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Letzte Aktualisierung: 12.08.2022

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Schutz für bedrohte Schmetterlinge

Kreis untersucht Bestände des Ameisenbläulings

von Adolf Albus

(03.08.2022) Der Main-Taunus-Kreis setzt sich gezielt für den Schutz zweier seltener Schmetterlingsarten ein. Wie Erste Kreisbeigeordnete Madlen Overdick mitteilt, untersucht ein Gutachter im Auftrag des Kreises die Bestände des Hellen und Dunklen Ameisenbläulings.

Erste Kreisbeigeordneter Madlen Overdick und Gutachter Matthias Fehlow mit Blüten des Großen Wiesenknopfes und einem Dunklen Ameisenbläuling im Süßen Gründchen Bad Soden
Foto: Matthias Fehlow
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Daraus würden Maßnahmen zum Naturschutz abgeleitet, unter anderem durch Ausweisung von Schutzgebieten. „Wir leisten damit einen Beitrag zum Schutz heimischer Arten“, fasst Overdick zusammen.

Der Helle Ameisenbläuling sei im Kreis vom Aussterben bedroht, andernorts sei er schon verschwunden. DeAngaben zufolge wurden im vergangenen Jahr nur noch zwei Exemplare des Hellen Ameisenbläulings belegt, aktuell sehe es etwas besser aus. Der Dunkle Ameisenbläuling kam 2021 mit 200 Exemplaren vor, damit war die Zahl nach den Worten der Umweltdezernentin dramatisch eingebrochen. Die Zahlen der Schmetterlinge würden nach bestimmten Standards ermittelt. Sie gäben nicht verlässlich die exakte Größe, aber doch die Größenordnung an.

Die Schmetterlinge fliegen zwischen Anfang Juli und Anfang August, daher untersucht aktuell der Gutachter Matthias Fehlow die beiden Arten. Experten vermuten, dass der Rückgang der Bläulinge mit dem Klimawandel zusammenhängt: Die Schmetterlinge seien auf zwei Wirtsameisen angewiesen, die offenbar mit den trockenen, warmen Sommern nicht zurechtkommen und deren Bestände ebenfalls unter den Klimaveränderungen leiden. Zudem wächst in den trockenen Jahren die Futterpflanze Großer Wiesenknopf nach der ersten Mahd nicht schnell genug nach, so dass zur Flugzeit der Schmetterlinge die Pflanzen für die Eiablage fehlen.

Seit mittlerweile 25 Jahren lässt der MTK die europaweit bedrohten Schmetterlinge untersuchen. Dadurch konnten viele der Vorkommen erhalten werden, erläutert Overdick. Beispielsweise werden Landwirte finanziell dafür entschädigt, dass sie die Wiesen nicht düngen und bestimmte schmetterlingsfreundliche Mahdtermine einhalten. Dadurch könnten die Bläulings-Bestände stabilisiert, zeitweise sogar deutlich vergrößert werden. Das „Sauerbornsbachtal bei Schwalbach“ und die „Wiesen im Süßen Gründchen bei Neuenhain“ seien als Schutzgebiete für die Ameisenbläulinge ausgewiesen, die speziell für diese Arten bewirtschaftet werden. In Neuenhain engagiere sich der Naturschutzbund (NABU) Bad Soden stark für die Pflege der Arten. Auch der Landwirt und die Kommune zögen bei den Schutzbemühungen mit.

Zu früheren Zeiten wurde die Anzahl der Schmetterlinge im Main-Taunus-Kreis beim Dunklen Ameisenbläuling auf mehr als 3000 Individuen in etwa 20 Gebieten geschätzt, vom selteneren Hellen Ameisenbläuling auf 350 Individuen in fünf Gebieten. Inzwischen seien die Zahlen gegenüber 2018 auf einen Bestand von 5 bis 10 Prozent geschrumpft.

Um die Schmetterlinge zu erhalten, ist nach Angaben von Overdick die richtige Pflege ihrer Lebensräume wichtig, das seien artenreiche Wiesen. Die erwachsenen Schmetterlinge saugen an Blüten des Großen Wiesenknopfes und legen dort auch nach der Paarung ihre Eier ab. Nach dem Schlüpfen leben die Raupen einige Zeit an den Blüten, wandern aber anschließend zum Erdboden. Dort werden sie von bestimmten Ameisenarten in deren Nester transportiert. Anschließend werden sie von den Ameisen gefüttert oder ernähren sich als Parasiten von der Ameisenbrut. Die Raupen überwintern in den Ameisenbauen und verpuppen sich nahe der Bodenoberfläche im oberen Teil der Nester. Ab Ende Juni schlüpfen die Schmetterlinge, verlassen die Ameisennester und paaren sich im Bereich der Wiesenknopfpflanzen. Damit beginnt der jährliche Zyklus von Neuem. „Die Lebensweise dieser Schmetterlingsarten ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie alles in der Natur miteinander zusammenhängt“, so die Umweltdezernentin. „Unsere Wertschätzung für die heimische Natur zeigt sich gerade im Schutz solch kleinerer Arten.“