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Letzte Aktualisierung: 20.05.2022

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Randbemerkung: Kasatschok

von Ingeborg Fischer

(06.05.2022) „Kasatschok“ ist russisch und bedeutet „kleiner Kosake“. Er ist ein Tanz der als Kosaken bezeichneten ukrainischen/russischen Bauern im Osten der heutigen Ukraine. Die Melodie weist eine große Ähnlichkeit mit den russischen Volksliedern „Katjuscha“ und „Kalinka“ auf.

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Ja, die ukrainische und die russische Kultur haben viele Berührungspunkte. Es ist entsetzlich, dass Putin diesen Krieg angezettelt hat, der uns fassungslos macht. Auch viele russische Künstler – Sänger und Sängerinnen, Autoren, Tänzer, bildende Künstler - die ihr Land und ihre Kultur lieben, wollen diesen Krieg auf keinen Fall.

Es kann und darf aber jetzt nicht sein, dass Künstler und Künstlerinnen ausgegrenzt und Verträge nicht eingehalten, dass Auftritte abgesagt werden und alles Russische keinen Platz mehr in unseren Kulturbereichen findet. Der Intendant der Oper Frankfurt, Bernd Loebe, sagte in einer Pressekonferenz, dass die Oper keineswegs Russisches meidet. Abgesehen davon, dass die Tschaikowski-Rarität „Die Zauberin“ geplant ist, habe man etliche Verträge mit Russischen Gästen. Ja, man würde am Haus mit niemanden zusammenarbeiten, der Putins Krieg gutheiße. Seiner Erfahrung nach sei es aber bei vielen Künstlern sogar eher umgekehrt: sie seien selbst Opfer der aktuellen russischen Politik.

Bei einem Presselunch in Frankfurt, zu dem die Bregenzer Festspiele eingeladen hatten, machten auch die Intendantin Elisabeth Sobotka und der Pressesprecher Axel Renner deutlich, dass sie neben der großen Oper auf der Seebühne (Madame Butterfly) im Festspielhaus und auf der Werkstattbühne vor dem Hintergrund des Krieges die russischen Elemente nicht ausklammern. Ein sehr großer Russlandschwerpunkt soll beibehalten werden. Unter anderem wird im Festspielhaus die Oper „Siberia“ von Umberto Giordano, die in einem sibirischen Straflager spielt, auch mit russischen Sängern aufgeführt. Sobotka betonte, dass die Künstler ihr Land lieben, aber distanziert zu den Vorgängen und den Krieg in der Ulraine sind und ihn nicht billigen. Dazu erwarte man nicht explizit Statements. Nur falls ein Künstler den Putinkrieg befürworten würde, gäbe es keine Akzeptanz.

Eine Hysterie, die dazu geführt hat, dass  Auftritte von Anna Netrebko, wie in den USA und auch an der Alten Oper Frankfurt geschehen, abgesagt wurden, ist für mich nicht nachzuvollziehen.