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Letzte Aktualisierung: 15.10.2021

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Randbemerkung Mispelchen

von Ingeborg Fischer

(01.10.2021) „De Äppelwoi“ wurde spätestens seit Heinz Schenk und dem Blauen Bock auch dem Nicht-Hessen bekannt, wenn er auch nicht unbedingt allen schmeckt. Aber was „e Mispelche“ ist, das wissen schon die Menschen aus der Wetterau oder aus dem Odenwald nicht, obwohl sie dem „Äppelwoi“ keineswegs abgeneigt sind.

Foto: Frankfurt-Live
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„E Mispelche“ gibt es fast nur in echt Frankfurter Lokalen „dribbdebach“ oder in Seckbach und den umliegenden Stadtteilen. E Mispelche bestellt man zum Nachtisch oder als Absacker, das gehört sich für einen echten „Schobbepetzer“. Und es schmeckt –mmmmh – und gehört zum Stöffche wie der Handkäs mit Musik.

Also, für alle, die keine Ahnung haben, von was ich hier schreibe: Das Mispelchen ist ein Calvados im Schnapsglas mit einer Mispel aus der Dose, und es wird dann  etwas Saft dazugegeben. Die Mispel wird mit einem Zahnstocher aufgespießt, damit man sie herauspfriemeln kann, denn erst beißt man ein Stück von der Frucht ab und trinkt dann ein Schlückchen Saft-Calvados hinterher. Es stellt sich jetzt die Frage: was ist das denn für ein Dosenobst? Mispeln? Es sind Obstbäume, die die gelben Früchte tragen und sie blühen im Frühling so schön wie Apfelbäume. Das habe ich aber nur nachgelesen, denn ein Mispel-Baum ist mir noch nie untergekommen. Er  stammt angeblich aus Mittel-Asien. Aha, Frankfurt ist ja eine Weltstadt? Vielleicht haben die Äppelwoiwirte deshalb in den 1970er Jahren damit angefangen, „es Mispelche“ ihren Gästen anzubieten.

Meinen Freunden aus Nordhessen wollte ich nun zum Sommerfest in meinem Garten „e Mispelche“ kredenzen, weil das ja eine echte Frankfurter Spezialität ist. Calvados hatte ich schon besorgt, Zahnstocher waren auch da, aber schwierig war die Suche nach den gelben Früchten in der Dose. Leider sah ich in verständnislose Gesichter, wenn ich in Supermärkten suchte. Mispelchen? Was ist das? Nie gehört! Kenn ich nicht! Ich habe mir vorgenommen, beim Stöffche-Wirt meines Vertrauens in Seckbach einmal nachzufragen, wo er sie kauft. Denn dort gehen die Mispelchen nie aus.

Hopp, hopp, hopp, Schobbe in de Kopp! Unn als Absacker e goldgelb Mispelche im Calvados. Ach, wie guuuut! Prost!

 

 

 

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