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Schließt die „Schöne Müllerin“ für immer?

Leidenschaft fürs Stöffche: Wirt mit Goldenem Apfel geehrt – Behördliche Auflagen kaum zu stemmen
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Vor der „Schönen Müllerin“ wurde das Erinnerungsfoto gemacht. Von links Peter Possmann, Kelterei Possmann, mit dem „Goldenen Apfel“ in der Hand Wirt Torsten Dornberger und Martin Heil (Vorsitzender des Verbandes), Kelterei Heil.
Foto: Ralph Delhees

Es gibt sie immer weniger die „kleine Kneipen in der Straße“, die Peter Alexander 1976 besang, die einen Ort der Gemeinschaft und der Heimat, einfach etwas lebenswertes symbolisierte. Die kleinen Kneipen, die in ihrem Viertel Anlaufpunkt zu freudigen und traurigen Anlässen sind und waren und der Wirt Seelsorger in allen Lebenslagen. Die Kneipen und hier ist es ein Apfelweinlokal „Zur schönen Müllerin“ sie wie auch der Inhaber Torsten Dornberger sind in die Jahre gekommen. Torsten Dornberger öffnet heute, 29. Februar, letztmalig seine Apfelweinwirtschaft, die er fast 45 Jahre im Nordend im Baumweg 12 bewirtschaftete. Für sein vielfältiges Engagement wurde Torsten Dornberger gestern von dem Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien e. V. den „Goldenen Apfel“ ausgezeichnet, damit erfolgte eine verdiente Würdigung des Verbandes für über 40 Jahre Apfelweinkultur.

Mit der Auszeichnung verleiht der Apfelweinverband seit 2007 für besondere Verdienste rund um Hessens Lieblingsobst. „Torsten Dornberger“ so Verbandsvorsitzender Martin Heil, „hat vier Jahrzehnte lang eines der ältesten Apfelweinlokale Frankfurts geführt. Allein diese enorm lange Zeitspanne beweist, wie leidenschaftlich er der Apfelweinkultur verbunden ist“, Martin Heil nahm gemeinsam mit Peter Possmann die Ehrung vor und überreichte in der Schönen Müllerin den Goldenen Apfel mit Urkunde an Torsten Dornberger.

„Mit dieser Auszeichnung habe ich gar nicht gerechnet“, sagt Dornberger. „Umso mehr freue ich mich, sie zu bekommen. Der Goldene Apfel ist in der hessischen ‚Apfel- und Apfelwein-Szene‘ ja sehr begehrt.“ Anders als sonst erhielt Dornberger die Auszeichnung nicht aufgrund einer Bewerbung oder eines Vorschlags von außen: Nachdem die Schließung des Lokals Ende Februar bekannt geworden war, war sich der Vorstand des Apfelweinverbandes einig, dass Dornberger am Ende seiner Karriere eine solche Würdigung verdient hätte.

Apfelweinwirtschaft ein Szenelokal mit besonderem Ambiente
„Torsten Dornberger hat die hessische Apfelwein-Tradition über mehrere Jahrzehnte für unzählige Frankfurterinnen und Frankfurter erlebbar gemacht“, erklärt Martin Heil. „Dabei hat er es verstanden, mit der Schönen Müllerin ein sehr gemischtes Publikum aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen anzuziehen und das gänzlich außerhalb des traditionellen Frankfurter Apfelweinviertels Sachsenhausen. So hat er unter anderem sein Lokal zu einem Treffpunkt für die queere Szene gemacht.“ Hierzu zählte der Charme des Lokals, welches eine Apfelweinwirtschaft ist, in der die Zeit stehen geblieben ist. Legendär sind die bunt gemischten Fastnachtsitzungen an den Fastnachtsdienstagen bei der Jung und Alt zusammenkamen.

Torsten Dornberger fuhr in jungen Jahren zur See, hatte im väterlichen Hotel in Fulda Koch gelernt, war mit einer Schlagerband als Musiker auf Tournee bis in die USA. Über sein Lokal hinaus hat sich Dornberger für Hessens Kulturgut Nummer eins stark gemacht: „Als gebürtiger Thüringer hat er die hessische Lebensart vollkommen verinnerlicht“, so Martin Heil. Der Frankfurter Fastnacht gehört ein Teil seines Lebens, so gehört er als Ehrensenat dem Großen Rat an, ist bei den Regebogensitzungen dabei, wie auch bei den Wirte-Sitzungen. Ganz besonders aber war, so Heil: „Die Schöne Müllerin war sein Leben und er hat sich sehr für die Interessen seiner Kolleginnen und Kollegen stark gemacht.“

Geht es weiter?
In Frankfurt sind die behördlichen Auflagen besonders für kleinere Gaststätten viel zu hoch, weshalb mittlerweile viele Systemgastronomie mit Fertigware eröffnen, so einstimmig Peter Possmann und Martin Heil. Durch das Verschwinden kleinerer Wirtschaften geht die Individualität verloren. Die Auflagen in älteren Gebäuden – die „Schöne Müllerin“ gibt es seit mehr als 200 Jahren im Baumweg, nachdem Krieg war in ihr auch einmal kurz eine Tanzschule untergebracht – sind teils für die Gastronomen finanziell kaum zu stemmen. „Mit Äppelwoi und bezahlbaren regionalen Gerichten“ sind die enormen behördlichen Auflagen finanzielle nicht zu schaffen“, so Dornberger, dabei spricht er von Kosten um die 150.000 Euro. Was bleibt ist für einen älteren Inhaber die Tür zu schließen.

Vielleicht gib es aber noch Hoffnung in den nächsten Tagen, so Torsten Dornberger, denn es gibt einige Bewerber, die bis zum Wochenende eine Entscheidung abgeben wollen. Wenn, dann bleibt die „kleine Apfelweinkneipe im Baumweg, allerdings bleibt sie – nur renoviert – so wie man sie kennt und auch Torsten Dornberger hat zugesagt, dass er noch einige Zeit dann mithelfen wolle.

Was bedeutet der „Goldene Apfel“
War der goldene Apfel früher als goldener Reichsapfel ein Zeichen der Macht, ist er heute ein Zeichen hoher Anerkennung: Seit 2007 verleiht der Apfelweinverband den Goldenen Apfel für besondere Verdienste rund um den Apfel – sei es beim Apfelwein oder Apfelsaft, beim Schutz der hessischen Streuobstwiese oder bei der Förderung der hessischen Apfelweinkultur. Regelmäßig zeichnen die hessischen Verbandskeltereien Einzelpersonen oder Personengruppen – Firmen, Vereine, Schulklassen – mit diesem königlichen Attribut aus und erheben sie damit in den „Apfel-Adelsstand“.