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Letzte Aktualisierung: 24.04.2024

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Randbemerkung: Hessisch is gar net so schwer?

von Ingeborg Fischer

(26.05.2023) Ja, mir Hesse hier in de Frankforter Geschend, awwer aach von Aschebersch (Bayern) bis Offebach, Darmstadt, Mainz (Rheinland-Pfalz), bis weit in de Rheingau enei, mir sin stolz uff unser Sprach!

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Wolf Schmidt und Liesel Christ haben als Babba und Mamma Hesselbach unser Idiom in ganz Deutschland bekannt gemacht. „Kall, mei Droppe!“ Auch Heinz Schenk und Lia Wöhr mit Bembel, „Äbbelwoi“ und dem Blauen Bock haben damals dafür gesorgt, dass unser „Gebabbel“ von Hamburg bis München gern gehört worden ist und als Hessische Sprache galt. Dabei gibt es in Hessen unzählige Dialekte. Wer jemals versucht hat, einen „Wetterauer“ zu verstehen, der weiß, wovon ich rede.

Aber ich will mal „e bissi“ über unsere Sprache hier in der Gegend reden, die so einmalig ist, dass man nur staunen kann. Zum Beispiel droht der Hesse mit großer Freude am mundartlichen Gleichklang: „Ich haach der uffs Aach unn uffs annern Aach aach“, was übersetzt heißt: Ich haue Dir aufs Auge und auf das andere Auge auch. Unglaublich, gelle?  

Außerdem ist bei uns nie ein Knopf etwa ab, nein, es ist „en abbene Knopp“, eine Tür ist nicht zu, es ist „e zu-en Dür, und es gibt auch „en dorschene Handkäs“.

Wenn man hier jemanden androhen will Prügel zu bekommen, heißt das sehr einfach: „Du kriechsdse!“ Denn bekommen gibt’s bei uns nicht, hier „kriechsde“ was. „Krieh isch noch e Stick Kuche?“ Selbst die Kränk „krieht mer“ hier. „Krieh die Kränk Offebach, die Staa binne se aa, die Hunde lasse se laafe!“ (Stoltze). 

Duhe, deht, dehtste? „Dehtste mal de Schorsch aarufe, ob er mitkomme deht? Dehtste aach mitwolle? Ich deht maane, ja“! Wir schlafen auch nicht, „mir duhn schlafe“, wir lesen nicht, „mir duhn lese“ und wir schimpfen nicht, „mir duhn knoddern“! Hesse „duhn“ grundsätzlich alles, ohne „duhn“ geht gar nix!

Und ohne „mache“ geht überhaupt nichts. „Mir mache uns was zu esse, mir mache Zerkus, mir mache Feuer aa, mir mache Rabatz unn mir mache als so weider.“ Als steht da für immer.

Ach ja, ich könnte jetzt „als weider mache“, weil es noch so viele wunderliche Besonderheiten gibt. Aber ich will es einmal dabei belassen. Vielleicht später in einer RANDBEMERKUNG mehr. Nur eines muss noch erwähnt werden, weil wir die „Hergelaafene“ damit immer wieder verblüffen und erschrecken: nämlich dann, wenn wir uns verabschieden mit den Worten „es is spät, mir mache jetzt haam unn mache ins Bett!“ Ein Schelm, wer böses dabei denkt!

Ei gelle! Hessisch is doch ganz aafach!

Nix fer ungut!