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Letzte Aktualisierung: 12.06.2024

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Residenzstädte in Saale-Unstrut erleben

von Ilse Romahn

(05.06.2024) Urlaub in Saale-Unstrut: Das ist immer auch ein bisschen Zeitreise. Filmreife Burgen, atemberaubende Sakralarchitektur und prunkvolle Schlösser erzählen aus der aufregenden Geschichte dieser einzigartigen Kulturlandschaft zwischen Leipzig und Weimar. In diesem Sommer sind es vor allem die vier Residenzstädte Weißenfels, Merseburg, Zeitz und Eisenberg, die zu Entdeckungstouren auf den Spuren der barocken Hofkultur des 17. und 18. Jahrhunderts einladen. Historische Festumzüge, Barocktanz-Kurse und Schlossfestspiele machen die Vergangenheit zum Urlaubserlebnis.

Das Schloss Moritzburg in Zeitz ist von einem weitläufigen Schlosspark umgeben, ein beliebter Ort zum Flanieren und Entspannen
Foto: Saale-Unstrut-Tourismus e.V., Transmedial
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Zwischen Saale, Unstrut und Weißer Elster liegen ungewöhnlich dicht, nur wenige Kilometer voneinander entfernt, die drei barocken Residenzstädte Weißenfels, Merseburg und Zeitz. Es ist dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. zu verdanken, dass auf so engem Raum gleich drei Residenzen entstanden. Er hatte den Wunsch allen seiner vier Söhne eine fürstliche Hofhaltung zu ermöglichen. So vererbte er sein Land nicht wie üblich nur dem Ältesten, sondern teilte es unter den Brüdern auf. Daraufhin entstanden nach seinem Tod im Jahr 1657 die drei teilsouveränen Herzogtümer Sachsen-Weißenfels, Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz, die allerdings nach dem Aussterben der direkten Linie wieder an Kursachsen zurückfielen. Auch das thüringische Eisenberg profitierte im 17. Jahrhundert davon, dass ein Herzog die Stadt zur Residenz wählte: Hier hinterließ Herzog Christian aus dem Hause Sachsen-Gotha-Altenburg seine Spuren.

Weißenfels: Schlosskirche, Fürstengruft und Barocktanz
Von der kulturellen Blütezeit des Herzogtums Sachsen-Weißenfels erzählt das Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels, hoch über dem Saaletal. Zwischen 1660 und 1694 als monumentale Dreiflügelanlage gebaut, beherbergt es heute eine umfangreiche Schuhsammlung mit Designerexemplaren und ethnologischen Exponaten sowie eine fast vollständige Dokumentation der Schuhproduktion der DDR. Schlossführungen finden zweimal täglich während der Öffnungszeiten statt.

Ein Besuchermagnet ist die Schlosskirche St. Trinitatis, die sich im Nordflügel des Schlosses verbirgt. Von außen ist der außergewöhnliche Sakralbau nicht zu erkennen. Ausgestattet mit Fresken und Stuckaturen italienischer Meister gehört sie zu den beeindruckendsten frühbarocken Kirchen Mitteldeutschlands. An ihrer Orgel spielten schon Georg Friedrich Händel, dessen Talent in der Saalestadt entdeckt wurde, und Johann Sebastian Bach, seinerzeit Hofkapellmeister unter Herzog Christian. Jeden letzten Sonnabend im Monat öffnen Mitarbeiter im Rahmen einer Schlosskirchenbesichtigung die schwere Luke zur Fürstengruft. Unter dem Altarraum liegen 38 prunkvolle Särge aus Zinn und Holz der hier residierenden Herzöge und ihrer Familien.

Veranstaltungstipps: Zwischen Mai und September starten jeden Sonnabend geführte Stadtspaziergänge, die vom Wohlstand der einstigen Landesherren berichten. Der historische Festumzug zum Stadtfest, das vom 22. bis 25. August gefeiert wird, stellt die Stadtgeschichte anschaulich nach. Ein ungewöhnliches Angebot macht die Stadt vom 31. August bis 1. September: Dann lädt sie Freunde alter Tänze zum Barocktanz-Workshop ins Rathaus ein.

Merseburg: Dom-Schloss-Ensemble, Schlossgarten und Schlossfestspiele
Nur etwa 20 Kilometer weiter nördlich liegt die Residenzstadt Merseburg. Wie prachtvoll die Herzöge von Sachsen-Merseburg hier lebten, erfahren Geschichtsinteressierte im Kulturhistorischen Museum. Es befindet sich im Schloss Merseburg, einer dreiflügeligen Anlage mit sieben Türmen. Zusammen mit dem Kaiserdom bildet es ein imposantes Ensemble hoch über der Saale. Schmuckerker, Figurenportal am Nordflügel, ein reich verzierter Wendelstein sowie ein detailreich geschnitzter Medaillenschrank zeugen vom Selbstbewusstsein der Dynastie. Auch der Schlossgarten geht auf die Herzöge zurück. Mitte des 17. Jahrhunderts von Herzog Christian I. als barocker Lustgarten mit dem bis heute bestehenden Schlossgarten-Salon angelegt, gestaltete ihn Peter Joseph Lenné später zu einem Landschaftsgarten um.

Im Rahmen einer Sonderführung am letzten Sonntag im Monat lässt sich die Fürstengruft im Dom besichtigen. Hier befinden sich 37 reich verzierte Särge der Herzogsfamilien. Auch der Dom selbst ist einen Besuch wert. Das mehr als 1000 Jahre alte Gotteshaus zählt zu den bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands.

Veranstaltungstipps: Jeden Sonnabend nehmen Gästeführer Interessierte mit auf einen Rundgang durch das historische Merseburg. Vom 14. bis 16. Juni feiert die Stadt die Merseburger Schlossfestspiele mit Markttreiben, Konzerten und Ritterlager. Am 6. und 20. Juli sowie 3. August verwandelt sich der Schlossgraben in eine Bühne für Jazz-, Irish Folk-, Rock- und Popkonzerte.

Zeitz: Fürstengemächer, Schlosspark und Kostümführungen
In Zeitz an der Weißen Elster baute Herzog Moritz, der jüngste Sohn des Kurfürsten Johann Georg I., ab 1657 auf den Grundmauern eines im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Bischofsschlosses sein „Moritzburg an der Elster“ auf. Die barocke dreiflügelige Anlage schloss den bestehenden Dom St. Peter und Paul ein, der im Inneren barock umgestaltet wurde. Heute befindet sich im Schloss das Museum Schloss Moritzburg. Bei einem Besuch der Dauerausstellung können Tafelgemach, Audienzgemach und die Prinzengemächer besichtigt werden.

Vor den Schlossmauern erstreckt sich der Schlosspark, der einst als barocker Lustgarten mit Orangerie konzipiert wurde. Zur Landesgartenschau im Jahr 2004 neugestaltet, ist er heute ein beliebter Ort zum Flanieren. Hier spazieren Gäste an üppigen Blumenbeeten vorbei, genießen ein Picknick im Landschaftspark oder entdecken die vielfältigen Themengärten.

Veranstaltungstipps: Höhepunkte sind die Kostümführungen des Museums Schloss Moritzburg, die auf Voranmeldung bereits für Gruppen ab fünf Personen angeboten werden, darunter Rundgänge mit dem Hofkoch, der Hofdame und des Hofarztes.
https://museum-moritzburg-zeitz.de/portfolio-item/thematische-fuehrungen/

Eisenberg: Schlosskirche, Schlosspark und Stadtjubiläum
Nur knapp 30 Jahre lang war das thüringische Eisenberg Residenzstadt. Zwischen 1680 und 1707 nahm Herzog Christian aus dem Hause Sachsen-Gotha-Altenburg entscheidenden Einfluss auf das Stadtbild. Er ließ das bestehende Renaissanceschloss zu einer barocken Dreiflügelanlage umbauen, die heute als Schloss Christiansburg noch immer seinen Namen trägt. Nach dem Tod seiner ersten Frau Christiane von Sachsen-Merseburg ließ er unter Leitung der Bauherren Wilhelm Gundermann und Johann Richter eine Schlosskapelle erbauen. Den barocken Innenraum verzierten die italienischen Stuckateure Bartolomeo Quadri und Giovanni Caroveri und der Maler Johann Oswald Harms. Blickfang ist die prächtige, zweigeschossige Donat-Trost-Orgel. Das Schloss, in dem sich heute das Landratsamt befindet, ist mit Voranmeldung zu besichtigen. Die Schlosskirche ist dienstags bis sonntags geöffnet. Zur Schlossanlage gehört auch der öffentlich zugängliche Schlosspark mit Bogengarten und ein Kräutergarten mit klassizistischem Pavillon.

Veranstaltungstipp: In diesem Jahr feiert die Stadt ein besonderes Jubiläum: 750 Jahre Stadtrecht. Höhepunkt ist das Mohrenfest vom 7. bis 9. Juni mit Weindorf im Schlossgarten, Kulturterrasse und Festumzug.

Weitere Informationen zu den Residenzstädten und der Destination liefert das Tourismusportal unter www.saale-unstrut-tourismus.de. ■

www.saale-unstrut-tourismus.de