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Letzte Aktualisierung: 08.02.2023

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Randbemerkung: Gemüsebeet und Gartenlaube

von Ingeborg Fischer

(20.01.2023)  Gartenlaube, Datsche, Gartenhäuschen… ach - davon träumen viele Menschen, besonders solche, die in einer Wohnung in einem Hochhaus wohnen.

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Als Anfang des 19.Jahrhunderts durch die wachsende Industrialisierung große Teile der Bevölkerung aufgrund von Arbeitslosigkeit vollständig verarmten, gab es einige Gemeinden, die den Ärmsten ein Stück Land zum Gemüseanbau zuteilten, das sie bepflanzen konnten, um sich zu versorgen.

Den Namen „Schrebergarten“ bekamen die Kleingärten von dem Arzt Daniel Gottlieb Moritz Schreber (1808-1861), der für die damalige Zeit die ungewöhnliche Forderung nach Spielplätzen für Kinder stellte.

Auch heute noch haben die Kleingärten über Generationen hinweg eine wichtige Funktion. Kleingärtner betreiben ihr Hobby mit Leidenschaft. Selbst gezogenes Obst, Salat, Gemüse, Kräuter ernten zu können ist ja auch etwas ganz Besonderes. Und die Freizeit und Wochenenden in der eigens geschaffenen Idylle zu verbringen hat seinen großen Reiz.

Aber ganz klar, in Deutschland wird dort alles geregelt, nämlich durch das Bundeskleingartengesetz. Und das schreibt vieles vor: ein Kleingarten darf eine Größe von 400 Quadratmetern, die Gartenlaube 24 Quadratmeter nicht überschreiten, und dauerhaftes Wohnen ist dort nicht erlaubt. Deshalb soll die Laube auch nicht so gut ausgestattet sein, dass dies möglich wäre. Die kleingärtnerische Nutzung besagt, dass der Garten zur Erholung und nicht erwerbsmäßig genutzt wird und schreibt vor, dass auf mindestens einem Drittel der Fläche Obst und Gemüse angebaut werden muss. Wie hoch die Hecke als Sichthöhe sein darf, regelt die Satzung der Kleingartenvereine. Regeln, Regeln, Regeln! Alles ist geregelt. Noch viel mehr, als ich hier anführen kann und will. Und wer gegen die Regeln verstößt, der wird bestraft! Aber die Kleingartenanlagen sind trotzdem beliebt und begehrt.

Da das Gelände jedoch in der Regel der Kommune gehört, ist der Bestand der Anlagen stets gefährdet. Ich erinnere mich, dass in meinem Landkreis die Untere Naturschutzbehörde plötzlich festgestellt hat, dass Kleingärten, die über hundert Jahre bestanden, eigentlich nicht genehmigt waren und die Mainauen angeblich beeinträchtigten. Es gab einen langen Kampf, und Verlierer waren die Gartenpächter, die über Generationen hinweg ihr kleines Paradies erhalten haben und es dann aufgeben mussten.

Auch wenn eine Stadt oder Kommune Baugelände für Wohnungen, Infrastruktur oder Schulen benötigt, gibt es oft kein Pardon. In Frankfurt geht es zur Zeit um 44 Kleingärten am Ratsweg, die für eine Europäische Schule das Feld räumen sollen. Der Vorsitzende des Regionalverbands der Kleingärtner, Oliver Lang, hat eine vernünftige Alternative als Standort für die Schule genannt, nämlich das Areal am Kaiserlei, dort wo eine Multifunktions-Arena geplant war.

Ich drücke allen Lauben-Piepern die Daumen, dass sie nicht weichen müssen, befürchte allerdings ...???!!! Denn eine große Lobby haben sie ja nicht, wie man weiß. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

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