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Letzte Aktualisierung: 30.09.2020

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Rückgang der Lohnspreizung zwischen Gering- und Besserverdienenden in Hessen

von Helmut Poppe

(15.09.2020) Zwischen 2014 und 2018 hat sich die Lohnspreizung zwischen Gering- und Besserverdienenden in Hessen verringert: Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, fiel der Verdienst von Besserverdienenden im Jahr 2018 in Hessen mindestens 3,49-mal so hoch aus wie der von Geringverdienenden.

Bruttostundenverdienste im Zeitverlauf
Foto: HSL
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Im Jahr 2014 hatte dieser Faktor bei 3,72 gelegen. Gleichzeitig ist der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn gegenüber 2014 um 0,4 Prozentpunkte gestiegen.

Aktuell vorliegende Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung zeigen, dass die Lohnspreizung zwischen Gering- und Besserverdienenden zwischen 2014 und 2018 in Hessen abgenommen hat. Die Besserverdienenden – definiert als das Zehntel aller Beschäftigten, das die höchsten Bruttostundenverdienste aufweist – verdienten im Jahr 2018 pro Stunde 34,88 Euro (9. Dezil) oder mehr. Demgegenüber erhielten die Geringverdienenden – das Zehntel aller Beschäftigten mit den niedrigsten Bruttostundenverdiensten – pro Stunde maximal 9,98 Euro (1. Dezil). Dadurch ergibt sich ein Dezilverhältnis von 3,49, was bedeutet, dass der Lohn von Besserverdienenden im Jahr 2018 in Hessen mindestens 3,49-mal so hoch ausfiel wie der von Geringverdienenden. Im Jahr 2014 hatte dieses Dezilverhältnis in Hessen 3,72 betragen.

Der mittlere Bruttostundenverdienst (5. Dezil = Median), der von gleich vielen Beschäftigten über- wie unterschritten wird, belief sich im Jahr 2018 in Hessen auf 17,56 Euro. Das Dezilverhältnis der Besserverdienenden zu dieser Mitte der Lohnskala hat sich von 2014 bis 2018 geringfügig verringert: Es lag in Hessen im Jahr 2018 bei 1,99 und vier Jahre zuvor bei 2,04. Ebenso konnten die Geringverdienenden zur Mitte aufschließen: Das Dezilverhältnis des mittleren Verdienstes zum Schwellenwert der Geringverdienenden sank in den Jahren 2014 bis 2018 von 1,83 auf 1,76. Diese Entwicklung der Lohnspreizung ist auch von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 und seiner Erhöhung im Jahr 2017 geprägt.

Beschäftigte mit Niedriglohn und Hochlohn

Der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn stieg im Zeitraum 2014 bis 2018 geringfügig an. Im Jahr 2018 fielen in Hessen 18,8 Prozent aller Beschäftigten in diese Kategorie, vier Jahre zuvor waren es 18,4 Prozent. Zum Niedriglohnbereich zählen alle Beschäftigten, die weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes erhalten. Die bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle für das Jahr 2018 lag bei einem Bruttostundenverdienst von 11,05 Euro.

Demgegenüber ist der Anteil der Beschäftigungsverhältnisse mit Hochlohn zwischen 2014 und 2018 von 26,3 Prozent auf 25,3 Prozent gesunken. Zu diesem Bereich zählen bundeseinheitlich alle Beschäftigten, die mehr als das Eineinhalbfache des mittleren Verdienstes erhalten. Im Jahr 2018 lag die Schwelle für den Hochlohnbereich bei einem Bruttostundenverdienst von 24,87 Euro.

Hinweise

Das sogenannte Dezilverhältnis ist ein Maß für die Lohnspreizung. Dezile (Schwellenwerte) teilen eine Menge in zehn gleiche Teile. Als Besserverdienende wird dabei das Zehntel aller Beschäftigten definiert, das die höchsten Bruttostundenverdienste (oberhalb des 9. Dezils) aufweist. (HSL)