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Letzte Aktualisierung: 21.05.2024

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Schwangerschaft mit Diabetes mellitus

Diabeteskongress: Wie hoch sind die Risiken?

von Norbert Dörholt

(10.05.2024) Viele Frauen mit Kinderwunsch und einer chronischen Erkrankung wie Diabetes mellitus haben trotz moderner Therapien Zweifel, ob sie schwanger werden und ihr Kind gesund zur Welt bringen können. Bei stabilen Glukosewerten und regelmäßigen ärztlichen Kontrollterminen steht einem unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf in der Regel jedoch nichts im Wege.

Darüber berichteten zwei mit Diabetes Typ 1 beziehungsweise Typ 2 lebende Mütter im Symposium „Schwangerschaft aus verschiedenen Blickwinkeln“, das am Mittwoch unter dem gemeinsamen Vorsitz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe in Berlin stattfand. Die „Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft“ der DDG richtet weitere Symposien aus, in denen Ärzte unter anderem über aktuelle Themen wie die Qualitätssicherung bei der Betreuung von Schwangeren sowie über Gestationsdiabetes diskutieren.

In früheren Jahrzehnten wurde Frauen mit Typ-1-Diabetes von einer Schwangerschaft abgeraten. Heute steht ihnen in der Regel bei einem Kinderwunsch dank moderner Insulintherapien und Glukosemesssysteme nichts mehr im Weg – eigentlich. Denn es gibt Gynäkologen, die dies aus Unsicherheit bei der Betreuung von Schwangerschaften bei Frauen mit der Stoffwechselerkrankung immer noch kritisch sehen.

So ging es auch Kathi Korn (auf Instagram zu finden unter: @diabeteswelt_lipaktiv). Sie lebt seit 2012 mit Diabetes Typ 1 und weiteren chronischen Erkrankungen. „Meine erste Schwangerschaft war ungeplant, da mein Ärzteteam und ich nicht damit gerechnet hatten, zu diesem Zeitpunkt überhaupt schwanger werden zu können. Inzwischen habe ich drei Kinder. Meine besten Glukosewerte hatte ich übrigens während meiner Schwangerschaften.“

Kim Stoppert (auf Instagram zu finden unter: @kimsibimsi) erkrankte mit Anfang 30 an Diabetes Typ 2. Sie hat zwei Kinder bekommen und musste während der Schwangerschaften Insulin spritzen. „Aufgrund mehrerer Umzüge wurde ich von verschiedenen Gynäkologenteams betreut. Teils zweifelten sie an, dass ich Typ-2-Diabetes habe, weil ich noch so jung bin und in diesen Phasen eine Insulintherapie brauchte. Das könne doch gar nicht sein, das sei wohl eine Fehldiagnose.“ Die beiden Frauen berichteten im Symposium „Schwangerschaft aus verschiedenen Blickwinkeln“ am Mittwoch, 8. Mai, über ihre positiven und negativen Erfahrungen und was ihnen aus der Sicht als Patientin wichtig ist.

„Wie wir die Qualitätssicherung bei der Betreuung von Schwangeren verbessern und die Kommunikation zwischen den die Schwangeren betreuenden Disziplinen fördern können, ist ein Schwerpunkt unseres Symposiums ‚Praxisdialog Diabetes und Schwangerschaft‘“, sagte Dr. med Heinke Adamczewski, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Schwangerschaft“ der DDG und niedergelassene Diabetologin aus Köln. Denn die Zahl Schwangerer mit Typ-1-Diabetes, aber auch einem bereits bestehenden Typ-2-Diabetes nehme zu. Gründe hierfür seien unter anderem ein in der Bevölkerung durchschnittlich gestiegener Body-Mass-Index (BMI) sowie auch das im Mittel höhere Lebensalter schwangerer Frauen.

Um „Hot Topics“ wie den Gestationsdiabetes (GDM) ging es in einem weiteren Symposium sowie bei einem Posterwalk: Er gilt als häufigste Komplikation bei bislang stoffwechselgesunden Schwangeren: „Mindestens 65.000 Frauen erkranken jährlich daran. GDM bereitet keine Beschwerden und wird daher häufig nur im in den Mutterschaftsrichtlinien verankerten Screening erkannt“, erklärte Heinke Adamczewski. Unerkannt und somit unbehandelt führe GDM häufiger zu Geburtsproblemen als bei nicht betroffenen Müttern. Für die Hälfte der Schwangeren mit GDM bestehe das Risiko, innerhalb von zehn Jahren nach der Entbindung einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln.