Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 20.09.2021

Werbung

Randbemerkung: Kastanien

von Ingeborg Fischer

(10.09.2021) Vor vielen Jahren bekam ich von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald einen Blumentopf mit einer Kastanie - es war nur ein Blatt, handförmig gefiedert – geschenkt. Die habe ich vor meinem Haus eingepflanzt und sie beim Rasenmähen verteidigt und beschützt.

Foto: Frankfurt-Live
***

Heute ist sie ein großer Baum geworden, so hoch wie das Haus, weit ausladend, mit prächtigem Blattwerk. Im Mai setzt sie ihre Blütenkerzen auf, das ist immer besonders schön. Dann summt und brummt es rund um die Kastanie, weil die Bienen von den weißen Blüten ihren Nektar sammeln. Diese färben sich, wenn sie bestäubt sind, rosa und signalisieren: hier gibt es nichts mehr zu holen. So habe ich es gelesen.

Jetzt im September hängen am Baum grün, kugelig, stachelig die Früchte. Und bald ist es so weit. Sie werden herunterfallen und die glänzenden, rotbraunen Kastanien mit dem weißen Fleck freigeben, zur Freude aller Kinder.

Ja,  Erinnerungen werden wach an Spaziergänge am Lohrberg mit meinem Vater, als ich ein kleines Mädchen war. Dort stehen viele Rosskastanienbäume. Da habe ich die braunen Schätze gesammelt und zu Hause daraus mit Hilfe von Streichhölzern  kleine Männchen und Tiere gebastelt. Dass sie nach einer gewissen Zeit unansehnlich einschrumpelten, das war betrüblich. Aber dann kam schon bald die Adventzeit und Weihnachten, und welches Kind denkt da noch an runzelige Kastanien?

Wenn wir jetzt an schönen sonnigen Herbsttagen noch in den Gärten der Äppelwei-Kneipen sitzen können, dann wird man dort vielerorts von Kastanienbäumen überdacht. Sie spenden Schatten und schützen auch im Notfall vor Regentropfen. Voriges Jahr im Herbst ist meinem Begleiter eine stachelige grüne Kugel auf dem Kopf gefallen, und das hat weh getan. Die Bedienung brummelte nur: „Mir hawwe schon Wette abgeschlosse, wen`s heut zuerst trifft!“ Aber schließlich hat sieein Mispelchen zum Trost spendiert.

Ach ja, de Herbst is fast schon da, unn ich werd melancholisch! Wie schnell so e Johr vorbeigeht! Aan Trost hab ich awwer. Ende Oktober drehe se die Uhr widder fer aa Stund zurück. Wunnerbar!