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Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

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Randbemerkung: „Fast wia im richtigen Leben“

von Ingeborg Fischer

(20.05.2022) Gerhard Polt, der große Menschenbeobachter - oft im Trachtenjanker – ist 80 geworden. Einem breiten Publikum bekannt wurde er durch die Serie „Fast wia im richtigen Leben“, die die ARD ab 1979 ausstrahlte. Gemeinsam mit Gisela Schneeberger entlarvte er mit seinen Sketchen den Kleinbürger, den Spießer, den stolzen Papa oder auch die neureiche Gesellschaft so trefflich, dass einem oft das Lachen im Hals stecken blieb.

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In Erinnerung sind mir bis heute Szenen wie diese: ein Mann stellt die Thailänderin Mai Ling vor, die er sich per Katalog aus Bangkok hat schicken lassen. Und er stellt fest, sie sei etwas sehr gelb geraten, aber deshalb auch preiswert gewesen. Dazu kommt noch der Vergleich mit seinem Schäferhund, der ebenfalls gehorsam war. Das hat fast weh getan.

Über das Kind, das einfach nur keinen Purzelbaum vorführen will und die Wut des Vaters kann man wenigstens schmunzeln. Und immer an Ostern und zu Nikolaus wird der Sketch im Radio oder TV wiederholt, bei dem ein Kind sich nicht belehren lässt, dass der „Osterhasi“ aus Schokolade kein „Nikolausi“ ist. L e g e n d ä r !

Polt beobachtet die Menschen und er legt ihre Schwächen bloß. Ob er einen Besitzer, der sich einen Atombunker gebaut hat, reden lässt, ein Ehepaar eine Wohnung vermieten will oder ein anderes einen Brand im Nachbarhaus vom Fenster aus beobachtet, das ist nicht nur zum Lachen, sondern oft fast zum Weinen.

In Altötting und München ist Gerhard Polt aufgewachsen, und sein Bayrischer Dialekt macht die Sketchs noch glaubwürdiger. Filme hat er gedreht (Man spricht deutsch), Bücher geschrieben und Kabarett-Programme gemacht.

Auch im „Scheibenwischer“ ist er aufgetreten. Meist mit bei seinen Auftritten ist die Musikgruppe der Well-Brüder „Biermösl-Blosn“. Das klingt urig, aber er und die Musikanten sind weit entfernt davon, Volkstümelei auf die Bühne zu bringen. Den Spiegel vorhalten will er der Gesellschaft, und das tut er nach wie vor auf seine unnachahmliche Weise. Trotzdem! Söder hat ihm den Bayerischen Verdienstorden verliehen.

Polt hat Geschichte, Kunstgeschichte, Politikwissenschaften und Nordische Sprachen studiert und arbeitete als Übersetzer und Sprachlehrer in München.

Er ist ein äußerst kluger politischer, aber natürlich kein parteipolitischer Mensch. Deutlich hat er sich gegen die Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland an die Ukraine ausgesprochen. Nein, der 80-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund!

Alles Gute nachträglich zum Geburtstag