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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Schluss mit ‚Wirtschaft first‘ und ‚Kinder second‘

Stadtverordnete Luxen und Romic unterstützen die Initiative „Eltern in der Krise“

von Ilse Romahn

(27.05.2020) Die Stadtverordneten Kristina Luxen und Milkica Romic unterstützen die Forderungen der Elterninitiative „Eltern in der Krise“. Die beiden Bildungspolitikerinnen der SPD-Fraktion sind selbst Mütter und voll berufstätig.

Sie könne den Druck, der derzeit auf den Eltern laste, gut nachvollziehen, so Kristina Luxen. Es sei eine enorme Belastung, tagtäglich den Spagat zwischen Berufstätigkeit, Kindererziehung und Homeschooling machen zu müssen. Luxen und Romic stehen hinter den Forderungen der Eltern nach einer verlässlichen Öffnung der Kitas sowie mehr Unterrichtszeiten in den Schulen, wie sie die Initiative „Eltern in der Krise“ formuliert. Da die Hauptlast häufig allein von Müttern getragen werde, sehen sie zudem die Gefahr eines Rückfalls in alte Rollenstereotype. 

„Ich habe schon vor Wochen einen Brandbrief an das hessische Kultusministerium geschrieben. In diesem habe ich Probleme des Homeschoolings aufgeführt, die mir als Vorsitzende des Elternbeirats der Römerhofschule von der Elternschaft vorgetragen wurden“, berichtet Milkica Romic, integrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Römer. Luxen bestätigt, dass der reduzierte Präsenzunterricht die Gesamtsituation nicht wirklich verbessere: „Sechs Stunden Unterricht pro Woche in der 9. Klasse sind ein Witz. Es wird noch nicht einmal die zweite Fremdsprache als Hauptfach unterrichtet. Die Hauptlast bleibt nach wie vor an den Eltern im Homeschooling hängen, obwohl die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber inzwischen zunehmend fordern, dass die Eltern zurück an den Arbeitsplatz kommen“. Dennoch ändere sich nichts an der derzeitigen Prioritätensetzung: „Möbelhäuser machen verkaufsoffene Sonntage und Eltern sitzen um 5:30 Uhr am Schreibtisch. Diese Verschiebung der Prioritäten ist nicht hinnehmbar“, moniert Luxen. 

Für Kindergartenkinder solle es nach derzeitigem Stand sogar erst ab dem 2. Juni im eingeschränkten Regelbetrieb losgehen. Hier kritisieren die beiden Politikerinnen die Hängepartie des hessischen Sozialministers Kai Klose (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Dieser habe fast drei Wochen lang mit einem Konzept auf sich warten lassen, um dann die Verantwortung der zuständigen Landesregierung kurzfristig an die jeweiligen Kommunen abzugeben. „Die Eltern klagen seit Wochen ihr Leid, sie organisieren sich und stellen konkrete Forderungen. Wenn sie dann wie gestern Abend in den zuständigen Bildungsausschuss kommen, nimmt man sich nicht einmal die Zeit, mit ihnen zu diskutieren“, kritisieren Romic. Selbst die Stadtverordneten der eigenen Koalitionspartner hätten eine intensive Aussprache abgebrochen. „Wir müssen aufpassen, dass bei den Eltern nicht der Eindruck entsteht, sie würden nur alleingelassen und niemand nehme sie ernst“, erklärt Romic weiterführend. Den berechtigten Anliegen der Eltern lediglich eine unkritische Verteidigungshaltung beider Fraktionen gegenüber dem grünen Sozialminister entgegenzusetzen, sei kein angemessener Austausch mit den Betroffenen. 

Im Vordergrund stünde weder für die Grünen noch für die CDU die Schaffung von Perspektiven für die Eltern, sondern der verzweifelte Versuch, sich vor die Landesregierung und ihr fehlendes Konzept zu stellen. „In Mecklenburg-Vorpommern hat das Sozialministerium für alle Einrichtungen einen Plan vorgelegt. Dort gehen alle Kinder sechs Stunden pro Tag in die Kita. Begleitet wird dies von einer Expertenkommission. Diese Verantwortung müsse auch der Sozialminister in Hessen übernehmen“, appelliert Luxen. „Wir setzen nun auf das Konzept von Bildungsdezernentin Sylvia Weber, die im Ausschuss eine einheitliche Regelung in Absprache mit allen Trägern angekündigt und eine umfängliche Betreuung in Aussicht gestellt hat“, so Romic abschließend.