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Letzte Aktualisierung: 18.06.2021

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Sianne Ngai über die Ästhetik des Gimmick

Programm der 8. Dagmar-Westberg-Vorlesung – Öffentliche Online-Vorträge, Diskussion und Online-Kolloquium

von Adolf Albus

(08.06.2021) Die 8. Dagmar-Westberg-Vorlesung, übernimmt in diesem Jahr vom 14. bis 18. Juni die amerikanische Wissenschaftlerin Sianne Ngai. Die Literaturwissenschaftlerin und Philosophin, die sich als eine der weltweit führenden Analytiker der Gegenwartsästhetik etabliert hat, hält drei öffentliche Vorträge und ein Kolloquium zum Thema „Theory of the Gimmick: Aesthetic Judgment and Capitalist Form“.

„Sianne Ngai hat uns neue Begriffe an die Hand gegeben, um über die Alltagsästhetik des Hier und Jetzt zu sprechen. Genauer gesagt hat sie uns mit ihren Büchern erklärt, wie wir alle ständig ästhetische Urteile fällen, einfach indem wir sprechen“, erklärt Prof. Dr. Johannes Völz von der Goethe-Universität. Der Amerikanist mit dem Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ war an der Auswahl für die diesjährige Reihe der Westberg-Vorlesung beteiligt. „Am Ausgangspunkt von Sianne Ngais Forschung steht die Frage, welche ästhetischen Formen, Erfahrungen und Urteilskategorien sich unter den Bedingungen des ‚Spätkapitalismus’ herausbilden und welches Potential eine solche Ästhetik für die Kritik ihrer eigenen ‚spätkapitalistischen’ Bedingungen zur Verfügung stellt“, so Völz.

In ihren Frankfurter Vorlesungen, die sie englischer Sprache halten wird, wird Sianne Ngai ihren Blick, ausgehend von ihrem neuesten Buch Theory of the Gimmick, auf das Gimmick richten. Im Gimmick erkennt Ngai eine ästhetische Form, die uns zugleich anzieht und abstößt, und ein ästhetisches Urteil, durch das wir diese ambivalente Gefühlsmischung zum Ausdruck bringen.

Eröffnet wird die Reihe mit dem Vortrag „An Introduction to Aesthetic Categories (Through the Case of an Unstable One)“ am Montag, 14. Juni 2021, um 19.00 Uhr, in dessen Rahmen Ngai sich mit dem Begriff der „ästhetischen Kategorie“ auseinandersetzen wird. Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemielage finden alle Vorlesungen online statt. Die Informationen zum Programm sowie zur Anmeldung sind abrufbar unter www.uni-frankfurt.de/Dagmar-Westberg-Stiftungsgastprofessur.

Zur Person der Referentin
Sianne Ngai hat an der Brown University sowie in Harvard studiert. Von 2000 bis 2007 war sie Assistant Professor für Englisch und von 2011 bis 2017 Associate Professor für Englisch an der Stanford University. Seit Herbst 2017 ist sie Professor of English an der University of Chicago. Zudem war Ngai Stipendiatin des Wissenschaftskollegs zu Berlin, des American Council of Learned Societies, der Huntington Library und des Stanford Humanities Center. 2015 wurde ihr von der Universität Kopenhagen die Ehrendoktorwürde in Geisteswissenschaften verliehen. Darüber hinaus unterrichtete Ngai an der Cornell School for Criticism and Theory sowie am Southern California Institute for Architecture. Sianne Ngais Forschungsschwerpunkte umfassen Ästhetische Theorie, Kritische Theorie, Amerikanische Literatur, Kulturwissenschaften, Feministische Studien und Queer Studies.

Zur Dagmar-Westberg-Vorlesung
Die Gastprofessur ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus den Erträgen eines Fonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg (1914-2017) gestiftet hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich eine weltweit renommierte Forscherpersönlichkeit nach Frankfurt einladen. In den vergangenen Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der bis Ende 2019 DFG-Präsident war, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen, den Berliner Theologen Christoph Markschies, den Princeton-Historiker Anthony T. Grafton, die US-amerikanische Historikerin Lynn Hunt und den israelischen Wissenschaftshistoriker und Philosophen Menachem Fisch.