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Letzte Aktualisierung: 30.09.2022

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Spätes Online-Dating

„Monsieur Pierre geht online“ in der Komödie Frankfurt

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(19.09.2022) Monsieur Pierre (Christian Wolff) ist seit zwei Jahren verwitwet, einsam, lässt sich gehen, will nicht mehr aus dem Haus und hat – so sieht es aus – mit allem abgeschlossen. Da hat seine Tochter Silvie (Barbara Bach) die Idee, ihm einen Laptop zu schenken und den Vater anlernen zu lassen, damit er online gehen kann.

Julia Gröbl, Christian Wolff, Barbara Bach, Patrick Wolff, Katja Straub
Foto: Helmut Seuffert
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Dafür gewinnt sie den Freund Alex (Patrick Wolff) ihrer Tochter Juliette (Julia Gröbl), erfolgloser Schriftsteller, der mit ihr in der Wohnung von Silvie wohnt.  Weil Monsieur Pierre noch immer Kontakt mit dem Ex seiner Enkelin Juliette hat, verschweigt seine Tochter dem Vater die wahre Identität von Alex.

Der alte Herr lässt sich nach großem Zögern darauf ein, mit dem PC umgehen zu lernen, entdeckt zu seiner Freude viele Möglichkeiten, und auch das Dating-Portal. Er beginnt Freude am Leben zu haben, pflegt sich und seine Wohnung wieder und chattet im Internet mit der jungen 32-jährigen Flora (Katja Straub) aus Brüssel. Selbst hat er sich als 38-jährig ausgegeben und ein Foto von Alex an Flora geschickt. Der alte Herr und die junge Frau sind sich über Chat sehr zugetan, denn Pierre ist einfühlsam und weiß sich gut auszudrücken. Als Flora ein Treffen vorschlägt, macht er sich auf eine Reise von Paris nach Brüssel. Alex muss natürlich mit, obwohl er nicht will.

Das Geschehen auf der Bühne setzt Tom Grasshof mit ungewöhnlichen Mitteln um. An vier Orten spielt das Stück: einmal in Monsieurs Wohnung, dann in der Wohnung der Tochter, auf einer Fahrt im Auto und in einem Bistro. Mit ein paar Sitzgelegenheiten, einem Tisch, Schrankwand, und einem großen Monitor gelingt das. Der Monitor kann Fenster sein, das jeweils einen anderen Blick auf Paris zeigt, oder er ist auch Bildschirm des Laptops. Die Szenen allerdings sind sehr kurz, es wird ständig von einer zur anderen Umgebung gewechselt. Grasshof hat das gelöst, indem die Bühne dunkel wird, schwarze Gestalten umher huschen, um die wenigen Möbel umzustellen. Dazu wird Musik eingespielt. Der Monitor tut dann das Übrige. Sogar die Autofahrt hat er so auf die Bühne gebracht. Die ständigen Unterbrechungen des Spielflusses mit den Dunkelphasen allerdings sind für die Zuschauer gewöhnungsbedürftig.

Dass sich Alex und Flora verlieben, wer wen zum Schluss „abkriegt“, wie Monsieur die Liebe der beiden selbst als fast eigenes Erlebnis mitempfindet, das alles hat Folke Braband in seiner Bühnenfassung sensibel umgesetzt.

Regie führt Horst Johanning, für die Kostüme ist Anja Saafan zuständig.

Zu sehen ist „Monsieur Pierre geht online“ noch bis zum 6. November 2022, jeweils 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Montag ist Ruhetag.

Infos unter www.diekomoedie.de  Tel. (069)284580