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Letzte Aktualisierung: 19.10.2020

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Sodens berühmte Kurgäste: Richard Wagner

von Adolf Albus

(25.05.2020) Ein weiterer Besucher Sodens, der aber streng genommen nicht zu den Kurgästen gezählt werden darf, ist der Komponist und Dirigent Richard Wagner (1813-1883). Grund seines Besuches vom 12. auf den 13. August 1860 war die Hoffnung, die Einwilligung zur Scheidung von seiner Frau Minna, geb. Planer, zu erhalten, die mit ihrer Freundin Mathilde Schiffner in Soden kurte. Allerdings lehnte diese ab, so dass Wagner die beiden Tage in Soden im Nachhinein als „unerfreulich“ bezeichnete.

Wagner nahm, weil im Logierhaus Saxonia bei Familie Carl Jung – wo seine Frau Quartier genommen hatte – kein Platz mehr war, im Nachbarhaus ein Zimmer (heutiges Pfarrhaus, ehemals Hauptstraße, heute Zum Quellenpark 28).


An beiden Häusern findet sich eine Gedenkplakette, die auf den Aufenthalt Wagners in Soden hinweist. Dies ist insofern nicht falsch, da die beiden Gebäude einst verbunden waren und einer Familie gehörten. Die Tafeln berichten von Wagners erster Nacht auf deutschem Boden. Der Künstler war nach seiner Teilnahme am gescheiterten Dresdner Mai-Aufstand 1849 steckbrieflich gesucht worden und hatte sich den Behörden durch Flucht ins Ausland entzogen. Wagner erhielt im August 1860 aufgrund einer Teilamnestie durch den sächsischen König wieder die Möglichkeit, deutschen Boden zu betreten.
Als bekannt wurde, dass ein so berühmter Komponist und Kapellmeister in Soden zu Gast war, spielte ihm die Kurkapelle unter Leitung von Ferdinand Pöpperl ein Ständchen. „Wagner dankte“, soso der dabei anwesende Lehrer Presber in seinen Erinnerungen „in einer an die Musikkapelle und das zahlreich herbeigeeilte Publikum gerichteten Ansprache für die Ehre und bemerkte, er sei kein Freund von Ovationen, diese aber sei ihm umso wertvoller, als sie die erste größere Begrüßung bilde, die ihm bei der Rückkehr ins Vaterland nach elfjähriger Verbannung dargebracht wurde.“ Nach Erinnerung des Lehrers Presber trug Wagner dunkle Kleidung und als Kopfbedeckung ein dunkelgrünes Samtbarett.

Die Häuser Zum Quellenpark 28 und 30. Auf beiden findet sich eine Plakette zu Wagners Soden-Besuch.
Beide Abbildungen stammen aus dem Stadtarchiv Bad Soden am Taunus.

Richard Wagner wurde immer wieder in Verbindung mit einem Foto gebracht, dass angeblich seine Anreise am Sodener Bahnhof zeigt. Allerdings kann Wagner 1860 nicht mit der Bahn angereist sein, da die (in der Tat sehr frühe) Bahnlinie Soden-Höchst zwischen 1859-1863 stillgelegt war. Die alte Fotografie zeigt die Lokomotive mit der Nr. 18 auf dem Schornstein nach deren Umbau zur Tenderlok 1865 (vorher trug der Zug die Nr. 54). Die Aufnahme kann also erst nach 1865 entstanden sein und hat somit mit Wagners Besuch in Soden nichts zu tun.