Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 04.03.2024

Werbung
Werbung

Snus im Sport - gefährliches Doping oder harmloser Kick?

von Bernd Bauschmann

(08.02.2022) Spätestens seitdem der Fußball-Bundesliga Spieler Marco Reus vor einigen Jahren ein Foto mit einer Dose Snus gepostet hat, ist der Tabak wortwörtlich in aller Munde. Doch nicht nur Sportprofis schwören auf die aufputschende Wirkung des Tabaks, sondern auch Freizeit- und Kraftsportler. Wir erklären Ihnen im Folgenden, ob der Tabak nun wirklich einen Vorteil beim Sport hat und wie sich Snus auf Ihre Gesundheit auswirkt.

Foto: Pixabay / abvrockgroup
***

Was genau ist Snus?
Snus ist Oraltabak, der ursprünglich aus Schweden stammt und in den skandinavischen Ländern bereits seit vielen Jahrhunderten weit verbreitet ist. Die Herstellung ist relativ simpel, der Tabak wird an der Luft getrocknet, gemahlen und mit Wasser und anderen Stoffen, wie Salzen sowie Aromen versetzt. Anschließend wird das Ganze entweder in kleine Beutel verpackt oder in purer Form auf den Markt gebracht. Snus gibt es in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, sodass jeder das Richtige für sich findet.

Der Tabak wird zwischen das Zahnfleisch und die Oberlippe gesteckt und für 15 bis 60 Minuten dort gelassen. In dieser Zeit entfaltet sich die Wirkung. Snus gibt es in unterschiedlichen Stärken, sodass der Tabak entweder eine entspannende Wirkung hat oder aufputschend wirkt. Letzteres sorgt dafür, dass Snus beim Sport gerne eingesetzt wird.

Die Wirkung von Snus
Das Salz im Snus sorgt dafür, dass der pH-Wert im Mund aufrechterhalten wird. Zudem kann das Nikotin dadurch besser von den Mundschleimhäuten aufgenommen werden. Je nach Art des Snus, enthält der Tabak rund dreimal soviel Nikotin, wie eine herkömmliche Zigarette. Durch die Einnahme über die Mundschleimhaut wird das Nikotin relativ schnell aufgenommen und gelangt ins Gehirn. Dort hat es einen Effekt auf das Belohnungszentrum, wodurch innerhalb von wenigen Sekunden ein starkes Hochgefühl erzielt werden kann.

Das sorgt gleichzeitig dafür, dass der Körper eine erhöhte Dosis Adrenalin ausschüttet, wodurch Puls und Blutdruck steigen, während das Stressempfinden sinkt. Nach der Einnahme von Snus fühlt man sich wach, fokussiert und je nach Dosis auch entspannt. Je vertrauter Sie mit dem Konsum sind, desto besser können Sie die Wirkung selbst steuern.

Warum nehmen Sportler Snus?
Snus wird gerne im Sport eingesetzt, da sich die Anwender eine bessere kognitive Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit und einen gesteigerten Kreislauf erwarten. Es soll quasi ein extra Energiekick erzeugt werden sowie eine höhere mentale Leistungsfähigkeit. Beim Fußball kann das zu einem besseren Reaktionsvermögen sorgen, beim Kraftsport für die nötige Fokussierung für die letzten Wiederholungen. Im Leistungssport wird Snus auch gerne eingesetzt, um die Nervosität vor Spielen zu lindern.

Aktuell steht der Tabak noch nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur, wird jedoch überwacht. Athleten brauchen sich also aktuell noch keine Sorgen zu machen, aufgrund ihres Konsums disqualifiziert zu werden. Da Snus nicht geraucht wird, entstehen nicht die Schadstoffe, die bei der Verbrennung von Tabak anfallen. Manche Studien behaupten sogar, dass der Konsum um 90 % weniger gefährlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, als Rauchen. Zumindest kann festgehalten werden, dass sich Snus nicht direkt auf die Lunge und deren Funktion auswirkt, im Vergleich zu klassischen Zigaretten.

Welche Sportarten sind besonders betroffen?
Snus ist vor allem beim Eishockey sehr beliebt, so sollen rund ein Drittel der Spieler den Tabak konsumieren. Das liegt vor allem daran, dass Snus im Herkunftsland Schweden eine jahrhundertelange Tradition hat, wo auch Eishockey sehr beliebt ist. Aber auch Fußballer sind auf den Zug aufgesprungen, so haben mit Benzema, Coutinho und Reus bereits einige der bekanntesten Spieler öffentlich zugegeben, den Tabak einzunehmen. Auch im Kraftsport wird Snus gerne eingenommen, um auch noch die letzte Kraft aus dem Körper herauszuholen.

Bringt Snus im Training etwas?
An sich klingt Snus wie ein genialer Wirkstoff, der für mehr physische und psychische Power sorgt, ohne dabei gesundheitlich bedenklich zu sein. Allerdings gibt es aktuell noch keine Studie, welche die positiven Auswirkungen von Snus auf den Sport belegt. Nikotin wirkt sich theoretisch sogar negativ auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus, da dadurch vermehrt Stresshormone freigesetzt werden. Nikotin sorgt dafür, dass der Körper in einen Alarmzustand gerät, die Herzfrequenz rasant ansteigt und sich auch der Blutdruck erhöht. Parallel verringert sich jedoch die Fähigkeit des Blutes Sauerstoff zu transportieren, wodurch es zu einem Leistungsabfall kommen kann.

Gesundheitliche Risiken
Zudem hat Snus negative Wirkungen auf Ihre Gesundheit. Das Krebsrisiko wird durch die Einnahme erhöht, Sie können abhängig werden und auch Entzündung in der Mundschleimhaut kommen häufiger vor. Ebenfalls gehören Bauchschmerzen, Zahnfleischrückbildung und verfärbte Zähne, bis hin zum Zahnausfall, zu den Nebenwirkungen von Snus. Gerade wenn Sie zum ersten Mal Snus einnehmen, werden Sie noch keine positive Wirkung erwarten können, ganz im Gegenteil: Häufig kommt es zu Übelkeit oder Schwindel. Der Konsum muss zunächst trainiert werden.

Rein theoretisch betrachtet hat Snus also nicht unbedingt eine positive Auswirkung auf die sportlichen Fähigkeiten. Trotzdem schwören viele Sportler darauf und profitieren von individuellen Effekten. Im Endeffekt muss jeder die Wirkung für sich persönlich ausprobieren und kann erst dann ein Fazit ziehen. Eine allgemeine positive Wirkung kann jedoch zumindest nicht versprochen werden.