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Letzte Aktualisierung: 16.08.2022

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Sebastian Baden beginnt als neuer Direktor der Schirn

von Ilse Romahn

(01.07.2022) Die Schirn Kunsthalle Frankfurt hat einen neuen Direktor. Am Freitag, 1. Juli, tritt Sebastian Baden seine Tätigkeit als Geschäftsführer der renommierten Frankfurter Institution an. Mit dem Kunsthistoriker, Kurator und Kunstvermittler erhält die Kunsthalle auf Initiative der Stadt Frankfurt wieder eine eigene Leitung. Sebastian Baden übernimmt die Nachfolge von Philipp Demandt.

Sebastian Baden
Foto: Alexander Paul Englert
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Kulturdezernentin Ina Hartwig begrüßt den neuen Direktor der Schirn so: „Ich freue mich sehr, dass wir Sebastian Baden als neuen Direktor der Schirn gewinnen konnten. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt ist eines der international führenden Ausstellungshäuser – mit einem klaren und unverwechselbaren Profil. Ihrem heutigen Renommee entsprechend war es an der Zeit, die Schirn wieder mit einer eigenständigen Leitung auszustatten und zu stärken. Dies ist, gerade in diesen Zeiten, ein klares Bekenntnis der Stadt Frankfurt zu ihrer Kunsthalle. Mit seiner ausgewiesenen Expertise als Kunsthistoriker, Ausstellungsmacher und Kunstvermittler wird Sebastian Baden das ambitionierte und wegweisende Programm des Hauses weiterentwickeln und in die Zukunft führen.“
 
„Die Schirn Kunsthalle Frankfurt steht für diskursive und wegweisende Ausstellungen zur Kunst der Moderne und der Gegenwart, die die Menschen begeistern. Für fortschrittliche Vermittlungsarbeit und für ein engagiertes und überaus qualifiziertes Team. Hier, im Herzen von Frankfurt, werden Maßstäbe für das internationale Ausstellungswesen und für die lebendige Auseinandersetzung mit Kunst und Gesellschaft gesetzt. Die Leitung der Schirn zu übernehmen und weiter gestalten zu können, ist eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit und danke dem Magistrat der Stadt Frankfurt für das Vertrauen“, sagt der neue Direktor.
 
Baden, geboren 1980, war seit 2016 Kurator für zeitgenössische Kunst, Skulptur und Neue Medien an der Kunsthalle Mannheim. Zuvor lehrte er von 2010 bis 2016 Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er promovierte 2014 über „Das Image des Terrorismus im Kunstsystem“ (edition metzel, 2017). Die Ideen und Konzepte seiner kuratorischen Arbeit entwickelt Baden vor dem Hintergrund seiner langjährigen und vielfältigen Erfahrung als Kunsthistoriker, Kunstvermittler und Künstler. Er studierte zunächst Kunsterziehung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und Literaturwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie sowie Freie Kunst an der Hochschule der Künste Bern. Direkt nach dem Studium gründete er zusammen mit seinem Bruder Lukas Baden die Galerie „Ferenbalm-Gurbrü Station“ in Karlsruhe mit zahlreichen internationalen Kooperationen zwischen 2006 und 2011. Zu seinen kunstwissenschaftlichen Schwerpunkten zählen Themen wie die Geschichte der Kunstausstellung, Kunst- und Institutionskritik sowie politische Ikonografie und Biodesign. Für seinen Beitrag über die „Documenta“-Kunstkritik wurde ihm 2013 der AICA International Incentive Prize for Young Art Critics verliehen.
 
Seine Arbeit ist geprägt durch Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit aktuellen Fragen der Gesellschaft, der Umwelt und Ökonomie beschäftigen. Dabei setzt er auf transdisziplinäre Projekte, Partnerschaften mit Hochschulen und freien Initiativen sowie auf die Präsentation neuer Medienformate. An der Kunsthalle Mannheim kuratierte er Einzelausstellungen von John Bock, Sofia Duchovny, William Engelen, Christian Falsnaes, Wolfgang Ganter, Johanna Hullar, Mwangi Hutter, Hiwa K, Anselm Kiefer, Zipora Rafaelov, Anike Joyce Sadiq, Gustav Seitz, Marinella Senatore sowie die Eröffnungsausstellung des Neubaus mit Werken von Jeff Wall. An Gruppen- und Sonderausstellungen verantwortete er die externe Wanderausstellung „On the Move“ (2017) während des Baus der neuen Kunsthalle sowie den zeitgenössischen Teil von „Konstruktion der Welt – Kunst und Ökonomie 1919–1939 / 2008–2018“ (2018) mit Werken internationaler Künstlerinnen, Künstler und Kollektive zur Entwicklung des Kapitalismus im 20. und 21. Jahrhundert.
 
Die von Baden kuratierte Ausstellung „MINDBOMBS – Visuelle Kulturen politischer Gewalt“ (2021/2022) über die Bildgeschichte des Terrorismus ging von wichtigen Werken der Mannheimer Sammlung aus und zeigte, wie zeitgenössische Kunst als kritisches Medium der Aufklärung hinter die Konstruktion von Feindbildern und Propaganda blickt.

Baden folgt auf Demandt, der die Leitung der Schirn sowie von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung zum 1. Oktober 2016 von Max Hollein übernommen hatte. Demandt bleibt Direktor von Städel und Liebieghaus. (ffm)