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Sepsis: Es kann jeden treffen

Blutvergitung ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit

Die Sepsis ist ein medizinischer Notfall und eine der häufigsten Todesursachen weltweit. In Deutschland erkranken jährlich über 230.000 Menschen an einer Sepsis, mindestens 85.000 sterben daran. Statistisch gesehen stirbt demnach in Deutschland alle 2,5 bis sechs Minuten ein Mensch an den Folgen einer Sepsis. Betroffen sind nicht nur Erwachsene, auch Kinder erkranken daran. Der Internationale Sepsis-Tag am 13. September machte darauf aufmerksam.

 Warnzeichen wie extrem hohe oder niedrige Körpertemperatur, Schüttelfrost, Verwirrung oder rasender Puls sollten in der Gesellschaft bewusster verankert sein und in Notfällen schneller erkannt werden. Medizinischem und pflegerischem Personal in Kliniken kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu. Der Bereich Qualitäts- und Risikomanagement am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden beispielsweise setzt sich intensiv mit der Verbesserung der Sepsisversorgung auseinander. Dabei spielt auch das seit 2026 bundesweit etablierte Qualitätssicherungsverfahren Sepsis eine wichtige Rolle. „Patientenversorgung bedeutet einen ganzheitlichen Blick auf die Patienten. Wir müssen Risiken kennen und wahrnehmen, auch fern der eigentlichen Diagnose. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden.

Eine Sepsis kann jeden Menschen treffen und sich innerhalb kürzester Zeit zu einem lebensbedrohlichen Notfall entwickeln. Sie entsteht, wenn die körpereigene Reaktion auf eine Infektion außer Kontrolle gerät und lebenswichtige Organe schädigt. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen auf eine erfolgreiche Genesung. Da sich eine Sepsis häufig sehr schnell entwickelt, ist das frühzeitige Erkennen entscheidend. Eine plötzlich starke Verschlechterung des Allgemeinzustands, eine schnelle Atmung oder Atemnot, Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderungen, Kreislaufprobleme und ein niedriger Blutdruck und eine ungewöhnlich hohe oder sehr niedrige Körpertemperatur sind Anzeichen, die man im Notfall richtig deuten und entsprechend Hilfe rufen sollte.

Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass nicht jede Sepsis gleich verläuft. Deshalb sollten auffällige Veränderungen des Gesundheitszustands immer ernst genommen und umgehend medizinisch abgeklärt werden. Wie wichtig eine gute und schnelle Behandlung ist, zeigt auch eine aktuelle Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen: Seit 2026 gibt es ein bundesweites Qualitätssicherungsverfahren, das die Versorgung von Menschen mit Sepsis gezielt untersucht und verbessert. Dabei wird beispielsweise geprüft, ob eine Sepsis frühzeitig erkannt wird und die notwendigen Untersuchungen und Behandlungen rechtzeitig erfolgen konnten. „Ziel des neuen Verfahrens ist es, die Behandlungsqualität kontinuierlich zu verbessern und die Überlebenschancen sowie die langfristigen Behandlungsergebnisse für Betroffene weiter zu erhöhen.“, sagt Martin Seipt, Leiter des Qualitäts- und Risikomanagements am Universitätsklinikum Dresden.

Am Uniklinikum Dresden hat die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Sepsisfällen einen hohen Stellenwert. Mitarbeiter werden regelmäßig geschult und für mögliche Warnzeichen sensibilisiert. Klare Abläufe, praktische Hilfsmittel und regelmäßige Fortbildungen unterstützen dabei, bei einem Sepsisverdacht schnell und sicher zu handeln. Martin Seipt ergänzt dazu: „Dabei arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen. Ärztlicher Dienst und Pflege stehen ebenso im kontinuierlichen Austausch wie die Fachbereiche Infektiologie und Hygiene. Gemeinsam mit weiteren an der Patientenversorgung beteiligten Teams werden Behandlungsabläufe regelmäßig überprüft und weiterentwickelt.“.

Michael Kecke ist einer der 230.000 Menschen, die in Deutschland an einer Sepsis erkranken. Für ihn begann der Kampf gegen die Sepsis mit einem emotionalen und physischen Ausnahmezustand auf der Intensivstation. Während des wochenlangen Komas erlebte er eine Flut aus verwirrenden, beängstigenden Träumen und Delirien, die sich für ihn untrennbar mit der Realität verwoben. „Ich wusste ganz genau, dass mit mir etwas nicht stimmt und dass ich auf der Intensivstation liege, obwohl ich sie nie im bewussten Zustand gesehen habe“, erinnert er sich. Das Erwachen brachte die harte Realität: mit schwerem Fieber, unfähig zu sprechen und ohne die Kraft, auch nur eigenständig in einer Kissenkonstruktion zu sitzen, war er völlig auf Hilfe angewiesen. 

Besonders die Beatmungsentwöhnung und die ersten Sprechversuche forderten ihn psychisch wie physisch bis an die Belastungsgrenze. Dennoch verlor er nie den Mut und konnte sich in der anschließenden Reha Schritt für Schritt zurückkämpfen. „Mir war bewusst, dass eine Reha kein Wellnessurlaub ist und es einzig und allein an meinem eigenen Willen liegt, ob ich am Ende im Rollstuhl sitze oder wieder normal laufen kann“, betont Kecke. Heute ist er wieder vollständig selbstständig, geht dreimal täglich mit seinen Hunden spazieren und rät anderen Sepsis-Patienten: „Immer positiv denken, Rückschläge akzeptieren und sofort ehrgeizig an seinen Zielen arbeiten, sobald die Intensivstation überwunden ist.“ Rückblickend ist er sehr dankbar, dass die Pflegekräfte und Ärzte mit ihm gemeinsam um sein Leben gekämpft haben.

Für Angehörige und Familien ist eine Sepsis-Erkrankung eine nicht weniger fordernde Zeit, wie auch Silvia Tielck, die Partnerin von Michael Kecke, zu berichten weiß. „Es ist eine immense psychische Belastung und ein ständiges Wechselbad der Gefühle“, sagt sie. Während der Zeit auf der Intensivstation verbrachte sie täglich bis zu fünf Stunden am Intensivbett und funktionierte oft nur noch durch die Hoffnung, dass es ihm endlich besser geht. „Selbst wenn die Ärzte angesichts der Symptome und des kritischen Zustands manchmal ratlos waren, so haben sie nie aufgegeben und waren immer auch für mich da. Sie haben Fragen beantwortet, erklärt und mir Mut gemacht und dafür bin ich sehr dankbar“, blickt Silvia Tielck auf diese Zeit zurück. Auch der spätere Genesungsweg verlangte ihr extreme Geduld ab: „Ich musste schmerzlich lernen, dass auf jeden kleinen Fortschritt oft wieder ein Rückschritt folgte. Es ging immer zwei Schritte vor und einen zurück“, beschreibt sie die emotionale Erschöpfung. Kraft gaben ihr in dieser Zeit die Unterstützung ihrer eigenen Mutter, der unbedingte Lebenswille ihres Partners sowie die Empathie des Klinik- und Intensivteams. Heute möchte sie anderen Betroffenen vor allem eines mit auf den Weg geben: „Auch wenn der Weg unglaublich lang erscheint - gebt die Hoffnung nicht zu früh auf!“

Diese Einblicke machen deutlich: Eine überstandene Sepsis ist oft nicht das Ende eines Krankheitsverlaufs, sondern der Beginn eines langen Genesungsprozesses. Das Comprehensive Sepsis Center ermöglicht eine kürzere und effizientere Therapie von Sepsis-Patienten. Mit diesem arbeiten das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und die Klinik Bavaria Kreischa bereits seit 2018 an einer sektorenübergreifenden Versorgung von Patienten mit schwerer Sepsis. Die regelmäßige Auswertung der Versorgung zeigt positive Entwicklungen bei der Überlebensrate und der Lebensqualität der behandelten Patienten. Das Comprehensive Sepsis Center steht für eine koordinierte und unterstützte Patientenversorgung sowie den engen Austausch zwischen Intensivmedizin, Rehabilitation und hausärztlicher Versorgung. Ziel ist es, die Behandlung nicht mit der Akutversorgung im Krankenhaus enden zu lassen, sondern die Patienten auch bei der Genesung zu begleiten. 

„Mit dem Comprehensive Sepsis Center haben wir ein übergreifendes Zentrum für wissenschaftliche und medizinische Kompetenz etabliert, auf deren Grundlage sich die Krankenversorgung auch regional verbessern lässt. Durch Kooperationen mit Krankenhäusern der Region haben wir in den vergangenen Jahren die Grundversorgung in der Fläche kontinuierlich optimiert und vielen Betroffenen mit einer Sepsis helfen können“, sagt Prof. Thea Koch, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Dresden. Weitergehende Informationen: 
www.ukdd.de/qrm