Schauspiel Frankfurt zu Gast bei den Hessischen Theatertagen
enn sich im Juni die hessische Theaterlandschaft in Wiesbaden versammelt, wird auch das Schauspiel Frankfurt Teil des künstlerischen Austauschs sein. Mit der Inszenierung„Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser reist das Ensemble an den Rhein – eine Einladung, aktuelle Theaterpositionen im Dialog zu erleben und gesellschaftliche Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu verhandeln.
Die Hessischen Theatertage finden in diesem Jahr vom 17. bis 27. Juni 2026 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden statt. Zehn Tage lang präsentiert das Festival eine Auswahl aktueller Produktionen aus ganz Hessen und versteht sich als Plattform für Begegnung und Diskussion. Neben den Gastspielen etablierter Bühnen werden auch sechs Arbeiten von Studierenden der Hessischen Theaterakademie gezeigt, die als Netzwerk der Theaterausbildung in der Region junge künstlerische Stimmen fördert.
Ergänzt wird das Programm durch Beiträge der freien Szene: Das MADE.Festival ist als „Festival im Festival“ Teil der Theatertage und bringt zusätzliche Produktionen nach Wiesbaden. Damit bildet das Festival die Vielfalt der hessischen Theaterlandschaft ab – von institutionellen Häusern bis hin zu unabhängigen Projekten.
Vor diesem Hintergrund fügt sich auch die Frankfurter Produktion in ein Programm ein, das aktuelle gesellschaftliche Diskurse aufgreift. Die Inszenierung von Theresia Walsers Stück feierte erst Ende April in den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt Premiere, einem der zentralen Spielorte des Hauses für zeitgenössische Dramatik. Regie führt Ella Haid-Schmallenberg, die seit der Spielzeit 2023/24 am Schauspiel Frankfurt arbeitet und sich mit ihren Arbeiten zwischen Schauspiel und Musiktheater bewegt.
Walsers Stück selbst ist eine bitterböse Komödie mit politischer Schärfe. Im Zentrum stehen drei ehemalige First Ladies autoritärer Regime, die sich anlässlich einer geplanten Verfilmung ihres Lebens zu einer Pressekonferenz treffen. Was zunächst wie ein medienwirksamer Termin erscheint, entwickelt sich rasch zu einem grotesken Schlagabtausch um Deutungshoheit, Erinnerung und Selbstinszenierung. Zwischen sprachlichen Missverständnissen, vermittelt durch einen zunehmend überforderten Dolmetscher, entsteht ein „Wettstreit des Monströsen“, der die blinden Flecken politischer Macht und persönlicher Verantwortung sichtbar macht.
Die Frankfurter Inszenierung setzt dabei auf Tempo, Witz und präzise Dialogführung. Kritiken heben insbesondere die Spielfreude des Ensembles hervor sowie den bewussten Verzicht auf psychologische Vertiefung zugunsten einer scharf konturierten, satirischen Überzeichnung. Gerade in der Leichtigkeit der Darstellung wird der Ernst der Thematik sichtbar: die Unbelehrbarkeit der Figuren und ihr Festhalten an einer verzerrten Erinnerung an Macht und Bedeutung.
Mit diesem Zugriff fügt sich die Produktion nahtlos in den Anspruch der Hessischen Theatertage ein, aktuelle gesellschaftliche Fragen abzubilden. Die eingeladenen Stücke setzen sich mit politischen, sozialen und kulturellen Themen auseinander und machen das Festival zu einem Ort, an dem Theater nicht nur präsentiert, sondern auch diskutiert wird.
Für das Schauspiel Frankfurt bedeutet die Einladung nach Wiesbaden zugleich eine Bestätigung seiner Rolle als bedeutende Bühne der Region. Das Haus versteht sich seit Jahren als Ort des Dialogs, an dem künstlerische Positionen in Austausch mit Publikum und Stadtgesellschaft treten. Dass eine so junge Produktion bereits kurz nach ihrer Premiere überregional gezeigt wird, unterstreicht die Strahlkraft der Inszenierung.
Die Aufführung in Wiesbaden ist für den 19. Juni 2026 angesetzt. Zuvor ist das Stück noch mehrfach in Frankfurt zu sehen: am 17. Mai sowie am 6., 15. und 25. Juni. So bietet sich dem Publikum gleich mehrfach Gelegenheit, die Frankfurter Perspektive auf Macht, Rolle und Selbstbild auf der Bühne kennenzulernen – bevor sie im Rahmen der Theatertage in einen größeren Kontext gestellt wird.
Am Ende steht damit nicht nur ein Gastspiel, sondern ein Beitrag zu einem übergeordneten künstlerischen Dialog: ein Theater, das sich selbst hinterfragt und zugleich in den Austausch mit anderen tritt. Genau darin liegt die besondere Stärke der Hessischen Theatertage – als Ort der Begegnung, der Reibung und der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Gegenwart.
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