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Letzte Aktualisierung: 29.05.2024

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Rund um Berlin-Classic auf den Spuren Theodor Fontanes

von Ilse Romahn

(02.05.2024) Das am südlichen Rand der Mecklenburgischen Seenplatte gelegene Städtchen Rheinsberg bildet in diesem Jahr das Zentrum der 19. Austragung der AvD Rund um Berlin-Classic. Die Frühlingsrallye für klassische Automobile im Nordosten Deutschlands führt ihre Teilnehmer an den beiden Fahrtagen 10. und 11. Mai 2024 auf die Spuren Theodor Fontanes.

AvD Klassik
Foto: AvD
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Dieser hatte Rheinsberg bereits in seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ erwähnt, später setzte Kurt Tucholsky dem Städtchen am Rhin mit seinem Buch „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ ein literarisches Denkmal.

Automobile Denkmäler verschiedenster Epochen werden indes bei der diesjährigen Auflage der AvD Rund um Berlin-Classic am Start sein. Unter den bereits eingegangenen Nennungen finden sich gleich zwei legendäre Klassiker aus der Vorkriegszeit. Der zwischen 1928 und 1930 lediglich 33-mal gebaute Mercedes-Benz SSK gilt in der Welt der Automobilisten als weißer Elefant. Nicht nur, weil er ähnlich selten ist und die Mehrzahl der SSK eine weiße Lackierung tragen. Der Auftritt des von einem 7,1 Liter großen Reihensechszylinder-Motor angetriebenen SSK wirkt mit seiner langen Motorhaube ähnlich gewaltig, wie der eines langnasigen Dickhäuters. Dank einer Kompressor-Aufladung (Roots) leistet der Motor zwischen 200 und 250 PS – genug um den gewaltigen Zweisitzer auf bis zu 185 km/h zu beschleunigen. Zu damaliger Zeit ein Fabelwert. Auch das zweite Highlight des diesjährigen Teilnehmerfelds verfügt über Wurzel im Rennsport. Die Konstruktion des Bentley 4 ½ Litre von 1936 basiert auf den legendären Blower-Bentley mit denen britische Gentleman-Racer zu Beginn der 1930er bei den europäischen Langstreckenrennen für Furore sorgten. Insgesamt verließen zwischen 1936 und 1937 nur 665 Fahrgestelle die Bentley-Produktion, von denen alle im Anschluss vom renommierten Karosserie-Hersteller Vanden Plas einen viersitzigen Aufbau erhielten. Allein ein Käufer ließ sein Fahrzeug von der Firma Corsica einkleiden.

Darüber hinaus werden auch zahlreiche Fahrzeuge aus der Nachkriegszeit mit Baujahren von den 1950er-Jahren bis in die 1990er-Jahre das Teilnehmerfeld der 19. AvD Rund um Berlin-Classic zu einem rollenden Museum machen. Wie beispielsweise jener Wartburg 353 WR 460 Rallye, mit dem Jürgen Hellmann 1985 die DDR-Rallyemeisterschaft gewann und der nicht nur Oldtimer-Freunde mit Ost-Vergangenheit begeistern dürfte.

Tag 1: Fontanestadt Neuruppin, Schlossbrauerei Dessow, Hafendorf Rheinsberg
Der diesjährige Rallye-Start erfolgt auf dem Schulplatz der Fontanestadt Neuruppin vor der Kulisse des alten Gymnasiums und eingerahmt von einem Ensemble historischer Gebäude. Anschließend führt die Rallyeroute die Teams über ruhige Landstraßen nach Dessow in die ehemalige Schlossbrauerei. Seit 2011 unterhält die Dessower Interessengemeinschaft e. V. dort ein Brauerei Museum, in dem neben der einstigen Betriebsschlosserei und der zum Trocknen der Braugerste verwendeten Darre auch eine denkmalgeschützte Dampfmaschine aus dem Jahr 1916 zu besichtigen ist. Im Anschluss verläuft die Strecke über Neustadt (Dosse) und Kyritz an der Knatter, entlang des Ufers des Salzsees über teils gepflasterte Straßen zur Kuckucksmühle, einer historischen Wassermühle, deren Wasserrad einst vom Flüsschen Prignitz angetrieben wurde. Nach der Durchfahrtkontrolle auf dem zentralen Marktplatz von Wittstock (Dosse) mit seinem klassischen Rathaus, werden die Rallye-Teilnehmer ihre Fahrzeuge in Richtung Rheinsberg lenken, wo sie im Hafendorf das Etappenziel des ersten Fahrtags erreichen.

Tag 2: Vorbei an den Schlössern Freyenstein, Meyenburg und Mirow zur Siegerehrung
Der Samstag erwartete das Rallye-Feld zeitig zum Re-Start im Hafendorf Rheinsberg zu einer ausgedehnten Runde durch die Prignitz-Region am südlichen Rand der Mecklenburger Seenplatte. Zunächst werden Teams mit der Sonne im Rücken das Dorf Luhme bei Zollstockaxel ansteuern. Mit einem Schlenker entlang des Rochowsees steuern die Teams den ehemaligen Flugplatz Alt Daber bei Wittstock an, bevor sie mit dem alten Schloss Freyenstein den ersten Herrschaftssitz des Tages erreichen. Anschließend bittet Rallyeleiter Hartmut Groehl zu einer speziellen Sonderprüfung auf dem Gelände der Meyenburger Möbel GmbH. Deren ehemaliger Geschäftsführer Dietmar Gornig ist es zu verdanken, dass die Rallye-Teams in den Park des Meyenburger Schlosses werden einfahren dürfen, um dort eine Durchfahrtskontrolle mit exklusivem Fotopunkt zu erreichen. So ganz uneigennützig dürfte Dietmar Gornig dabei nicht gehandelt haben, schließlich wird der Sieger der AvD-Histo-Monte 2016 selbst im Feld der Teilnehmer mitfahren – die Nennung liegt bereits vor. Zur Mittagszeit macht die Rallye Station in Plau am See. Dort, unmittelbar am Hafen, im Restaurant „Fischerhaus Plau am See“ wird sich der gesamte Rallye-Tross während der Mittagsrast mit frischem Räucherfisch stärken können.

Wieder hinter dem Lenkrad gilt es dann zunächst die Burg- und Wallanlagen von Plau zu passieren und die historische Hubbrücke zu überqueren, um vorbei am Gutshaus Walow schließlich Rechlin anzusteuern. Das hier ansässige Luftfahrttechnische Museum Rechlin zeigt an der Wiege der deutschen Luftfahrt die Entwicklung von den ersten Flugversuchen des Menschen bis ins Überschall-Zeitalter. Prädikat: sehenswert. Eine ganze besondere Verbindung haben die Rallye-Organisatoren zu Schloss Mirow, das auf dem Weg ins Rallye-Ziel für eine Durchfahrtskontrolle angesteuert werden wird. Dieses war einst die Sommerresidenz des Herzog-Geschlechts Mecklenburg-Strelitz, dessen heutiges Familienoberhaupt Borwin Herzog zu Mecklenburg als Ehrenpräsident des ausrichtenden Mecklenburgischen Automobil-Club im AvD e. V., amtiert. Am fortgerückten Nachmittag erreichen die Rallye-Teams dann das Rallye-Ziel im Hafendorf Rheinsberg.

Sensibler Gasfuß und Exaktheit wichtiger als Tempo
Zwar verfolgt auch die 19. Auflage der AvD Rund um Berlin-Classic ein touristisches Konzept, bei dem der Fokus auf genussvollem Fahren und nicht auf sportlicher Rasanz liegt. Die Herausforderung für die Teams liegt jedoch in der Genauigkeit, die gesetzten Zeitvorgaben möglichst exakt zu erreichen und die vorgegebene Durchschnittsgeschwindigkeit, die anhängig vom Fahrzeugalter zwischen 25 und 35 km/h beträgt, bestmöglich einzuhalten. Zudem werden die Teilnehmer während der einzelnen Etappen immer wieder zu Gleichmäßigkeitsprüfungen gebeten. Hier besteht die Aufgabe darin, eine definierte Fahrstrecke mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit zu absolvieren. Wer zu schnell oder zu langsam fährt, kassiert Strafpunkte in der Rallye-Wertung. Für die allermeisten Teilnehmer steht aber der soziale Aspekt im Vordergrund. Denn auch wenn jedes Team für sich dem Roadbook folgt, sind Bekanntschaften schnell gemacht, sobald das Auto hält. Denn das Erlebte bietet jede Menge Gesprächsstoff und gerade die Aufgeschlossenheit und Ungezwungenheit aller Beteiligten sorgt für den familiären Charme der AvD Rund um Berlin-Classic. Ob nun im teuren Sammlerstück oder im erschwinglichen Youngtimer unterwegs für die Teilnehmer zählen allein Freude und Begeisterung, die mit dem gemeinsamen Hobby einhergehen und nicht Herkunft, Alter oder Kontostand.

Für die vom Mecklenburgischen Automobil-Club im AvD e. V. veranstaltete Klassik-Rallye sind Young- und Oldtimer bis Baujahr 2003 zum Start zugelassen. So werden die teilnehmenden Fahrzeuge einen bunten Querschnitt durch die Geschichte des Automobils von dessen frühen Tagen bis zur Jahrtausendwende bieten. Für das Publikum entlang der Fahrstrecke wird somit auch die diesjährige Rallye zu einem „rollenden Museum“. Weitere Informationen zum Ablauf der 19. AvD Rund um Berlin-Classic sind online verfügbar.

AvD Automobilclub von Deutschland, Goldsteinstraße 237, Frankfurt