Rekord bei Sozialwohnungs-Förderung – doch Frankfurt fühlt sich benachteiligt
Trotz eingebrochener Bauzahlen erlebt der soziale Wohnungsbau in Hessen einen ungewöhnlichen Boom. Die Nachfrage nach vergünstigten Landesdarlehen ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr – und übersteigt inzwischen die verfügbaren Mittel deutlich. Besonders Frankfurt sieht sich dabei im Nachteil.
Hohe Nachfrage, leere Fördertöpfe
Die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte sind schwierig: hohe Zinsen, hohe Baukosten, wenig Planungssicherheit. Entsprechend ist die Zahl der Baugenehmigungen in Hessen 2025 auf etwa die Hälfte des Niveaus von 2019 gefallen. Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung im sozialen Wohnungsbau. Laut Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) wurden im vergangenen Jahr Fördermittel für 5216 Wohnungen bereitgestellt – mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024. „Angemeldet wurde ein Förderbedarf von 844 Millionen Euro, bereitgestellt wurden aber nur 562 Millionen Euro.“
Für 1406 angemeldete Wohnungen und Wohnheimplätze reichte das Geld nicht mehr. 639 Einheiten wurden zudem als nicht förderfähig eingestuft.
Frankfurt kritisiert unfaire Verteilung
Die Frankfurter Grünen sehen darin einen klaren Nachteil für die größte hessische Stadt. Die Landtagsabgeordnete Mirjam Glanz wirft CDU und SPD vor, ihr Versprechen zu brechen, wonach kein Projekt am Geld scheitern solle. Frankfurt habe 2025 rund 133 Millionen Euro Förderbedarf angemeldet, aber nur 86 Millionen Euro zugesagt bekommen.
Glanz: „Dass die Landesregierung unsere Stadt dermaßen im Stich lässt, während andere Kommunen ihre Mittelwünsche komplett erfüllt bekommen, ist ungerecht.“ Als Beispiel nennt sie Darmstadt, wo alle beantragten Mittel bewilligt wurden.
Stadt Frankfurt widerspricht – zumindest teilweise
Im Frankfurter Planungsdezernat sieht man die Lage entspannter. Dort heißt es, alle städtischen Projekte seien berücksichtigt worden – bis auf ein Vorhaben, das noch nicht ausreichend planungsreif gewesen sei. Kommunale Mittel gingen dadurch nicht verloren.
Ein Blick in die Übersicht des Wirtschaftsministeriums zeigt dennoch deutliche Lücken:
- Neubau Mietwohnungen Frankfurt:
Beantragt: 92 Mio. €
Bewilligt: 57 Mio. € - Förderprogramm für Studierende/Azubis:
Beantragt: 32 Mio. €
Bewilligt: 20 Mio. € - Modernisierung:
Vollständig bewilligt (8,7 Mio. €)
Ein Rekordjahr – mit Schattenseiten
Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum bleibt hoch, die Programme sind attraktiv, und kommunale Wohnungsunternehmen wie ABG und Nassauische Heimstätte nutzen sie intensiv. Doch der Konflikt zwischen Land und Kommunen zeigt: Die Mittel reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken – und die Verteilung sorgt für politischen Streit. Während das Land auf Rekordzahlen verweist, bleibt die Frage offen, wie lange der soziale Wohnungsbau unter diesen Bedingungen noch wachsen kann.
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