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Letzte Aktualisierung: 06.12.2019

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Rheinhessen genießen

von Sonja Thelen

(25.11.2019) Geschwungene Hügel. Bis hoch zu den Plateaus ziehen sich die Weinberge, an deren Rebstöcken sich die Blätter herbstlich rot verfärben. Vor allem für seine Weine ist das größte deutsche Weinanbaugebiet bekannt. Sein Anbau prägt die Kulturlandschaft.

Bildergalerie
Das Weingut Braunewell in Essenheim kredenzt ausgezeichnete Sekte und Weine
Foto: Sonja Thelen
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Terroir-Spaziergang durch die Weinlagen Siefersheimer Heerkretz und Siefersheimer Horn – die höchsten Weinlagen der Region
Foto: Sonja Thelen
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Verkostung mit den Winzern von den Weingütern Bischel, Alte Schmiede und Alexander Flick.
Foto: Sonja Thelen
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Die ehemalige Wassermühle ist heute ein malerisches Hotel mit Restaurant und Spa.
Foto: Sonja Thelen
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„Land der tausend Hügel“ wird diese weitläufige, fruchtbare Landschaft am Rhein gerne genannt, die noch viel mehr Genussmomente zu bieten hat und Gourmets hierfür nicht in die Ferne schweifen müssen, um diese erleben zu können. Das stellt die Gourmetaktion „Rheinhessen genießen“ in diesem Herbst zum bereits vierten Mal eindrucksvoll unter Beweis. 2016 von „Rheinhessenwein“ initiiert ist dieser kulinarische Event, der in der Regel Mitte September startet und bei dem die Fülle regionaler Erzeugnisse im Fokus stehen, mittlerweile bei vielen Teilnehmern ein fester Termin im Kalender.

In diesem Jahr hatten sich 27 Restaurants an „Rheinhessen genießen“ beteiligt. Passend zu ihrer Lieblingszutat aus ihrer Region hatten die Küchenchefs hierzu ein eigenes spannendes Gericht oder ein Menü kreiert, das sie während des Aktionszeitraums bis meist Anfang November ihren Gästen anbieten. Die Bandbreite ist breit, reicht von klassisch rheinhessischer Küche bis hin zu neuen raffinierten Interpretationen. „Sous vide gegarte Schweinebäckchen im Kapuzinerkresse-Blatt mit Kartoffelschaum und Wurzelgemüse“ oder „Ragout vom Donnersberger Reh mit Kartoffel-Kürbis-Strudel und Preiselbeer-Terrine“ sind nur zwei Beispiele an Gerichten. Um das Geschmackserlebnis perfekt abzurunden, empfehlen die Köche und Gastronomen passendes Guts- Orts- oder Lagenweine oder Sekte aus Rheinhessen. „Rheinhessen genießen“ möchte das Bewusstsein für die Fülle der heimischen Produkte stärken und die Zusammenarbeit zwischen lokalen Erzeugern, Winzern und Gastronomen unterstützen und fördern. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Aktion: Die verwendeten Produkte wie Fleisch, Fisch, Gemüse oder Backwaren kommen direkt von örtlichen Bauern, Winzer, Metzger oder Bäcker, haben somit keine langen Lieferwege hinter sich.

Wie etwa das Hofgut Acker aus Bodenheim, dessen Produkte bei einigen der teilnehmenden Küchen schmackhaft zubereitet und serviert wird. Seit rund 500 Jahren betreibt die Familie Acker auf ihrem St. Wendelinshof Ackerbau und Viehzucht, ist bekannt für ihre rheinhessischen Wurst- und Fleischspezialitäten. Direkt vor Ort wird geschlachtet, und zwar nur Tiere aus der eigenen Haltung, erklärt Landwirtschaftsmeister Peter Acker, der 2003 zusammen mit seinem Bruder Martin – ein ausgebildeter Metzger - von den Eltern den Hof übernommen hat: „Ohne lange Transporte. Das ist gut für die Fleischqualität und gut für das Vieh, da das weniger Stress bedeutet.“ Anschaulich erklärt er die nachhaltige Tierhaltung, die beim Hofgut Acker groß geschrieben wird. Die Transparenz schätzen auch die Kunden, die im eigenen, 2006 eröffneten Hofladen, gerne einkaufen. Dreimal die Woche, von Donnerstag bis Samstag, hat dieser geöffnet. Die Kunden wissen genau, in welcher Woche, es frisches Rindfleisch gibt – nämlich nur alle 14 Tage - und an welchen Wochentagen Schweinefleisch. „Wenn jemand ein ganz bestimmtes Fleisch möchte, sollte er dies auch immer vorab bestellen“, betont Peter Acker. Zudem können Kunden nach alter rheinhessischer Tradition beim Hofgut Acker ein Schwein kaufen, das für sie geschlachtet und dann gemeinsam gewurstet wird, berichtet der Landwirt. „Uns ist es wichtig, unsere Erzeugnisse möglichst direkt an die Verbraucher zu verkaufen“, so Peter Acker. Nicht nur bei den Schweinen und Rindern wird Wert auf eine gute Haltung gelegt, sondern auch bei den freilebenden Hühnern. Für sie gibt es seit Kurzem ein eigenes „Hühnermobil“, dessen Standort je nach Jahreszeit und Untergrund verlegt werden kann. Und so garantiert Peter Acker „frische Freilandeier von glücklichen Hühnern“. Übrigens sind seit Neuestem frische Eier und Dosenwurst direkt am Automat rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche auf dem Hofgut erhältlich. Auch stehen die nächsten Nachkommen, um die Familientradition fortzuführen, quasi schon in den Startlöchern: Anton (10) und Peter (12 Jahre), die Söhne der beiden Acker-Brüder, die heute schon über die Landwirtschaft sagen: „Das macht Spaß.“

Eine Kostprobe des köstlichen Fleischs vom Hofgut Acker kredenzte „Jordan’s Untermühle“. Eine wunderschöne ehemalige Wassermühle aus dem 14. Jahrhundert und ein malerischer Flecken außerhalb von Köngernheim im Herzen von Rheinhessen. Das mittelalterliche Ensemble beherbergt heute ein Restaurant und ein Hotel mit einem im Herbst 2018 eröffneten Spa samt Indoor- und Outdoor-Pool. Küchenchef Tiago Crisóstomo servierte eine Sous-Vide gegarte hohe Rippe vom Rind vom Hofgut Acker mit Herzoginkartoffeln, Apfelchutney und Salbeijus.

Für Tradition steht auch das Weingut „Braunewell“ in Essenheim im Selztal, dessen Böden charakterstarke Weine hervorbringen. Schon am Ortseingang wird der Anspruch dieser Winzerdorfs deutlich: „Das Tor zur Champagner“ steht in einem Halbrund geschrieben über einem aus Bruchsteinen gemauertem Bauwerk mit drei Bögen.

Auf dessen Säulen sind die Wappen von Essenheim und den drei französischen Partnergemeinden Boursault, Chatillon und Festigny befestigt. „Damit unterstreichen wir die Partnerschaft zu den drei Gemeinden im Vallée de la Marne und unsere eigene Sektleidenschaft“, betont Stefan Braunewell. Im nördlichen Rheinhessen bei Mainz bewirtschaftet die Winzerfamilie, die auf eine rund 350-jährige Tradition zurückblicken kann, 150.000 Weinreben. Dabei liegt der Fokus auf individuelle Weine und höchste Qualität. „Unsere Trauben werden in mehreren Durchgängen von Hand selektiert und in kleine Traubenboxen geerntet. Schonendes Pressen und intensive Maischegärung sind Garanten höchster Eleganz“, erläutert der Winzer. Die Weine werden in französischer Eiche und im Edelstahl vergoren, ehe die ersten zum Frühjahr gefüllt werden. Braunewells Leidenschaft für den Weinbau wird aktuell belohnt: So zählt das Weingut unter anderem mit drei Trauben im Gault Millau WeinGuide und vier Sternen im Eichelmann Weinführer zu den Shooting-Stars in Rheinhessen. Nicht nur mit den Weiß- und Rotweinen heimst Braunewell Preise ein, sondern auch mit seinen Sekten. Beispielsweise überzeugten die Rheinhessen beim „Meininger Deutscher Sektpreis“ mit ihrem „2015 Plancs de Blancs Chardonnay, brut nature“, belegten den ersten Platz und holten sich mit ihrem „2013 Pinot Prestige“ eine Top-10-Platzierung.

So zeigt „Rheinhessen genießen“, dass die Gastronomen bei den Weinen aus dem Vollen schöpfen können. Das größte Weinbaugebiet Deutschlands bietet mit seinen charakteristischen Böden, klassischen Rebsorten und herausragenden Lagen eine ganz besondere Auswahl an exzellenten Weinen.

Die teilnehmenden Restaurants verteilen sich über ganz Rheinhessen. Im nordöstlichen Mainz servieren die Restaurants Le Bonbon, Bellpepper im Hyatt Regency, Geberts Weinstuben, Adagio im Atrium, La Gallerie, Poller’s Häusje und das Gasthaus Willems ihre Aktionsgerichte. Westlich von Mainz in Ingelheim gelegen sind das Restaurant Zum Burgunder im IBB Hotel, der Winzerkeller Ingelheim, Fetzer’s Restaurant Lindenhof und Wasems Kloster Engelthal dabei. Etwas weiter südlich nimmt das Restaurant 100 Guldenmühle in Appenheim teil. Im Herzen der Region laden die regionalen Spezialitäten bei den Restaurants Weedenhof, Zornheimer Weinstuben, Mundart, Das Crass und dem BenzOliver zu kulinarischen Entdeckungen ein. Im Südwesten Rheinhessens präsentieren das Restaurant Zum Gläsernen Trinkhorn, die Dohlmühle, der Espenhof und die Genusswerkstatt Menges ihre rheinhessischen Gerichte.

Nahe Worms gelegen, im Südosten der Region, nehmen das Gut Leben am Morstein, das Landhaus Dubs, das Landhotel Zum Schwanen und das Vis à Vis in Osthofen an der Aktion teil. Das Vis à Vis belegt beispielhaft, wie ein ehemaliger Kuhstall mit Kreuzgewölbe in ein außergewöhnliches und atmosphärisches Restaurant umgewandelt wurde. Nicht weniger beeindruckend ist das Wasem Weinhotel mit Restaurant im ehemaligen Kloster Engelthal in der idyllischen Kaiserpfalz Ingelheim. Allesamt Zeugnisse einer in vielerlei Hinsicht entdeckungswürdigen, erlebnisreichen und genussvollen Region.

Infobox:
Das gesamte Programm zu „Rheinhessen genießen“ samt Informationen zu den teilnehmenden Betrieben steht online, 2020 findet die kulinarische Aktion vom 18. September bis 1. November statt: www.rheinhessen-geniessen.de.

Hofgut Acker, Rheinallee 102 55294 Bodenheim, Öffnungszeiten Hofladen: Donnerstag 13 – 18 Uhr, Freitag 13 – 18 Uhr, Samstag 9 – 13 Uhr, Telefon für Bestellungen: (06135)950126, Email: hofladen@hofgut-acker.de, www.hofgut-acker.de.

Weingut Braunewell, Am Römerberg 34, 55270 Essenheim, Telefon: (06136)9999100, Email: info@weingut-braunewell.de, Vinothek Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 13.30 – 19.00 Uhr, freitags auch Vormittags von 10.00 – 12.00 Uhr, Samstag von 9.00 – 17.00 Uhr, Sonntag und Feiertag geschlossen https://braunewell-wein.de/

Jordan’s Untermühle, Außerhalb 1, Köngernheim, Telefon: (06737)71000, www.jordans-untermuehle.de.

Wasem Kloster Engelthal, Edelgasse 5, Ingelheim, Telefon: (06132)2220, www.wasem.de

Vis à Vis, Friedrich-Ebert-Straße 53, Osthofen, Telefon: (06242)5012973, www.visavis-osthofen.de.