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Letzte Aktualisierung: 09.04.2021

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Schuh- und Lederwarenindustrie mit Umsatzrückgängen 2020

Dank Kurzarbeit halten sich negative Auswirkungen auf

von Karl-Heinz Stier

(30.03.2021) Der Umsatz der deutschen Schuhindustrie ist im Jahr 2020 aufgrund der Beschränkungen in der Corona-Krise stark gesunken. Der Rückgang auf 2,8 Mrd. Euro entspricht einem Minus von 8,4 Prozent. Bei den modischen Schuhherstellern gab es einen nie dagewesen Umsatzeinbruch von über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dank des Kurzarbeitergeldes hat sich die Pandemie auf die Beschäftigung noch nicht so stark ausgewirkt. Die Zahl der in Deutschland Beschäftigten ging um 3,1 Prozent auf 15.500 zurück.

Bei den deutschen Lederwaren- und Kofferherstellern sind die Umsätze in 2020 im Vergleich zu 2019 eingebrochen - durch die Schließungen des stationären Fachhandels, aber auch durch den Einbruch der Reiseaktivitäten. Rund die Hälfte der Schuh-, Lederwaren- und Modegeschäften wird die Krise nach Angaben des Handels nicht überstehen mit dramatischen Folgen für die Hersteller. Wer keine Mode im Laden mehr verkaufen darf, bestellt auch keine neue, was für die Hersteller bereits jetzt Folgen bis weit ins nächste Jahr hat. Außerdem tragen oftmals allein die Hersteller das Absatzrisiko. Dennoch schließe die Bundesregierung die heimischen Hersteller von den Überbrückungshilfen bei Saisonware und der steuerlichen Begünstigung von Kleider- und Schuhspenden aus. „Wir fordern die Bundesregierung auf, angesichts der beschlossenen Lockdown-Verlängerung bis 18. April die Schuh-, Lederwaren- und Modehersteller bei den Überbrückungshilfen III dem Einzelhandel gleichzustellen“, so Carl-August Seibel, Vorsitzender der deutschen Schuh – und Lederwarenindustrie.

Coronakrise
Es sei mittlerweile für alle Teile der Gesellschaft offensichtlich geworden, dass die staatliche Impfkampagne zu bürokratisch, zu komplex und vor allem zu langsam ist, um der weltweiten Gesundheitskrise effektiv Einhalt zu gebieten. Die deutsche Schuh- und Lederwarenindustrie - durch die Schließung der stationären Fachgeschäfte und durch die Bewegungseinschränkungen der Verbraucher massiv belastet - fordert, dass diese Krise endlich mit effizienteren Mitteln bekämpft wird. „Da die Rückkehr zu einem halbwegs normalen Leben nach aktuellem Wissensstand nur über eine weitgehende Immunität der Bevölkerung erreicht werden kann, fordern wir eine Impf-Kampagne, die diesen Namen wirklich verdient und der höchste politische Priorität eingeräumt wird“, so Seibel weiter.

Digitalisierung
Der Trend zur Digitalisierung nimmt durch die Pandemie im stationären Handel weiter Fahrt auf. Schuh- und Lederwarenindustrie und Einkaufsverbände des Handels haben die Krise genutzt, um Lösungen zu entwickeln, die im digitalen Wettbewerb erforderlich sind. Kunden werden bald mit dem Smartphone bei ihrem Fachgeschäft einen QR-Code scannen und auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten digital Einkäufe tätigen können. Diese neue Einkaufswelt für Verbraucher werde schon bald in den Städten erlebbar sein.

„Für uns ist es unverständlich, dass die Bundesregierung im Februar mitten in der Pandemie ein nationales Lieferkettengesetz beschlossen hat, das Unternehmen belastet und mit einem erheblichen Haftungsrisiko überzieht. Ab Sommer dieses Jahres erwartet uns noch ein europäisches Lieferkettengesetz. Der nationale CO2-Emissionshandel ist seit dem 01.01.2021 in Kraft und führt seitdem zu Energiekostenerhöhungen bei den Unternehmen um bis zu 20 Prozent“, betonte Vorsitzender Seibel.

Ausblick
Die deutsche Schuh- und Lederwarenindustrie erwartet nach drastischen Einbußen im vergangenen  Jahr auch für 2021 ein äußerst herausforderndes Jahr. Lockdown und fehlende internationale Planbarkeit machten die Geschäfte aus Sicht der Schuh- und Lederwarenhersteller schwer. „Die Lederwarenhersteller rechnet mit sinkenden Umsätzen und einer schlechteren Ertragslage in 2021 im Vergleich zum Vorjahr. Für die Hersteller im modischen Bereich ist allerdings schon jetzt klar, dass sie weitere zwölf Monate in dieser Form nicht durchstehen würden“.