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Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks spielt in der Notre-Dame de Paris

Mitte Juni 2025 hatte das hr-Sinfonieorchester die Ehre, im Rahmen des besonderen Konzertprogramms zur Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame de Paris für das Abschlußkonzert in der Kirche zu gastieren. Auf dem Programm stand die Uraufführung des Te Deum pour Notre-Dame des bedeutenden französischen Komponisten Thierry Escaich.

Notre Dame de Paris
Notre Dame de Paris
Foto: Renate Feyerbacher
Notre Dame de Paris Hauptportal
Notre Dame de Paris Hauptportal
Foto: Renate Feyerbacher
Das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks
Das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks
Foto: Renate Feyerbacher
Konzertende  - stehend der Komponist
Konzertende - stehend der Komponist
Foto: Renate Feyerbacher
Notre Dame de Paris Mittelschiff
Notre Dame de Paris Mittelschiff
Foto: Renate Feyerbacher

Zur Erinnerung: Am 15. und 16. April 2019 wurde die mittelalterliche Kathedrale (1163 Beginn des Baus) Notre-Dame de Paris auf der Seine-Insel Ile de la Cité im Herzen der Stadt durch einen Großbrand erheblich zerstört. Fünfeinhalb Jahre haben 2000 Menschen das Gotteshaus wieder aufgebaut und dabei auch Steine von Ruß und Staub befreit.

Wer die lange Dokumentation über das verheerende Ereignis sah, den mutigen, gefährlichen Einsatz der Feuerwehrleute verfolgte, kann es kaum fassen, dass ein Wiederaufbau in relativ kurzer Zeit gelang.

Am 7. Dezember 2024 wurde die Kathedrale durch Staatspräsident Emmanuel Macron und Erzbischof Laurent Ulrich feierlich wieder eröffnet.

Beim Betreten der Kathedrale in ihrer alten, nun neuen Erhabenheit und Schönheit ergreift einen eine unbeschreibliche Emotion. Die Rosetten, die zu den bedeutendsten Glasmalereien der Welt gehören, lassen mehr denn je das Licht hereinfluten. Die Westrosette hinter der Orgel aus dem frühen 13. Jahrhundert, hatte wie auch die Orgel selbst keinen Schaden genommen.

Zu den kulturellen Höhepunkten der Feierlichkeiten in Notre-Dame de Paris gehörte das Abschlusskonzert des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks, das am 12. Juni das Te Deum pour Notre-Dame des französischen Komponisten und Titularorganisten an der Kathedrale Thierry Escaich uraufführte. Der 60jährige Escaich, einer der bedeutendsten, zeitgenössischen Komponisten, ist derzeit Composer in Residence beim Frankfurter Orchester. Escaich und Chefdirigent Alain Altinoglu kennen sich schon lange, beide haben am Pariser Konservatorium studiert.

Escaichs 2. Cello-Konzert Les Chants de L’aube (Gesänge der Frühe) war am 6. Juni in der Alten Oper zu hören und zu erleben. https://www.frankfurt-live.com/konzert-tipp-in-der-alten-oper-frankfurt-am-6-juni

Eine Création Mondiale wird das Te Deum genannt, „une hymne qui fête une grande occasion“, eine Hymne, die das große Ereignis feiert.

Ein Aufgebot von 180 Mitwirkenden. Mit dabei die Maîtrise (Kantorei) der Pariser Kathedrale, jugendliche Stimmen, Sängerinnen und Sänger des Narodowe Forum Muzyki-Chors aus Wroclaw (Breslau), Thierry Escaich mit Improvisation an der großen Orgel und das HR-Sinfonieorchester unter Leitung von Alain Altinolgu. Der in Paris geborene Künstler mit armenischen Wurzeln kennt Notre-Dame, wo er mit 13 Jahren die kleine Orgel spielte. "Als Armenier in Paris feiern wir jedes Jahr am 24. April eine Messe in der Notre-Dame, um des Völkermords an den Armeniern zu gedenken.“ 

La Nuit de feu (Nacht des Feuers) heißt der erste Teil, der an den Brand erinnert: "Am Anfang ist es ein wenig Feuer, das brennt, aber nicht leuchtet. Am Ende ist es das Feuer, das leuchtet, aber nicht brennt." Zwischen den vier Teilen improvisiert Escaich auf der Orgel, die mit 120 Registern eine besonders große Klangvielfalt und Akustik in Notre-Dame ermöglicht. Diese Orgel-Zwischenspiele sind faszinierende Höhepunkte. Die Nachhallzeit der Töne liegt bei sieben Sekunden. Dieser lange Hall ist für ein klassisches Orchester eine Heraus-forderung. Altinoglu weiß um diese Besonderheit.

Manchmal drohen die starken, fantastischen Chöre durch laute, fast explosiv-ähnliche Gesänge das Orchester zu ersticken, aber schnell ist alles wieder im Lot beim Orchester, das sich behauptet mit seinen ausgezeichnet musizierenden Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabässen. Einmalig stark auch die Bläser, die Harfe intensiv. Glocken und eine Marimba sind zu hören. Komplizierte Rhythmen haben die Musiker zu bewältigen und die Akustik ist ausgezeichnet. 

Thierry Escaich, der an der Restaurierung der großen Orgel beteiligt war, ist ein Klangarchitekt. Die enge, die kleinsten Details beachtende Zusammenarbeit der beiden Künstler, des Komponisten Thierry Escaich und des Dirigenten Alain Altinoglu bei den Proben im Hessischen Rundfunk und schließlich in Notre-Dame de Paris, hat diese einmalige musikalische Sternstunde ermöglicht.

Frenetisch wurden alle Künstler, vor allem aber der Komponist und Organist, von einigen tausend Te Deum-Besuchern gefeiert.