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Letzte Aktualisierung: 24.09.2021

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Sonderimpfungen in Schulen und Booster in Heimen beginnen

Steigende Corona-Zahlen bei Jungen und Alten – Cyriax und Overdick rufen zum Impfen auf

von Bernd Bauschmann

(08.09.2021) Im Main-Taunus-Kreis laufen die ersten Corona-Impfungen an Schulen an. Wie Landrat Michael Cyriax und Kreisbeigeordnete Madlen Overdick mitteilen, sind auch die ersten Drittimpfungen (so genannte „Booster“) in Alten- und Pflegeheimen geplant.

Symbolfoto
Foto: MTK / Matthias Knapp
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Bei jungen – und zumeist ungeimpften – Menschen liegt die Inzidenz den Angaben zufolge in diesen Tagen bei rund 290, bei den über 80-Jährigen bei rund 200. Das ist bis zu zweimal so hoch wie der Bevölkerungsschnitt. Die Fallzahlentwicklung stagniere seit einer Woche auf dem relativ hohen Niveau. Erfreulich sei, dass in den Kliniken nach wie vor relativ wenige Patienten mit Covid lägen und die überwiegende Zahl der Infektionen im Kreis mild verlaufe.

Am Dienstag, 07.09.2021, lief dem Kreis zufolge bereits eine Impfaktion an der Konrad-Adenauer-Schule in Kriftel. Für die nächsten Tage geplant seien Termine an der Leonie-Ossowski-Schule in Kelkheim, einer therapeutischen Einrichtung, außerdem an der Main-Taunus-Schule und der Brühlwiesenschule in Hofheim, am Privatgymnasium Dr. Richter in Kelkheim und der Eichendorffschule in Kelkheim. Den Termin an der Eichendorffschule am Donnerstag, 16. September, von 14 bis 17 Uhr können auch Personen von außerhalb der Schule nutzen. Termine an weiteren Schulen werden derzeit geplant.

Aktuell sind 47 Schüler und keine Lehrer infiziert. Weitere vier Schüler wurden als Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt. Auch wegen der mittlerweile dreimal wöchentlich laufenden Schülertestungen würden Infektionen schnell entdeckt, erläutern Cyriax und Overdick. Die Kinder und Jugendlichen würden sich nach Erkenntnissen des Gesundheitsamtes aber nicht in der Schule infizieren, sondern das Virus von außen hereintragen – durch Kontakte in der Familie, im Bekannten- oder Freundeskreis oder bei Veranstaltungen. Nach den Maßgaben des Landes sind mittlerweile Freitestungen an Schulen möglich, auch wurden die Kriterien für die Quarantäne gelockert.

Während die überwältigende Zahl der Fälle in den Schulen nicht auf Ansteckung innerhalb der Schule zurückzuführen sein, seien viele Infektionen in den Heimen „hausintern ausgelöst“, so Cyriax. Er und die Gesundheitsdezernentin appellieren eindringlich an die Pflegekräfte, sich impfen zu lassen, und an die Heimleitungen, die Arbeit so zu organisieren, dass die Bewohner größtmöglichen Schutz haben. „Wir brauchen eine Impfpflicht für das Pflegepersonal“, unterstreicht Cyriax. Darüber hinaus müsse in allen Altersgruppen, für die Impfungen zugelassen sind, noch mehr geimpft werden: „Impfen schützt. Ohne das gibt es keinen Weg aus der Pandemie.“

Hessenweit beträgt die Inzidenz für Ungeimpfte, Teilgeimpfte oder jene ohne Angaben zum Impfstatus am Dienstag 292,2. Für vollständig Geimpfte beträgt sie 13,7. Eine Darstellung des Verhältnisses auf Kreisebene ist aus Gründen der Datensystematik in Hessen nicht möglich.

In den Heimen und den Einrichtungen der Behindertenhilfe sind aktuell 60 Bewohner infiziert, außerdem sechs Pflegekräfte. Die Zahl der Infizierten hat sich seit Ende August verdoppelt. Unter den zehn Pflegekräften, die sich seit Anfang August infizierten, waren den Angaben zufolge neun nicht oder nicht vollständig Geimpfte.

Cyriax und Overdick befürworten eine am Dienstag vom Bundestag beschlossenen Gesetzesänderung zum Auskunftsanspruch der Arbeitgeber. Demnach dürfen Leitungen von besonders sensiblen Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Impfstatus fragen. Bislang fiel das unter den Datenschutz. „Damit eine Heimleitung ihre Arbeit so organisieren kann, dass die Bewohner größtmögliche Sicherheit haben, müssen sie wissen, von welcher Pflegekraft ein Infektionsrisiko ausgehen könnte und von welcher nicht“, so Overdick. Das Gesundheitsamt stehe im ständigen Kontakt mit den Heimen und mache auch unangekündigte Besuche, um festzustellen, ob Regelungen eingehalten würden: „Hier leben die am meisten gefährdeten Menschen im Kreis, das müssen wir genau im Fokus haben“, so die Gesundheitsdezernentin.

Da unter den infizierten Bewohnern viele Geimpfte seien, laufe dort bald die dritte Impfung an, teilt Overdick mit. Ältere Menschen bauten durch die Impfungen offenbar einen geringeren Schutz auf als Jüngere, deshalb müsse hier schnell gehandelt werden. Einsätze von mobilen Teams in sechs Heimen seien bereits geplant, weitere würden folgen.