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Letzte Aktualisierung: 30.09.2022

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Spendenaktion zum Erwerb des Gemäldes „Sarah führt Hagar Abraham zu“ von Moritz Daniel Oppenheim

von Ilse Romahn

(20.09.2022) Mit einem großen Gala-Abend ist am Montag, 19. September, eine neue Spendenaktion der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums gestartet. Deren Ziel ist, für das Jüdische Museum Frankfurt das Gemälde „Sarah führt Hagar Abraham zu“, gemalt 1832 von Moritz Daniel Oppenheim, zu erwerben.

Sarah führt Hagar Abraham zu
Foto: Jüdisches Museum
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Das Kunstwerk soll nicht nur die bestehende Oppenheim-Sammlung erweitern, sondern auch ein Gemälde an seinen Ursprungsort zurückholen: Der bekannteste jüdische Maler des 19. Jahrhunderts fertigte das Bild in Frankfurt an.

„Es ist den Freunden und Förderern ein großes Anliegen, das Museum bei dieser einmaligen Gelegenheit zu unterstützen“, sagt Werner D‘Inka, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft. Er fügt hinzu: „Ich bin zuversichtlich, dass unser Appell an die Öffentlichkeit von Erfolg gekrönt sein wird. Schließlich ist es uns bereits in den Jahren 2020 und 2018 gelungen, genügend Spenden einzuwerben, so dass das Jüdische Museum den künstlerischen Nachlass von Hans Rot wie auch von Jakob Nussbaum aus Privatbesitz erwerben konnte.“
 
Das Kunstwerk „Sarah führt Abraham Hagar zu“ (1832, Öl auf Leinwand, 69 cm x 54 cm) galt lange Zeit als verschollen. Immerhin existierten eine Kompositions- und eine Figurenstudie: Erstere ist eine Ölskizze zu „Sarah führt Hagar Abraham zu“ und stammt aus dem Jahr 1824. Sie ist heute im Israel Museum in Jerusalem zu sehen. Die Figurenstudie zu Hagar, ebenfalls in Öl, befindet sich bereits in der Sammlung des Jüdischen Museums Frankfurt und stammt aus dem Jahr 1824. Beide Studien belegen die Authentizität des vor einigen Jahren im Privatbesitz wieder aufgetauchten Bildes.
 
Dargestellt ist eine besondere Szene der biblischen Geschichte: Sarah präsentiert ihrem Ehemann die ägyptische Magd Hagar (übersetzt: die Fremde), damit Abraham mit ihr ein Kind zeugt – und dadurch die Kinderlosigkeit ihrer Ehe endet. Das Gemälde „Sarah führt Hagar Abraham zu“, zeigt eine von drei Situationen der biblischen Geschichte Hagars, die Oppenheim dargestellt hat. Eine andere Szene, „Die Verstoßung der Hagar“ (1824) befindet sich im Kunstmuseum Düsseldorf; eine spätere Version im Städel. Die dritte und letzte Szene, „Die Errettung von Hagar und Ismael“ (1826, Öl auf Leinwand) ist als Dauerleihgabe aus Privatbesitz in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt zu sehen. Diese Präsentation soll in Zukunft um den Anfang der biblischen Geschichte Hagars, das Gemälde „Sarah führt Hagar Abraham zu“, ergänzt werden.
 
Die Geschichte der Hagar erfreute sich bereits in der Malerei des Barock großer Beliebtheit. Bei Rembrandt van Rijn, Guercino (Giovanni Francesco Barbieri) und Claude Lorrain wird die ägyptische Magd als Objekt der Begierde dargestellt. Oppenheims Gemälde „Sarah führt Hagar Abraham zu“ hingegen setzt die Ebenbürtigkeit beider Frauen in Szene.
 
Moritz Daniel Oppenheim (1800 – 1882) war der erste jüdische Maler, der Anfang des 19. Jahrhunderts eine Ausbildung an einer Kunstakademie erhielt. Nach Lehr- und Wanderjahren in Hanau, München, Paris und Rom lebte und arbeitete er in Frankfurt. Es ist die Zeit des Aufbruchs; Frankfurter Jüdinnen und Juden müssen nach 400 Jahren nicht mehr in einem abgeschlossenen Bezirk, der Judengasse, leben. Doch mit der Aufhebung dieser Restriktion ist die gesellschaftliche Gleichstellung noch lange nicht erreicht. Juden kämpfen um gleiche Rechte und um soziale Anerkennung. Sie gestalten dabei die bürgerliche Gesellschaft, die in der Stadt entsteht, aktiv mit. Moritz Daniel Oppenheim porträtiert dieses neue jüdische Selbstverständnis.
 
Der Maler widmet sich religiösen, literarischen und historischen Sujets. „Bis heute sind seine Bilder aus dem altjüdischen Familienleben – idealisierte Genreszenen zu traditionellen Festtagen und Brauchtum des Judentums in der Ghettozeit – äußerst beliebt“, erklärt Prof. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums. Die meisten seiner Bilder thematisieren jedoch die jüdische Emanzipation: Oppenheim porträtiert Frankfurter Jüdinnen und Juden, die im Ghetto zur Welt gekommen sind, als gebildete und respektable Mitglieder des Frankfurter Bürgertums. „Es ist die Kraft dieses neuen jüdischen Selbstbewusstseins, das seinen Bildern eine besondere Ausstrahlung verleiht“, sagt Wenzel und ergänzt: „Deshalb passt sein Werk auch besonders gut in unser Museum. Denn wir transportieren dieselbe Botschaft: Das Judentum ist stark, selbstbewusst, gegenwärtig. Wir sind jetzt!“ (ffm)