Regale voll, Geräte bereit – wie Deutschland heute liest
Deutschland liest – aber anders als früher. Während in vielen Haushalten die Bücherregale überquellen und bei einem selbst ein alter Tolino wieder aus der Schublade geholt wurde, zeigen aktuelle Studien ein differenziertes Bild des Leseverhaltens. Laut einer großen Online‑Befragung von 2026 lesen 23 % der Deutschen in einer typischen Freizeitwoche überhaupt keine Bücher, 38 % lesen ein bis zwei Stunden, und nur vier Prozent kommen auf mehr als elf Stunden Lektüre pro Woche.
Foto: Bild Poppe frankfurtlive
Das gedruckte Buch bleibt dennoch das bevorzugte Medium – und zwar in allen Altersklassen, besonders bei jüngeren Leserinnen und Lesern.
Auch die Medienzeit insgesamt hat sich verschoben. Die Postbank‑Digitalstudie 2026 zeigt, dass die Internetnutzung erstaunlicherweise deutlich zurückgeht: Im Schnitt verbringen die Deutschen noch 67,4 Stunden pro Woche online – rund fünf Stunden weniger als im Vorjahr. Unter 40‑Jährige bleiben mit über 80 Stunden pro Woche die intensivsten Nutzer, reduzieren aber vor allem ihre Smartphone‑Zeit. Das Smartphone bleibt dennoch das wichtigste Tor zur digitalen Welt, genutzt von 86 % der Bevölkerung.
Frankfurt und die Onleihe – günstig, digital, praktisch
Frankfurt ist in dieser neuen Lesewelt bestens aufgestellt. Die Stadtbibliothek Frankfurt bietet eine moderne Onleihe an – eBooks, Hörbücher, Zeitungen, Magazine, Filme und Musik. Für die Nutzung braucht man lediglich einen Bibliotheksausweis. Der kostet für Erwachsene 20 Euro pro Jahr, Kinder und Jugendliche leihen kostenlos.
Im Vergleich dazu kostet Kindle Unlimited rund 9,99 Euro pro Monat, also etwa 120 Euro pro Jahr. Die Frankfurter Onleihe ist damit ein echtes Schnäppchen – und für Vielleserinnen und Vielleser unschlagbar günstig.
Im Umland kann man sich auch einen Zugang zur "Onleihe" besorgen zum Beispiel in Oberursel oder in Hofheim.
Ein Blick auf die Bücher im Bild – mit einem Augenzwinkern
Die im Bild sichtbaren Titel – Michel Houellebecqs Les Particules Élémentaires, Michel Onfrays Décadence und Ken Folletts Fall of Giants – wirken wie eine literarische Diagnose der Weltlage: ein philosophischer Abgesang, ein Roman über die Zerlegung des Menschen und ein Epos über den Untergang alter Ordnungen. Wer diese drei Bücher nebeneinander legt, hat entweder einen sehr breiten Geschmack oder bereitet sich auf die nächste intellektuelle Apokalypse vor.
Daneben stehen Tolino und Kindle – zwei Geräte, die den deutschen Lesealltag spiegeln. Der Kindle läuft runder, die UX (für Benutzerfreundlichkeit) ist flüssiger, die Suchfunktionen zuverlässig. Der Tolino dagegen wirkt etwas behäbig, besonders bei Suchanfragen mit engen Kriterien. Ein Punkt geht dennoch an den Tolino: die Onleihe. Viel Lesestoff für wenig Geld, nur fremdsprachige Titel sind dort etwas rar. Das Fazit fällt damit klar aus: Buch oder digital ist Geschmackssache – aber beim Gerät ist die Sache schnell entschieden.
Fazit
Deutschland liest weiterhin – aber fragmentierter, digitaler und bewusster. Die Menschen reduzieren vielleicht ein wenig ihre Online‑Zeit, greifen dennoch häufig zum Smartphone und bleiben gleichzeitig dem gedruckten Buch treu. Frankfurt zeigt exemplarisch, wie moderne Bibliotheken diesen Wandel begleiten: mit einer starken Onleihe, günstigen Konditionen und einem breiten Angebot. Und die 1.285 öffentlichen Bibliotheken im Land beweisen, dass Lesen trotz aller Medienkonkurrenz ein fester Bestandteil der Kultur bleibt.
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