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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020

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Rheingauer Unterwelten

Oliver Bock präsentiert schönste Weingewölbe

von Karl-Heinz Stier

(14.07.2020) Für die Qualität des Weines gibt es mehrere Voraussetzungen: zum einen das Terroir, also Gegend und Boden, wo er bei welchem Klima wächst, dann die Umstände des Wachstums und seine Betreuung zum Beispiel ob Steil-Lage oder ebene Fläche, die Art des Kelterns und der spätere ruhende Ausbau – das Wie und Wo.

Bildergalerie
Buch Rheingauer Unterwelten
Foto: Heibel - Societätsdruckerei Ffm
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2.Keller Weingut Hamm Winkel
Foto: Heibel - Societätsdruckerei Ffm
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Oliver Bock, FAZ-Autor, Weinblocker, Träger mehrerer Journalistik- und Publizistikpreise in Sachen Wein und Kenner des Rheingaus, widmet sich einer besonderen Kategorie des Weinanbaus, nämlich der stillen Zeit des weiteren Weinausbaus in den Kellergewölben und Schatzkammern. Sie sind nicht nur ein wichtiger Aspekt regionaler Kulturgeschichte, sondern vermitteln auch viele Einblicke in zumeist verschlossene und verborgene geheime und auch unerwartete Details des Weinan– und -ausbaus.

Und darüber hat Oliver Bock ein zweihundertseitiges Buch geschrieben unter dem Titel „Rheingauer Unterwelten- die schönsten Weingewölbe der Region und ihre Schätze“. Er berichtet mit seinem Bildreporter Hermann Heibel über 37 bekannte und historische interessante Winzerbetriebe, die oft unter Schlössern, Villen, Rathäusern oder Klöstern lagern und in die man nur über steinerne Treppenstufen gelangt. Es gibt auch Felsenkeller, die ebenerdig in den Berg hinein führen. Schon die Zisterzienser hätten im Kisselbachtal ihre Erbacher Keller über den Erdboden gebaut, weil der Untergrund zu feucht gewesen wäre. Heute würden „Keller“ dank moderner Klimatechnik und aus Gründen der Arbeitseffizienz und der Kosten vielfach oberirdisch errichtet -  wie die Kellerexperten der Hochschule Geisenheim empfehlen und auf die im zweiten Teil des Buches eingegangen wird.

„Romantischer sind gleichwohl die ehrwürdigen und geschichtsträchtigen Tunnel- und Kreuzgewölbekeller, deren Decken und Wände von schwarzen Kellertuch überzogen sind. Hier spukt der Geist des Weines“, schreibt der Autor. Hier werden Geschichte und Gedanken von Menschen vor unserer Zeit erzählt: Alltägliches, Besonderes, Fantasie, Genuss, Weltwunder, Skandale.

Auch müsse man mit gelegentlich aufkommenden Vorstellungen aufräumen. Wenn Weingewölbe höchst gefährliche Orte seien, so stimme das nur insoweit in der Phantasiewelt von Schriftstellern und Krimiautoren – so Bock. Schließlich seien die in Weinkellern literarisch verübten Gewalttaten kaum überschaubar.

Diese und viele weitere interessante  Informationen und Daten – auch seit wann und wo es die ersten Weinkeller weltweit und im Rheingau gab -  sowie Tipps, wann die Keller besichtigt werden können und worauf zu achten ist, runden den kombinierten Bild- und Textband ab.

Er ist im Societäts-Verlag erschienen und kostet 20 Euro.

ISBN: 978-3- 95542-372-8