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Letzte Aktualisierung: 03.04.2020

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RSG Eddersheim stellt Reit- und Therapiebetrieb ein

Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus

von Adolf Albus

(23.03.2020) Die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus machen auch vor Vereinen nicht halt. Die Reitsportgruppe Eddersheim ergriff frühzeitig erste Maßnahmen und stellte den Reitschul- und Therapiebetrieb Mitte März vollständig ein. Das Betreten des Vereinsgeländes ist nur ausgewählten Ehrenamtlichen gestattet. Wie es für den gemeinnützigen Verein nun weitergeht, ist offen.

). Die 16 Vereinspferde genießen den Sonnenschein auf dem Paddock – für ihre Grundversorgung belaufen sich die Kosten für den Verein monatlich auf etwa 10.000 Euro
Foto: RSG Eddersheim
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Vor wenigen Wochen fand auf dem Vereinsgelände der RSG Eddersheim noch der beliebte Reiter-Flohmarkt statt. An vielen Ständen konnten kleine und große Pferdefreunde auf Schnäppchensuche gehen. Wenige Tage später schränkte der Verein erste Angebote ein, seit Mitte März sind alle Reitstunden, Voltigier-Trainings und Therapie-Einheiten abgesagt. Grund sind die Maßnahmen zur Einschränkung der Verbreitung des Coronavirus.

Den Verein stellt das vor eine ganz besondere Herausforderung: „Wir machen uns, wie viele Menschen, nicht nur Sorgen um die Gesundheit unserer Lieben und darum, wie es mit unseren Jobs weitergeht, sondern auch um unsere 16 Vereinspferde“, beschreibt Vereins-Vorsitzende Katrin Förster die Situation. Der Verein hat keine Angestellten, die Pferde werden normalerweise von den Reitschülern versorgt und bewegt. Diese Aufgabe übernimmt nun eine kleine Gruppen Ehrenamtlicher nach einem strengen Anwesenheitsplan.

In den zweistündigen Zeitfenstern befinden sich maximal drei Personen auf dem Vereinsgelände und in den beiden Reithallen. Die Ehrenamtlichen verteilen dafür ihre Besuche auf den Zeitraum zwischen 7 Uhr morgens und 21 Uhr abends – eine organisatorische Herausforderung neben Beruf und Familie. Die Sattelkammer wird nur einzeln betreten, das Reiterstübchen ist abgeschlossen. Vereinsmitglieder wurden gebeten, die Pferde nicht zu besuchen. Diese Informationen und weitere Regelungen und Hygiene-Tipps stehen auf den Aushängen, die auf dem ganzen Hof aushängen. Die Tore, die sonst immer für Besucher geöffnet sind, bleiben geschlossen.

Die Versorgung der vereinseigenen Pferde ist für die Ehrenamtlichen des Vereins allerdings nicht nur eine zeitliche Frage, sondern auch eine finanzielle. „Wenn eine Verwaltung die Bücherei sicherheitshalber schließt, müssen die Bücher nicht gefüttert werden. Wir haben ein Hobby gewählt, bei dem wir keinen Hand- oder Fußball für fünf Wochen oder gar fünf Monate in die Ecke legen können. Aber wie wird das Futter der Pferde bezahlt, wenn alle Reiter zuhause bleiben?“ fragt Daniela Herrmann, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Nach aktuellem Stand gilt die Schließung des Reit- und Therapiebetriebs bis mindestens 19. April. Die dringendsten und laufenden Ausgaben des Vereins – Futter, Einstreu, Hufschmied, eventuelle tierärztliche Versorgung, Kreditraten – belaufen sich auf etwa 10.000 Euro monatlich. Im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben, deren Schwerpunkt in der Vermietung von Pferdeboxen liegt und die von ihren Einstellern auch weiterhin die monatliche Boxenmiete erhalten, finanziert sich der Eddersheimer Verein ausschließlich über Reitstunden, Kurse und therapeutische Angebote.

„Unsere Einnahmen sind von einem auf den anderen Tag auf Null zurückgegangen“, sorgt sich Förster. „Wie viele andere Reitbetriebe haben auch wir unsere Vereinsmitglieder darum gebeten, ihre Reitstunden- und Voltigier-Beiträge weiter zu bezahlen – auf freiwilliger Basis als Spende. Für die Vereinsmitglieder sind es kleine Ausgaben, die ohnehin eingeplant waren. Für unsere Pferde ist es das Futter für die nächsten Wochen und für unseren Verein die Sicherung der Existenz.“

Die Vereins-Verantwortlichen wissen aber, dass in der aktuellen Situation nicht alle Vereinsmitglieder finanziell unterstützen wollen oder können. „Wir bieten unsere Angebote zu einem vergleichsweise günstigen Preis an, um auch Kindern, deren Familien es finanziell nicht so gut geht, die Möglichkeit zu geben, unser tolles Hobby auszuprobieren und auszuüben. Gerade bei den therapeutischen Angeboten ist es uns wichtig, dass die Eltern es sich leisten können. Besonders diese Familien haben in der aktuellen Situation aber keine Möglichkeit, uns mit Spenden zu unterstützen.“

Auch Nicht-Vereinsmitglieder können dem gemeinnützigen Verein bei der Versorgung der 16 vereinseigenen Schul- und Therapiepferde finanziell unter die Arme greifen. Dazu hat der Verein unter anderem auf seiner Facebook-Seite www.facebook.com/rsgeddersheim eine Spendenaktion gestartet. Auch die Internetseite des Vereins bietet unter www.rsg-eddersheim.de im Bereich „Unterstützen“ ein Online-Spendenformular an.