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Letzte Aktualisierung: 12.06.2024

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Sozialdezernentin Voitl verleiht Nachbarschaftspreis 2023

von Ilse Romahn

(11.09.2023) Der Nachbarschaftspreis der Stadt Frankfurt am Main geht in diesem Jahr an den Internationalen Kulturtreff Sindlingen, die Initiative Demokratie am Wasserhäuschen, das Interkulturelle Frauencafé in der Leo-Gans-Straße, das Projekt Bee Sossenheim und die Kommunalen Gesundheitsinitiativen KoGi.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Nachbarschaftspreises 2023 mit Sozialdezernentin Elke Voitl (3. von links)
Foto: Stadt Frankfurt am Main
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Mit der Auszeichnung würdigt die Stadt das vielfältige Engagement von Frankfurterinnen und Frankfurtern, die sich mit kreativen Projekten und Initiativen für ein gutes Miteinander und Füreinander in ihrer Nachbarschaft einsetzen. Der Preis ist mit insgesamt 5000 Euro dotiert und wurde zum 22. Mal vergeben.
 
„Wie solide unsere Stadtgesellschaft ist, messen wir nicht nur an wirtschaftlichen Faktoren und daran, wie gut Menschen hier versorgt sind, sondern auch daran, wie gut wir zusammenhalten. Dieser Zusammenhalt ist es, der unsere Demokratie stärkt, den sozialen Frieden befördert und uns als Frankfurter ausmacht“, sagte Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl bei der Preisverleihung im Gesellschaftshaus im Palmengarten.
 
Preisträger in der Kategorie „Kultur vor Ort“: Internationaler Kulturtreff Sindlingen
Die große Gruppe eritreisch-stämmiger Nachbarinnen und Nachbarn unterstützt seit vielen Jahren kontinuierlich und ehrenamtlich den nachbarschaftlichen Austausch in Form von Kultur, Religion und Bildung. Dazu gehören auch der herkunftssprachliche Unterricht, Bildungsfahrten sowie die Organisation des Nachbarschaftsfestes. Ein Mitglied der Gruppe, Thomas Alazar, nahm 2020/21 an der Bürgerakademie der Polytechnischen Gesellschaft teil und entwickelte dort das Projekt „Internationaler Kulturtreff“, das im Mai 2022 an den Start ging. Der Kulturtreff findet seither einmal im Monat statt, unterstützt durch das Quartiersmanagement Sindlingen. Bei jedem Treffen wird ein anderes Land von Menschen aus der jeweiligen Community vorgestellt, der Raum geschmückt, Kulturgüter wie Instrumente oder Kleidung mitgebracht und natürlich landestypisch gespeist und getrunken.
 
Preisträger in der Kategorie „Demokratie Leben im Quartier“: Demokratie am Wasserhäuschen
Naim Yildirim betreibt seit elf Jahren das Wasserhäuschen „Heinrich’s Bierstübchen“ in der Niederurseler Landstraße. Vor jeder Wahl der letzten Jahre – sei es die OB-Wahl, die Europa- oder Bundestagswahl – lud er die Kandidatinnen und Kandidaten vor Ort zu einer Diskussion mit der Nachbarschaft ein. Bei Getränken, Bratwurst und Live-Musik kommen jedes Mal über 100 Personen zusammen, um miteinander und mit Politikerinnen und Politikern zu diskutieren. Yildirim ist außerdem Sozialpfleger der Stadt Frankfurt und packt in seiner Nachbarschaft gerne mit an, wenn jemand praktische Hilfe benötigt. Er ist ein gefragter Ansprechpartner, Zuhörer und Ratgeber.
 
Preisträger: Interkulturelles Frauencafé in der Leo Gans Straße
Seit einem Jahr herrscht jeden Freitag in der Nachbarschaftswohnung in der Leo-Gans-Straße 48 Hochbetrieb. Die Haustür steht in der Zeit offen und an der Wohnungstür hängt einladend ein Schild „Herzlich willkommen zum offenen Frauencafé“. Beim Eintreten in die ehemalige Wohnung werden die Gäste warmherzig von den zwei ehrenamtlichen Fechenheimerinnen Fevziye Kocak und Güler Petla begrüßt und an den gedeckten Tisch gebeten. Die teilnehmenden Frauen merken, wie wichtig der Austausch untereinander ist, die gegenseitige Bestärkung, den Herausforderungen des Alltags zu begegnen und beispielsweise den Einstieg oder Neueinstieg in die Berufstätigkeit zu wagen. Die beiden Organisatorinnen hören genau hin, was die Frauen bewegt. Daraufhin werden zwei bis dreimal im Monat Referentinnen verschiedener Institutionen und Einrichtungen zu den Themen Frauengesundheit, Familiengesundheit und Qualifizierung eingeladen. Außerdem sind sie auf Stadtteilfesten präsent, organisieren gemeinsame Museumsbesuche oder bei Bedarf einen Schwimmkurs.
 
Preisträger in der Kategorie „Schöner, Bunter, Nachhaltiger“: Bee Sossenheim
Eine Gruppe von Nachbarinnen und Nachbarn aus der Westerbachsiedlung in Sossenheim hat sich die ökologische Umgestaltung einer sogenannten Frischluftschneise zur Aufgabe gemacht. Sukzessive wollten die Akteurinnen und Akteure die Fläche in eine Magerwiese verwandeln, die als Lebensraum für bedrohte Arten – Wildbienen, Eidechsen, Falter, Käfer und Singvögel – fungiert. Nachdem die Grünfläche in einem ersten Schritt von Gestrüpp und Abfall befreit worden war und Obstbäume gepflanzt wurden, steht nun die Pflege der Wiese im Jahreszeitenverlauf im Vordergrund. In Zukunft möchte die Initiative noch eine große Sandfläche anlegen sowie Schilder zu den verschiedenen Lebensbereichen anbringen. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre tragen Früchte, denn es haben sich mittlerweile sogar neue Arten angesiedelt, die auf der Roten Liste bedrohter Tierarten stehen. Aus einem zugewucherten und zugemüllten Schandfleck ist inzwischen ein kleines Naturparadies mit Erholungsfaktor und vielen Beobachtungsmöglichkeiten für Besucherinnen und Besucher geworden.
 
Preisträger in der Kategorie „Gemeinsam lernen im Quartier“: KoGi Kommunale Gesundheitsinitiativen
In dem Projekt geht es um kultursensible, niedrigschwellige Gesundheitsaufklärung nach dem Peer-to-Peer-Ansatz. Ausgebildete, mehrsprachige Gesundheitslotsinnen und -lotsen fungieren als Brückenbauerinnen und -bauer zum Gesundheitssystem und bieten in verschiedenen Frankfurter Einrichtungen Gesundheitsveranstaltungen an. Dabei werden Themen wie gesunde Ernährung, das deutsche Schulsystem, seelische Gesundheit oder Zahngesundheit thematisiert. Das Projekt wurde 2013 durch das Gesundheitsamt Frankfurt am Main ins Leben gerufen und wird nun in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus Gallus durchgeführt. Die Angebote unterscheiden sich je nach Zielgruppe: Es gibt Angebote für Eltern von Kindern, für Erwachsene sowie Gesundheitsförderung in Gemeinschaftsunterkünften und aufsuchende Gesundheitsförderungsarbeit für Personen, die keinen Zugang zu Organisationen haben. Die verschiedenen kulturellen und sprachlichen Hintergründe der KoGi-Lotsinnen und -Lotsen ermöglichen es, die Inhalte kultursensibel und bei Bedarf in den jeweiligen Muttersprachen zu vermitteln und in einem besonderen Vertrauensverhältnis sowie auf Augenhöhe Zugänge zum Gesundheitssystem zu schaffen. Viele Frankfurter Einrichtungen arbeiten seit Jahren mit den Gesundheitslotsen zusammen. Es finden beispielsweise regelmäßig Veranstaltungen in Kitas, Krippen, Familienzentren, Migrantenvereinen und Gemeinschaftsunterkünften statt. Im Projektjahr 2022 konnten so über 200 Gesundheitsveranstaltungen mit den KoGi-Lotsen durchgeführt werden. Damit wurden über 1800 Menschen erreicht. (ffm)