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Letzte Aktualisierung: 27.05.2020

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Soden um 1900: Kur und Landwirtschaft prägten das Leben im Ort

von Adolf Albus

(18.05.2020) Als im Jahr 1900 das erste Mal in Soden eine Zeitung erschien – die Sodener Zeitung – gab es im Ort exakt 1.768 Einwohner und 260 Häuser. Viele betrieben Landwirtschaft, zumindest nebenberuflich. Die Haupteinnahmequelle war jedoch die Kur.

1900 kamen über 3.000 Kurgäste in den kleinen Ort am Taunusrand, allerdings nur in den Sommermonaten. Zudem existierte, wie der Schornstein hinter der evangelischen Kirche im Ortskern verrät, bereits eine Fabrik zur Produktion der Sodener Mineralpastillen, die im Quellenhof (dem heutigen Lokal Rocco) betrieben wurde.

Die Kur
Die meisten Hotels und Kurvillen lagen an der Hauptdurchgangsstraße, der Königsteiner Chaussee. So zum Beispiel der Europäische Hof – das zweite Gebäude auf der linken Seite. Heute steht dort ein Neubau der 1960er-Jahre, der Europahof). Das erste Gebäude links, ein Eckhaus, ist die Villa Rheinfels. Heute wird dort im Erdgeschoss ein Eiscafé betrieben. Überhaupt kann man an diesem Abschnitt der Königsteiner Straße, etwa in Höhe der Einmündung zur Alleestraße, noch gut die Bebauung jener Zeit mit Kurvillen nachvollziehen.
Als Kurmittel standen den Gästen ein Kurhaus (gelegen nördlich des Alten Kurparks – heute steht dort das H+ Hotel) und ein Badehaus im Alten Kurpark sowie eine hölzerne Trinkhalle im Quellenpark (heute Neubau Tanzschule Pelzer) zur Verfügung.
Neben der Trink- und Badekur wurde seit den 1880er-Jahren in Soden als neue Therapieform auch die Inhalation angeboten. Dies geschah damals im sog. Parkinhalatorium, das hinter der Konzertmuschel im Alten Kurpark lag. Im Zweiten Weltkrieg wurde es jedoch stark beschädigt und musste nach dem Krieg abgetragen werden.


Frühe Fortschritte
Einst in erster Linie für die Kurgäste gebaut, nutzten auch die Sodener die bereits 1847 erbaute Bahnlinie von Höchst nach Soden. Ab 1891 verkehrten jeweils zwei Züge direkt (ohne Umsteigen in Höchst) zwischen Soden und Frankfurt. Das Bahnhofsgebäude, das heute unter Denkmalschutz steht, und erst vor wenigen Jahren von der Firma Messer aufwändig saniert wurde, bestand damals noch aus zwei ebenerdigen Seitengebäuden und einem einstöckigen Mittelbau, der als offene Halle konzipiert war. Auch dass es in Soden bereits seit 1893 elektrischen Strom gab, war in erster Linie dem Kurbetrieb zu verdanken.
Postkarte um 1900 mit Kurhaus und Badehaus sowie Burgbergturm, der 1900 vom Taunusklub erbaut wurde. Das Badehaus ist an den Seitenflügeln noch nicht aufgestockt.

Das Leben der Dorfbewohner
Seit 1866 stand das einstige Reichsdorf, das 1803 nassauisch geworden war, unter preußischer Regierung. Seit 1868 zählte es zu der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Offenbar arrangierten sich die Einwohner ganz gut mit dieser Situation. Im Juli 1900 gründeten sie neben der „Germania“ einen weiteren Militärverein. 1895 war in Erinnerung an die Gefallenen der Kriege 1866 und 1870/71 im Kurpark ein Kriegerdenkmal errichtet worden. 1885 war schon eine „Bismarck-Eiche“ gepflanzt worden. Bürgermeister der kleinen Gemeinde war von 1893 bis 1912 Georg Busz. Es gab bereits die für Orte dieser Größe typischen Vereine: die Freiwillige Feuerwehr, den Taunusklub, den Imkerverein, den Obst- und Gartenbauverein und einen Turn- und Sportverein. Bereits 1888 war in Soden der Vaterländische Frauenverein, ein Vorläufer des Deutschen Roten Kreuzes, gegründet worden. Vorsitzende war die Frau des Sanitätsrats Otto Thilenius, Johanna. Das Ziel des Vereins war zunächst die Versorgung von Kriegsverletzten und die Krankenpflege. 1896 gründete sich auch eine männliche Rot-Kreuz-Gruppe in Soden als Zweigverein des Höchster Vereins.

In Soden waren bedingt durch die Anlehnung des Ortes an Frankfurt fast alle Einwohner evangelisch. Die evangelische Kirche befand sich an der Hauptstraße im alten Ortskern. Sie steht heute noch, auch wenn sich der Ortsmittelpunkt Richtung Königsteiner Straße verlagert hat. Für die wenigen Katholiken, darunter auch Kurgäste, stand seit 1864 neben dem heutigen H+ Hotel eine Kapelle zur Verfügung.