Psychologie-Studium boomt
Zahl der Erstsemester hat sich in zwanzig Jahren vervierfacht
Rund 116.500 Studenten sind in Deutschland in einem Fach mit Psychologiebezug eingeschrieben. Dazu zählen das klassische Angebot an Universitäten sowie Studiengänge an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, wie etwa Wirtschaftspsychologie. Eine Auswertung des CHE zeigt: Das Studienfeld ist stark gewachsen und regional sehr unterschiedlich verteilt. Besonders genau hinsehen müssen alle, die später als Psychotherapeuten arbeiten wollen.
Im Wintersemester 2024/25 studierten rund 116.500 Menschen in Deutschland ein Fach mit Psychologiebezug. Davon waren knapp 60 Prozent an Universitäten und 40 Prozent an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, kurz HAW, eingeschrieben. Der starke Ausbau der Studienangebote – besonders an den HAW – hat die Zahl der Erstsemester deutlich erhöht. Lag sie im Wintersemester 2004/05 noch bei knapp über 3.000, waren es im Wintersemester 2024/25 mehr als 12.000 Studienanfänger pro Jahr.
„Das Angebot an Studiengängen im Bereich Psychologie hat sich in Deutschland massiv verbreitert, unter anderem durch neue Studienangebote wie Angewandte Psychologie oder Wirtschaftspsychologie“, sagt Cort-Denis Hachmeister, Autor des CHE DatenCHECKs „Psychologie studieren“. „Aus einem stark nachgefragten Uni-Fach ist ein breites Studienfeld an privaten und öffentlichen Universitäten und HAW geworden. Die Zahl der Studienanfänger hat sich seit den 2000er-Jahren von rund 3.000 auf mehr als 12.000 Personen vervierfacht.“
Vier von fünf Studenten sind weiblich
Bundesweit studieren rund vier Prozent aller Studenten ein Fach aus dem gesamten Studienfeld Psychologie, also auch Wirtschafts- oder Angewandte Psychologie. Bei den „klassischen“ Psychologie-Studenten an Universitäten sind es 2,3 Prozent. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gibt es eine besonders hohe Dichte in den Stadtstaaten. Spitzenreiter ist hier Hamburg. Hier kommen 244 universitäre Psychologiestudenen auf 100.000 Einwohner, in Berlin liegt die Quote bei 168, in Bremen bei 129. Im Geschlechterverhältnis bleibt das Fach stark weiblich geprägt. Im Wintersemester 2024/25 waren vier von fünf Studienanfänger in Psychologie-Studiengängen Frauen.
Entscheidend für die späteren Einsatzmöglichkeiten im psychologischen Bereich sind Hochschulart, Abschluss und Anschlussfähigkeit. An staatlichen Universitäten ist der Bachelor häufig zulassungsbeschränkt und läuft über ein bundesweit koordiniertes Zulassungsverfahren. In der Regel wird als Auswahlkriterium die Abiturnote verwendet, aber auch immer häufiger zusätzlich das Ergebnis des bundesweiten Studieneignungstests für Psychologie (BaPsy-DGPs). Die Zulassungsverfahren für Psychologie-Angebote an HAW oder privaten Hochschulen laufen dagegen oft direkt über die jeweilige Einrichtung. Private Hochschulen nutzen statt der Abiturnote häufig andere Auswahlkriterien wie bspw. ein Motivationsschreiben und/oder ein Bewerbungsgespräch.
Wer später als Psychotherapeut*in arbeiten will, braucht jedoch den passenden universitären Studiengang: zunächst einen polyvalenten Bachelor, danach den Master Klinische Psychologie und Psychotherapie. Andere Angebote können fachlich interessant sein, ermöglichen diesen Berufsweg aber nicht. „Psychologie ist nicht gleich Psychologie“, sagt Cort-Denis Hachmeister. „Wer Psychotherapeut nicht als Berufsziel hat, findet heute viele Alternativen, etwa in Wirtschaftspsychologie oder Angewandter Psychologie. Wer Therapeut werden möchte, muss dagegen sehr genau auf Hochschulart, Studiengang und den dazu passenden Masteranschluss achten.“ - idw.