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Letzte Aktualisierung: 09.04.2021

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Samson verlässt Frankfurt Richtung Offenbach

von Ilse Romahn

(31.03.2021) Der Frankfurter Magistrat bedauert die Entscheidung der SAMSON AG, auf der „grünen Wiese“ in Offenbach einen Fabrikneubau errichten zu wollen.

Zuvor hat es seit August 2020 zahlreiche Gespräche und Videokonferenzen zwischen Dr. Andreas Widl und Dr. Dominic Deller von Samson AG mit zahlreichen Magistratsvertretern in unterschiedlicher Zusammensetzung gegeben. Als die Erweiterungspläne von Samson AG im Sommer letzten Jahres erstmals auf den Tisch des Frankfurter Magistrats kamen, sondierten Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, Gesundheitsdezernent Stefan Majer, Planungsdezernent Mike Josef, Liegenschaftsdezernent Jan Schneider und Wirtschaftsdezernent Markus Frank, Verkehrsdezernent Klaus Oesterling sowie Mainova-Vorstandsvorsitzender Constantin Alsheimer und FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler die Realisierungsmöglichkeiten der Samson-Pläne.

Bei der Komplexität der angefragten Grundstückstausche war es für alle Beteiligten erstaunlich, dass die Wünsche von Samson tatsächlich realisiert hätten werden können. Folgende Schritte waren zu prüfen und wurden seitens der Beteiligten für machbar eingestuft:
Erwerb von Grundstücken der Mainova AG durch die Samson AG; Erwerb von Grundstücken der Stadt Frankfurt am Main durch die Samson AG; Verlagerung der RMB Rhein-Main Biokompost GmbH in zwei Schritten; Verlagerung der Drogenhilfseinrichtung „Eastside“ in der Schielestraße; Verlagerung der Lagerflächen des Großen Rats der Karnevalvereine; Verlagerung der Lagerflächen des Abenteuerspielplatzes Riederwald; Entwidmung der Peter-Behrens-Straße; Verlagerung eines Containerstandplatzes der FES GmbH.

Und doch zeichnete sich im Laufe der diversen Gespräche ab, dass auch nachdem die Samson AG ihre Standortpläne am Standort Frankfurt am Main variierte, was eigentlich zu einer schnelleren Realisierbarkeit der Erweiterungspläne geführt hätte, dass wichtige Teile des Unternehmens am Ende doch nach Offenbach ziehen werden.

Über den Verlust des Traditionsunternehmens in Frankfurt am Main zeigten sich die Stadträte Josef, Majer und Frank im Hinblick auf ihr Engagement sehr traurig. „Dass wir die Samson AG langfristig in Frankfurt am Main nicht halten können, trifft uns hart. Samsonist ein industrielles Vorzeigeunternehmen, das jedes Einzelteil im Produktionsverlauf noch selbst herstellt. Mit 2000 Arbeitsplätzen in Frankfurt am Main und 145 Ausbildungsplätzen schmerzt der Wegzug auch aus arbeitsmarktpolitischen Gründen sehr.“

Die Stadträte finden für die Zusammenarbeit im Magistrat anerkennende und dankbare Worte. „Über alle Parteigrenzen hinaus stand das Thema Standortsicherung Samson AG mit hoher Priorität auf der Agenda. Innerhalb des Magistrats herrschte großes Vertrauen und Loyalität, was angesichts der häufig wechselnden Pläne des Unternehmens eine große Herausforderung war.“

Das Unternehmen genieße eine hohe Strahlkraft und so hätten sich alle Beteiligten konstruktiv zusammengefunden, um das Unternehmen am Standort zu halten und dezernatseigene Belange zurückgestellt. Liegenschaftsdezernent Jan Schneider zeigte sofortige Bereitschaft, für die freizuräumenden Nutzungen Ersatzflächen zu beschaffen; Verkehrsdezernent Klaus Oesterling war sofort bereit, den teilweisen Rückbau der Peter-Behrens-Straße zu betreiben.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig: „Wir haben uns alle sehr angestrengt, die Wünsche der Samson AG zu erfüllen. Die Pläne, das Biokompostwerk zu verlegen, waren schon weit vorangeschritten. Die FES war ein aktiver Partner für die Samson AG. Das ist vor dem Hintergrund, dass das Kompostwerk selbst gerade die Genehmigung für seine Erweiterung vom Regierungspräsidenten bekommen hat und bei einer Verlagerung wieder in ein neues Genehmigungsverfahren einsteigen müsste, keine Selbstverständlichkeit.“

Auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer hat sich pragmatisch und lösungsorientiert eingebracht. „Unsere Drogenhilfeeinrichtung Eastside ist eine langjährige Nachbarin von Samson, die sich am jetzigen Standort bewährt hat. Eine mögliche standortnahe Verlagerung der Einrichtung haben wir in Zusammenarbeit mit dem Träger, der Integrativen Drogenhilfe sehr sensibel und konstruktiv abgewogen. Das Ergebnis hätte für alle Beteiligten Lösungen und Möglichkeiten geboten.“ Im Hinblick auf den hohen Zeitdruck, den die Samson AG thematisierte, wurde das Standortsicherungskonzept in der unter Leitung des Oberbürgermeisters Peter Feldmann tagenden „Koalitionsrunde“ am 16. Februar 2021 beschlossen.

„Irgendwie ist es schon unwirklich, dass die Samson AG bei diesem hohen Entgegenkommen der Stadt Frankfurt am Main die Chance nicht genutzt hat, sich am angestammten Standort weiter entwickeln zu können“, resümieren die beiden Stadträte Josef und Frank für den Frankfurter Magistrat. Auch in Zukunft soll das Gebiet im Osthafen als Industriegebiet für produzierende Industrie erhalten bleiben. Dass das Rolf Sandvoss Innovation Center (RSIC) von Samson auf dem Gelände am Osthafen verbleibt, und der Umzug von Samson erst sukzessive in den nächsten Jahren erfolgen wird und das Unternehmen in der Region verbleibt, ist aktuell ein schwacher Trost.