen. In den einzelnen autoarmen Quartieren sind sogenannte ‚Hubs‘ mit Mobilitätsangeboten, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Bildungseinrichtungen, Jugendzentrum und Quartiersgaragen anstelle von Tiefgaragen geplant. Der Entwurf sieht vor, dass von dem Untersuchungsraum von 425 Hektar rund 75 Prozent für Landwirtschaft, Grünflächen, Gärten, Parks und begrünte Innenhöfe reserviert werden. Rund um den neuen Öko-Bauernhof ‚Agro-Hub‘ sollen kleinteilige Anbauflächen und Gartenland für die Bewohner der bestehenden und neuen Quartiere entstehen. Der Entwurf hat die Frage, wie Stadt und Landschaft gemeinsam geplant werden können, hervorragend beantwortet“, sagte Josef.

„Es hat sich gezeigt, dass der breit angelegte Bürgerdialog maßgeblich zur Qualität der Studien beigetragen hat. Bei Planungsaufgaben dieser Größenordnung und Komplexität hat es sich bewährt, dass die Planung auf einer fairen Basis von mehreren Teams konkurrierend, jedoch im offenen und transparenten Dialog mit der Öffentlichkeit und der Fachwelt erarbeitet wird. Mit dem vorliegenden Konzept ‚Quartiere im Kreislauf‘ liegt nun eine fundierte Grundlage vor, um die Vorbereitenden Untersuchungen zum Neuen Stadtteil der Quartiere weiter voranzubringen“, sagte Barbara Ettinger-Brinckmann. „Auch die anderen Beiträge verfügen über vielversprechende Ideen, die den Blick für die tragfähige Grundkonzeption geschärft haben. Es hat sich auch gezeigt, dass es richtig war, Teams aus verschiedenen Fachrichtungen zu beauftragen.“

Hilmar von Lojewski ergänzte: „Die Mitglieder des Consiliums waren sehr gespannt auf die Ergebnisse der Studien – denn endlich kann nun an dem favorisierten konkreten Planungsvorschlag geprüft werden, ob die Entwicklung des Stadtteils der Quartiere für das geplante Entwicklungsgebiet trägt. Daran hat auch der Deutsche Städtetag ein Interesse. Denn auf Bundesebene diskutieren wir seit Jahren intensiv die Baulandmobilisierung in Ballungsräumen. Es gibt großen Handlungsdruck, die zur Verfügung stehenden Planungsinstrumente auch anzuwenden. Frankfurt und andere Mitgliedstädte des Deutschen Städtetages demonstrieren nun, dass sie diese Aufgabe allem Aufwand und allen Hürden zum Trotz angehen. Damit übernehmen die Städte Verantwortung über die Stadt hinaus auch für die Region. Als Besonderheit sieht das Consilium das mehr als deutliche Miteinander der vorgeschlagenen neuen Bebauung und alter Landschaft zu einem neuen Ganzen. Das kann bei sorgsamer Weiterentwicklung des Konzepts mehr als die Summe seiner Teile ergeben – Stadt und Landschaft fügen sich zu einer neuen Qualität.“

„Das Konzept von Cityförster und Urbane Gestalt stellt die Ziele für die Entwicklung von Raum und Landschaft gleichberechtigt neben den Anspruch, zukunftsfähige Stadtquartiere zu entwickeln. Die vier vorgeschlagenen Quartiere respektieren gepaart mit einem schlüssigen Erschließungskonzept Landschaftsraum und Klimatologie vor Ort und geben gleichzeitig der Landwirtschaft eine Zukunftsperspektive“, fasste Martin Hunscher die Bewertung des Preisgerichts zusammen.

Die vorbereitenden Untersuchungen zu „Frankfurt Nordwest – neuer Stadtteil der Quartiere“ werden als sogenanntes „kooperatives Verfahren“ mit einer breit aufgestellten Bürgerbeteiligung durchgeführt. Das heißt, dass städtebauliche und landschaftsplanerische Lösungsansätze gemeinsam entwickelt werden: Neben Planerinnen und Planern, Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Stadtverwaltung sind und war auch die Bürgerschaft gefragt und aufgefordert, ihre Meinung einzubringen. Damit neue Quartiere in jeder Hinsicht gut gelingen und für die neuen Bewohnerinnen und Bewohner zur Heimat werden, braucht es sehr viel vorausschauende Fach- und Bürgerkompetenz und gute Ideen.

Die unterschiedlichen Lösungsansätze wurden schon während der Bearbeitung diskutiert, die Entwürfe verbessert, geändert und konkretisiert. Die Bürgerschaft lernte die Ideen der Planungsteams in den Bürgerdialogen II und III kennen und konnte diese kommentieren.

Die Empfehlung der Jury, die Studien, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und die fachlichen Grundlagen fließen bis Ende 2021 in einen Abschlussbericht zu den vorbereitenden Untersuchungen ein. Erst danach kann die Stadtverordnetenversammlung entscheiden, ob eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Frankfurter Nordwesten sinnvoll ist und eingeleitet werden soll.

Folgende Teams haben Konzepte erarbeitet  
- Arup Deutschland (Frankfurt/London) mit InD Initialdesign (Berlin/Paris), urbanista (Hamburg) 
- bb22 architekten + stadtplaner (Frankfurt) mit LolaLandscapeArchitects (Rotterdam), Meixner Schlüter Wendt Architekten (Frankfurt), Transsolar (Stuttgart), W. Canzler / A. Knie (Berlin) 
  - cityförster architecture + urbanism (Hannover) mit Urbane Gestalt (Köln) 
- KH studio (Paris) 
- rheinflügel Severin (Düsseldorf) mit A24 Landschaft (Berlin) 
- superwien urbanism ZT OG (Wien) mit Siri Frech – Raum + Strategie (Berlin), DnD Landschaftsplanung ZT KG (Wien) 
- to be STADT (Frankfurt) mit Ramboll Studio Dreiseitl (Überlingen), komobile (Wien).

Die Ausstellung im Atrium des Planungsdezernates an der Kurt-Schumacher-Straße 10 mit allen Beiträgen läuft noch bis Montag, 30. November.

Alle Beiträge finden sich unter http://www.ffm.de/nordwest im Internet.

Umfangreiche Informationen und Hintergrundmaterialen sind außerdem unter http://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/nordwest zusammengestellt. (ffm)