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Letzte Aktualisierung: 29.05.2024

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Prof. Raphael Gross erhält die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt

von Ilse Romahn

(30.04.2024) Der ehemalige langjährige Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt und Leiter des Fritz Bauer Instituts Prof. Raphael Gross wurde am Montag, 29. April, von Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.

Die Stadträtin dankte ihm im Namen der Stadt für sein Wirken, seine unermüdliche Hingabe und seinen Beitrag zur Förderung des historischen Bewusstseins, die das kulturelle Erbe der Stadt Frankfurt bereichert haben. Im Fokus der Auszeichnung von Gross, der für seine Tätigkeit als Direktor des Fritz Bauer Instituts 2013 den Ignatz Bubis-Preis wie auch die Wilhelm-Leuschner-Medaille erhielt, stand sein Beitrag als Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt. „Unter der Leitung von Prof. Gross entwickelte sich das Jüdische Museum Frankfurt zu einem international wahrgenommenen intellektuellen wie öffentlichkeitswirksamen Ort. Er schaffte die Grundlagen für die umfangreiche Erneuerung des Museums, so wie wir es heute kennen und worauf die Stadt Frankfurt zurecht stolz ist“, sagte Hartwig in ihrer Rede.
 
2006 wurde er zum Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt berufen, ein Jahr später wurde er Direktor des Fritz Bauer Instituts und 2008 Honorarprofessor an der Goethe Universität Frankfurt. Gross´ Forschungsinteresse galt der deutsch-jüdischen Zeitgeschichte nach 1945, die in Ausstellungen, Publikationen und Vortragsveranstaltungen als Konfliktgeschichte dargestellt und reflektiert wurde. Herausragende Beispiele für diesen thematischen Fokus waren die Ausstellungen „Ignatz Bubis. Ein jüdisches Leben in Deutschland“ (2007), „Raub und Restitution“ (2009 mit dem Jüdischen Museum Berlin), „Ausgerechnet Deutschland: Jüdisch-russische Einwanderung in der Bundesrepublik“ (2010), als erste Ausstellung zur jüdischen Gegenwart im wiedervereinigten Deutschland, sowie die noch immer tourende Wanderausstellung „Fritz Bauer – Der Staatsanwalt“ (2014 mit dem Fritz Bauer Institut).
 
In den Jahren 2008 bis 2015 war Gross mit dem Museum federführend an der Entwicklung der Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle beteiligt, die an die Deportationen von etwa 10.000 Jüdinnen und Juden aus Frankfurt erinnert. Die Konzeption der Erinnerungsstätte ebenso wie die Begleitpublikation bauten auf den jahrelangen Forschungen von Gross zur Verfolgungsgeschichte von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus auf, zu denen er 2013 auch eine eigene Monografie „November 1938. Die Katastrophe vor der Katastrophe“ veröffentlichte.
 
Zu den großen Verdiensten von Gross als Direktor des Jüdischen Museums zählt außerdem die 2012 mit den Erben und dem Anne Frank Fonds in Basel getroffene Übereinkunft einer Dauerleihgabe, privater Gegenstände und Dokumente aus dem Besitz der Familie, an die Stadt Frankfurt, worauf die Gründung des Familie Frank Zentrums folgte, das sich dem Erforschen und Bewahren dieser privaten Zeugnisse sowie dem Vermitteln der Geschichte der aus Frankfurt stammenden Familie Frank widmet.
 
Gross arbeitete während seiner Zeit als Direktor des Jüdischen Museums kontinuierlich darauf hin, die Bedeutung des Jüdischen Museums zu stärken. Zusammen mit dem Museumsteam bereitete er die Erweiterung und Neuausrichtung des Museums energisch vor. 2015 konnte auf Grundlage der Pläne die Erneuerung des Museums vom Magistrat beschlossen werden. „Es gehört zu den herausragenden Verdiensten von Raphael Gross, den politischen Willensbildungsprozess, der diesem Beschluss zugrunde lag, mit einer qualitativ hochwertigen Museumsarbeit und diplomatischem Geschick herbeigeführt zu haben“, sagte Hartwig.
 
Dass unter der Federführung von Gross neukonzipierte Museum Judengasse wurde 2016 mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgezeichnet. Dem neuem Museumskomplex am Bertha-Pappenheim-Platz 1 wurde im Jahr 2022 die höchste Auszeichnung des Bunds deutscher Architektinnen und Architekten, die Große Nike verliehen. Der Spatenstich am Neubau des Museums am Rothschildpalais im Dezember 2015 war die letzte Amtshandlung von Gross als Museumsdirektor in Frankfurt. Sein Wunsch nach intensiver wissenschaftlicher Forschung führte ihn an das Simon Dubnow Institut für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig, wo er die Leitung übernahm. Seit 2017 ist Gross Präsident des Deutschen Historischen Museums und für die Neukonzeption der hiesigen Dauerausstellung zuständig. (ffm)